BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Jakub Porzycki/Picture Alliance
Bildrechte: Jakub Porzycki/Picture Alliance

Bringen Games Netflix aus der Krise?

Per Mail sharen

    Wegen Wachstums-Krise: Netflix setzt künftig auf Videospiele

    Der Streaming-Gigant findet nur noch vergleichsweise wenig neue Abonnenten, in den USA und Kanada verliert er wegen verschärfter Konkurrenz sogar Kunden. Jetzt sollen verstärkt Games nach Erfolgs-Formaten das Publikum vor den Bildschirm locken.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Der im kalifornischen Los Gatos ansässige Netflix-Konzern macht keine halben Sachen: Im Sommer wird er mit 3.000 Komparsen eine neue "Sisi"-Serie drehen, unter anderem in Bamberg, Bayreuth und Ansbach. In Prag halten gerade die Aufnahmen für den Action-Thriller "The Gray Man" die ganze Stadt in Atem. Es soll die bisher teuerste Produktion des Streaming-Giganten überhaupt sein. Superstars wie Chris Evans und Ryan Gosling sind dort am Start.

    Solche Jubel-Meldungen überdecken jedoch, dass sich das Wachstum von Netflix stark verlangsamt hat. Nur noch 1,5 Millionen neue Abonnenten konnten weltweit im zweiten Quartal 2021 hinzu gewonnen werden. Das entspricht einem Einbruch von 85 Prozent bei der Zunahme der Kunden. In den USA und Kanada verlor Netflix sogar rund 430.000 zahlende Zuschauer. Immerhin: Die Börsenfachleute hatten noch "schlimmere" Zahlen erwartet.

    Amazon und Disney+ machen Netflix das Leben schwerer

    Ursache für das stark gebremste Wachstum sei vor allem das Ende des pandemiebedingten Lockdowns in vielen Ländern, hieß es. Demnach schauten viele Netflix-Fans im vergangenen Winter ganze Serien am Stück, da es ohnehin kaum alternative Freizeitangebote gab. Die Zahl der Neukunden explodierte förmlich.

    Mittlerweile allerdings wurde die Konkurrenz von Amazon, Apple und Disney+ immer stärker. Netflix selbst weist in einem Brief an seine Aktionäre darauf hin, dass sich die Warner Media Group mit Discovery zusammengetan hat und Amazon kürzlich das MGM-Filmstudio gekauft hat und spricht von einer "Konsolidierung" der Streaming-Branche.

    © Milos Ruml/Picture Alliance
    Bildrechte: Milos Ruml/Picture Alliance

    Viel Action: Dreharbeiten in Prag zu "The Gray Man"

    Außerdem stehe Netflix im Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit Angeboten von Youtube, Epic Games und TikTok. Im Übrigen nutzten in den USA immer noch 63 Prozent aller Zuschauer das klassische Fernsehen, nur 27 Prozent seien Streaming-Kunden. Insgesamt spricht Netflix von einem "ungewöhnlichen Auf und Ab" beim Wachstum, das die Vergleichbarkeit der Zahlen sehr erschwere. Global hat Netflix derzeit 209 Millionen Abonnenten und will ungeachtet der schwächeren Expansion seinen Eigentümern noch mehr Gewinn bescheren als 2020.

    Games sollen nichts zusätzlich kosten

    Um wieder dynamischer zu wachsen, will Netflix auf Videospiele setzen. Der Konzern sei im "frühen Stadium" entsprechender Planungen, heißt es in dem Aktionärsbrief. Es gehe darum, die interaktiver zu werden und Erfolgsformate breiter aufzustellen: "Wir sehen die Games als einen weiteren neuen Inhalt für uns, ähnlich unserer Expansion bei Original-Filmproduktionen, Animation und Dokus."

    Dabei würden die Games die Kunden nichts zusätzlich kosten. Zunächst werde sich der Dienst auf Angebote für Smartphones konzentrieren: "Da wir inzwischen zehn Jahre bei selbst produzierten Angeboten hinter uns haben, denken wir, dass die Zeit reif ist, mehr darüber zu erfahren, wie unsere Mitglieder Videospiele einschätzen."

    Zu den Innovationen von Netflix gehört die Funktion "Play Something" für alle, die zu träge sind, sich selbst ein Programm zusammenzustellen. Ihnen wird diese Aufgabe von einer Software abgenommen. Weil die Abdeckung mit Datennetzen weltweit sehr unterschiedlich sei, habe Netflix obendrein dafür gesorgt, dass beim Download eine Produktion schon angesehen werden kann, bevor die gesamte Datei heruntergeladen ist. In 78 Ländern vor allem südlich der Sahara bietet Netflix zu geringen Kosten ein Paket ausschließlich für Handys an.