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Warum wirklich alle „I Am Not Okay With This“ lieben werden | BR24

© Netflix

Ein bisschen wie Eleven aus "Stranger Things": Sidney Novak ist ziemlich normal ... oder?

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    Warum wirklich alle „I Am Not Okay With This“ lieben werden

    Was kommt raus, wenn sich die Macher von „Stranger Things“ mit dem Autoren von „End of The F***ing World" zusammentun? Eine Teenie-Serie für Erwachsene, sagt unsere Kritikerin: “I Am Not Okay With This” könnte viele Serienfans sehr glücklich machen.

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    Sidney Novak ist eine ziemlich normale Schülerin. Und hatte einen ziemlich beschissenen Tag. Ihre beste Freundin Dina turtelt mit deren neuen Freund, für Sidney bleibt da keine Zeit. Die Schule? Macht wenig Sinn. Und zu Hause liefert sie sich mit ihrer Mutter ein verbales Gefecht nach dem anderen. Das ist der Normalzustand, seitdem ihr Vater Selbstmord begangen hat. In Sidney brodelt es. Sie rennt in ihr Zimmer, setzt sich auf den Boden, ihre Gedanken hören nicht auf zu rasen. Bis die Wand, an der sie lehnt, einen gewaltigen Riss hat.

    Ein bisschen Eleven aus “Stranger Things”

    Sidney entdeckt telekinetische Kräfte, die sie zu allem Überfluss nicht einmal steuern kann. Bowlingkugeln fliegen durch die Luft, Schränke fallen um und ihr eigentlich sehr langweiliges Außenseiterleben erfährt einen sozialen Kollateralschaden nach dem anderen. Sie bringt die Nase eines High-School-Sport-Dödels zum Bluten, tötet aus Versehen den Haus-Igel. Das alles vertraut sie aber nur einem an und auch nur schriftlich. So fasst die Off-Stimme von Sidney immer wieder ihren emotionalen Hochwasserstand zusammen.

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    Erinnern stark an Eleven und Mike aus "Stranger Things": Sidney und ihr Kumpel Stan.

    Dass die Serie “I Am Not Okay With This” bei aller Mystik um Sidneys Kräfte durchaus charmant ist, liegt auch daran, dass hier vor allem eine Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt wird. So kann man Sidneys Kräfte nämlich auch lesen: als eine Zuspitzung der ganzen Wut und Verwirrung, die die Pubertät wie eine Welle über die Protagonistin hereinbrechen lässt.

    Eine Teenie-Serie für Erwachsene

    Und es gibt noch einige andere Zutaten, die aus “I Am Not Okay With This” eine Narration über Teenies macht, die auch für Erwachsene geeignet ist. Zum Einen sind da viele clever überraschende Kommentare zu Gender und Queerness. Etwa als Sidneys Freundin Dina dem Hausmeister der Schule einen Schlüssel abluchsen will. Und dabei versucht einen auf verführerisch zu machen. Nach Schema F wird also ein Bleistift fallen gelassen, in einer ungelenken Beugung aufgehoben und der weibliche Körper pseudo-sexy wieder aufgerichtet. Nur hat das auf den Hausmeister nicht die erwartete Wirkung: “Hör auf damit. Also erstens bin ich verheiratet. Und zweitens bin ich schwul. Ich finde dein Verhalten hier etwas beleidigend. Nicht nur mir gegenüber, auch dir selbst.”

    © Netflix

    Wie "Sex Education" zeigt auch "I Am Not Ok With This": Eine Highschool-Kulisse macht noch keine Teenie-Serie.

    Ein anderes Markenzeichen der Serie ist mitunter ganz schön penetrant. Es sind 80er-Anleihen. Denn wie in vielen aktuellen Serien wird hier mit der Zeit gespielt. Die Schüler haben Handys, die Kleidung ist aber zeitlos und der Soundtrack besteht aus Retrosound und Hits aus vor drei Jahrzehnten. Der Musikeinsatz hat große Ähnlichkeit mit dem aus dem Weirdo-Hit “The End of the F***ing World”, der wie auch “I Am Not Okay With This” auf einer Comicvorlage von Charles Forsman basiert.

    Endlich wieder Serien-Lagerfeuer

    Klar, zeitgemäße Musik von 2020 wäre schon in einem Jahr veraltet. Dass die Hauptfiguren aber den Musikgeschmack von ausgefuchsten Musiknerds haben und auf dem Prom ein 80er Jahre Song nach dem anderen geschmettert wird, macht die Serie zuweilen zu einer der gewollten popkulturellen Schnitzeljagd. Denn nebenbei gibt es unter anderem auch noch Anspielungen auf die Filme “Breakfast Club”und Stephen Kings “Carrie”. Die beginnen schon in der allerersten Szene, in der Sid – wir erinnern uns, telekinetische Kräfte! – blutbenetzt und völlig neben sich, eine schwach beleuchtete Straße entlang geht. Darüber hinaus haben sowohl die Darstellerin von Sindey, Sophia Lillis, als auch ihr Geekfreund Stan, gespielt von Wyatt Oleff, in der Kinoverfilmung von “ES” aus den letzten Jahren mitgespielt.

    Allerdings lässt IANOWT so gut so verschiedene Genres miteinander verschmelzen – vondy – dass sie auch unter Serienfreunden ein verbindendes Element sein könnte. Weil hier tatsächlich alle bedient werden. Und allein das wäre in der Serienwelt, die 2020 verzweifelt ihre “Mitte” sucht, eine ganze schöne Leistung. Ich würde auf “I Am Not Okay With This” setzen.

    "I Am Not Okay With This" gibt es seit 26.02.2020 bei Netflix.

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