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Neuburger Kammeroper trotzt Corona | BR24

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Mitte Juli soll es in der Neuburger Kammeroper wieder Aufführungen geben.

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Neuburger Kammeroper trotzt Corona

Während die meisten Sommer-Festspiele wegen des Coronavirus ausfallen, will die Neuburger Kammeroper auf die Bühne. Der Vorhang soll sich Mitte Juli heben, doch gerade im Biedermeier-Theater in der historischen Altstadt ist das nicht leicht.

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Bei der Probe im Neuburger Stadttheater steht der Infektionsschutz mit auf der Bühne. Tenor Goran Zach alias Polidoro huldigt seiner Auserwählten und neigt sich zu ihr. Doch das ist zu viel Nähe in Corona-Zeiten. Da muss der künstlerische Leiter und Regisseur Horst Vladar einschreiten. Goran Zach darf seine Zuneigung nur per Flugküsschen demonstrieren. 

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Umarmungen sind verboten

Schmusereien und heiße Umarmungen sind in pandemischen Zeiten verboten. Auch wenn es bei den Festspielen der Neuburger Kammeroper in diesem Jahr um "Theatralische Abenteuer" geht, also um Liebeleien, Intrigen, eifersüchtige Sängerinnen und all den anderen Ärger, den ein Theaterdirektor so am Hals haben kann.

Keine Oper mit Chor

An das in Vergessenheit geratene Stück "Theatralische Abenteuer" hat sich Horst Vladar, der künstlerische Leiter der Festspiele, erinnert, als das Coronavirus all seine Pläne zunichte gemacht hat: Die ursprünglich geplante Oper mit Chor konnte nicht aufgeführt werden, denn der Chor hätte in Corona-Zeiten nicht ausreichend Zeit zum Proben gehabt.

Deshalb entschied sich der ehemalige Opernsänger Vladar für das Singspiel  "Theatralische Abenteuer". Das Libretto stammt von Johann Wolfgang von Goethe und dessen Schwager Vulpius. Die Musik von Domenico Cimarosa und Wolfgang Amadeus Mozart. Das Stück lässt sich in kleiner Besetzung aufführen. Nur sechs Solisten reichen.

Weniger Musiker wegen der Abstandsregeln

Auch im Orchestergraben gibt es nach dem Abstandsregeln nur noch Platz für einen Bruchteil der Musiker. Der musikalische Leiter Alois Rottenaicher arbeitete die Partitur also um und statt mit eigentlich 30 Musikern kommt er nun mit 10 aus.

Erstes Engagement für viele Künstler

Die Musiker und die Sänger sind dankbar für diese Flexibilität und Beharrlichkeit. Für etliche Künstler sind die Festspiele der Neuburger Kammeroper das erste Engagement seit Beginn der Corona-Pandemie.

„Ich bin so froh, wieder auf einer Bühne zu stehen. Das ist wunderbar für mich als Künstlerin, aber auch finanziell. Irgendwie muss jeder von uns die Miete zahlen. Deshalb sind wir den musikalischen und künstlerischen Leitern so dankbar für ihr Engagement!" Sopranistin Ines Vinkelau

Premiere am 18. Juli

Die Opernrarität hat am 18. Juli Premiere im hübschen Biedermeier-Theater im Zentrum der historischen Altstadt. Die Premiere und alle weiteren Aufführungen am 19. Juli sowie vom 24. bis 26. Juli beginnen um 20 Uhr.

Neuburger Kammeroper seit über 50 Jahren

Das kleine Theater gilt als eines der ersten Bürgertheater Bayerns und steht für den Kultursinn der Neuburger. Die Bürger ließen es 1868 errichten und knüpften damit an die kulturelle Hochphase unter den Renaissance-Fürsten an. Verteilt auf Parkett und zwei Ränge bietet das kleine Theater Platz für gut 280 Zuschauer.

Vorliebe für unbekanntere Opern

Nach einer grundlegenden Renovierung wurde es 1969 wiedereröffnet. Der in Neuburg aufgewachsene Opernsänger und Regisseur Horst Vladar gründete zu diesem Anlass die Neuburger Kammeroper. Seit über 50 Jahren bringt sie seitdem jeden Sommer neue Produktionen auf die Bühne und hat es sich zur Aufgabe gemacht, (fast) unbekannte Opern vorzustellen. Sie wird inzwischen von der Stadt und dem Landkreis gefördert.

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