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Flagge der Initiative "Die Vielen"
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Eva Casper
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Flagge der Initiative "Die Vielen"

Hunderte führende deutsche Kulturinstitutionen habe sich in einer Kampagne zusammengeschlossen, um ein Zeichen gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu setzen. Immer mehr Kunstschaffende und Kulturinstitutionen seien bei ihrer Arbeit Drohungen von Rechten oder Rechtspopulisten ausgesetzt, heißt es von der Initiative mit dem Namen „Die Vielen“. Mit dem gebildeten Netzwerk wolle man sich gemeinsam zur Wehr setzen – notfalls auch juristisch.

„Kunst und Kultur müssen frei und kritisch bleiben können“, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, am Freitag in Berlin: „Wir müssen Solidarität zeigen, wenn Kunst, Kultur und Künstler sich bedrängt fühlen.“ Besonders auf kleinere, regionale Kultureinrichtungen werde seitens rechter Aktivisten Druck ausgeübt.

Kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda

Etwa 300 Einrichtungen, darunter namhafte Theater, Museen und Festivals, haben sich der Kampagne bereits angeschlossen. In einer Erklärung sprechen sie sich für eine offene und pluralistische Gesellschaft aus: "Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden“, heißt es dort. Völkisch-nationalistischer Propaganda biete man kein Podium. Diese stehe einer „Kunst der Vielen“ feindselig gegenüber.

Die Initiative besteht aus vier regionalen Gruppen in Berlin, Dresden, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In der Erklärung des Dresdner Bündnisses heißt es: „In unserem Bundesland Sachsen arbeiten Pegida, Identitäre Bewegung und AfD Hand in Hand und polemisieren gegen die demokratische weltoffene Gesellschaft. Dem stellen wir uns entgegen.“

Gegen eine weitere Spaltung der Gesellschaft

Derzeit würden sich weitere regionale Bündnisse bilden, sagte Holger Bergmann, der die Erklärung initiierte. Kultureinrichtungen, aber auch Künstler und Privatpersonen seien eingeladen, sich der Initiative anzuschließen und die Erklärung auf der Webseite von „Die Vielen“ zu unterzeichnen.

Es gebe „die Notwendigkeit, die Freiheit der Kunst zu verteidigen gegen die Stimmen des Ausschlusses und der Hetze“, sagte die Vizepräsidentin der Berliner Akademie der Künste, Kathrin Röggla. Man müsse sich gegen eine weitere Spaltung der Gesellschaft engagieren, sagte der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne. Als öffentliche Orte hätten Theater, Orchester und andere eine politische Verantwortung, „den Dialog und die Brücke zu den Menschen zu suchen“. Neben überzeugten Rechten gäbe es aber auch Menschen, „die vielleicht frustriert und verzweifelt sind“ und existenzielle Ängste hätten. Diese Menschen sollten nicht von vornherein verurteilt werden, sagte Grandmontagne.

Unterstützer der Initiative "Die Vielen" bei einer Pressekonferenz in Berlin

Unterstützer der Initiative "Die Vielen" bei einer Pressekonferenz in Berlin

Erinnerung an NS-Pogromnacht von 1938

Der Generalintendant des Schauspielhauses Düsseldorf, Wilfried Schulz, sagte: „Kunst und Kultur stehen immer an der Seite der Opfer, der Verfolgten.“ Die Direktorin des Duisburger Lehmbruck-Museums, Söke Dinkla, verwies auf den 80. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938, der an diesem Freitag stattfindet: Zunehmende Intoleranz, Ausgrenzungen und Aggressivität von rechts erinnerten an die Zeit des Nationalsozialismus, sagte sie: „Gerade deshalb müssen wir als Kulturschaffende unsere Stimme lauter werden lassen und mit dafür sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.“

Allein in Berlin schlossen sich mehr als 140 Kultureinrichtungen der neuen Initiative an. Neben dem Kulturrat sind auch die Akademie der Künste, die Deutsche Oper und der Friedrichstadt-Palast dabei. In Hamburg machen unter anderem das Thalia-Theater, die Elbphilharmonie und das Ohnesorg-Theater mit, in Nordrhein-Westfalen das Düsseldorfer Schauspielhaus und das Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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