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Die neue Vorsitzende der ARD: Christine Strobl.

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    Neue ARD-Programmdirektorin: Christine Strobl im Portrait

    Die ARD-Programmdirektion ist eine herausfordernde Aufgabe: Mit neun Landesrundfunkanstalten das Programm fürs Erste zu koordinieren, das möglichst allen gefällt. Ab 1. Mai versucht sich Christine Strobl an dieser Quadratur des Kreises.

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    Von
    • Sissi Pitzer

    Die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl (49) war bisher Chefin der Degeto Film, der Produktionstochter der ARD. Dort hat sie nicht nur kräftig aufgeräumt, sondern auch "Babylon Berlin" auf den Weg gebracht. Für dieses national wie international erfolgreiche Hochglanz-Projekt wurde eine Kooperation mit der privaten Konkurrenz eingegangen, mit dem Pay-TV-Sender Sky. Das hatte Strobl gegen interne Widerstände durchgesetzt, und der Erfolg gibt ihr recht. Dass sich Fernsehen immer mehr vom linearen Programm zum Schauen auf Abruf verschiebt, sieht sie als wichtigste Herausforderung ihres neuen Amtes.

    Originäres Angebot für die ARD Mediathek

    Auf die ARD Mediathek, die seit einem Jahr unter ihrem Leiter Florian Hager zur ARD-Programmdirektion gehört, wird Strobl daher ein besonderes Augenmerk richten. Sie soll weg von ihrer Funktion als eine Art Videorekorder, als "Sendung-verpasst-Angebot":

    "Wir brauchen eigenes, originäres Programmangebot für die ARD-Mediathek, um jeden Monat eine große Serie anzubieten, um jede Woche eine Dokumentation nach vorne stellen zu können. Und insofern trennen sich da ein wenig die Wege zwischen linearem Angebot im Ersten und der Mediathek, und dieses beides hinzukriegen, wird die entscheidende Aufgabe sein." Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin

    Zu viel für Ältere, zu wenig für Jüngere

    Das Erste ist vor allem bei den Über-60-Jährigen beliebt, und für sie soll es auch weiter interessantes Programm geben. Aber insgesamt macht die ARD zu viel vom Gleichen für diese Altersgruppe, heißt es selbstkritisch.

    Die jüngeren, die Unter-30-40- und sogar schon die Unter-50-Jährigen, gehen immer mehr an die Streaming-Angebote von Netflix über Amazon bis Joyn verloren. Daher, so Strobl, braucht es auch in deutschen Serien einen neuen Erzählstil und andere Themen: "Wir haben erstmals mit 'All you need' eine queere Dramedy-Serie in Deutschland beauftragt, die es ab 7. Mai in der ARD Mediathek zu sehen gibt".

    Diversität bei Geschlecht, Religion, Herkunft

    Auch mehr Diversität hat sich die neue ARD-Programmchefin auf die Fahnen geschrieben; sie ist die erste Frau in diesem Amt. Ihr Vorgänger Volker Herres hatte letztes Jahr einen regelrechten Shitstorm geerntet, als er äußerte, er sehe keine geeignete Frau als Moderatorin von großen TV-Shows. Für Strobl heißt Diversität nicht nur mehr Frauen auf dem Bildschirm, sondern auch mehr Programm mit und für Menschen mit Migrationshintergrund.

    "Ich bin sehr froh, dass es den Kollegen vom WDR gelungen ist, mit Esther Sedlaczek eine Kollegin für die Sportschau zu gewinnen. Ich weiß, welche Wirkmacht Bilder haben und bin mir dessen bewusst, dass wir als Programm sowohl in der Mediathek als auch im Ersten hierauf besonders achten müssen – und es ist mir auch ein Anliegen." Christine Strobl, ARD-Programmdirektorin

    Strobl glaubt, dass die ARD Menschen mit Migrationshintergrund zu wenig Angebote macht – und wenn es sie gibt, dann seien sie oft nicht auffindbar. Angebote für alle, das ist ihr Ziel.

    Flexibler bei Breaking News

    Die harsche Kritik an der verzögerten Reaktion der ARD auf die Erstürmung des US-Capitols im Januar hat gezeigt, dass mehr Flexibilität im Programm gefragt ist. Gemeinsam mit dem ebenfalls neuen ARD-Chefredakteur Oliver Köhr – wie Mediatheken-Chef Hager einer ihrer Stellvertreter – will Strobl das Problem angehen.

    Man benötige zwar keinen eigenen Newskanal, da man mit Phönix und tagesschau24 gut aufgestellt sei, aber die Senderfamilie müsse schneller reagieren und vor allem deutlicher auf aktuelle Berichterstattung in ihren anderen Kanälen – auch beispielsweise bei Facebook – hinweisen.

    Frischer Wind im 15. Stock

    In der ARD Programmdirektion im 15. Stock des BR-Hochhauses am Münchner Hauptbahnhof wird ein anderer Stil einkehren. Die 49-jährige Juristin ist seit 1999 in der ARD und hat beim SWR unter anderem das Kinder- und Familienprogramm geleitet. Sie gilt als locker und teamorientiert – und als durchsetzungsstark. Was sie im Kreise der vielen Verantwortlichen, die in der ARD mitreden, gebrauchen wird.

    Vor der Tatsache, ab jetzt unter anderem für 24 Stunden Programm täglich verantwortlich zu sein, hat sie Respekt. Kommt es zu kurzfristigen Programmänderungen, muss sie den Hebel umlegen. Doch bei dieser Aufgabe setzt sie auf Teamplaying – im Zusammenspiel von ARD-Programmdirektion, ARD-aktuell in Hamburg und allen Landesrundfunkanstalten.

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