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Viel hilft viel: Netflix klotzt mit 71 Neuproduktionen | BR24

© Katalin Vermes/Netflix

Netflix-Serie "Barbaren"

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    Viel hilft viel: Netflix klotzt mit 71 Neuproduktionen

    Der Neid der Filmindustrie ist dem Streamingdienst gewiss: Völlig unbeeindruckt von der Pandemie lässt Netflix die Muskeln spielen und will 2021 jede Woche mindestens einen neuen Film zeigen, darunter als Highlight die Action-Komödie "Red Notice".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Netflix-Filmchef Scott Stuber setzt offenbar auf das Motto "viel hilft viel": Das globale Publikum sei derart unterschiedlich, so der Manager im Interview mit dem Fachblatt "Variety", dass sein Streamingdienst in diesem Jahr einen gewaltigen Output von 71 Produktionen haben müsse, um die Abonnenten insgesamt gewogen zu halten. So seien die jungen Erwachsenen überraschend stark für romantische Komödien zu begeistern, während andere lieber Action-Filme anschauten.

    Die Film-Fachpresse staunt dazu nicht schlecht und ringt sich ein zähneknirschendes Lob ab. So schreibt "Variety", es sei schon "beneidenswert", derzeit der größte Streamingdienst der Welt zu sein. Denn Netflix sei augenscheinlich von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht betroffen, sondern profitiere sogar von den vielen Mediennutzern, die nicht mehr ins Kino gehen können. Während klassische Filmkonzerne wie Warner Brothers um ihre Zukunft fürchten und viele Filmtheater wohl für immer schließen müssen, präsentierte Netflix ein imposantes (und teures) Jahresprogramm. "Wenn irgendetwas, dann unterstreichen diese Dutzenden von Filmtitel, wie gut der Streamingdienst momentan aufgestellt ist", so "Variety", "zumal die Impfkampagne deutlich mehr Zeit zu beanspruchen scheint als gedacht."

    Dreh mit altertümlicher Cinemascope-Filmkamera

    Netflix lässt unermüdlich produzieren und kauft darüber hinaus schier den Markt leer. Zu den Höhepunkten des Jahresprogramms soll die Action-Komödie "Red Notice" in der Regie von Rawson Marshall Thurber ("Skyscraper") gehören. In den Hauptrollen werden Gal Gadot und Dwayne Johnson als Interpol-Agent zu sehen sein. Das Budget soll bei 150 Millionen US-Dollar liegen. Gedreht wurde in Rom und auf Sardinien, auch mit einer altertümlichen Panavision-Kamera, wie sie bei den Monumentalfilmen "Ben Hur" und "Lawrence von Arabien" eingesetzt wurde. Das ist nach Ansicht von Branchen-Experten äußerst bemerkenswert, denn ursprünglich produzierten die Streaming-Dienste ja ausschließlich für den vergleichsweise kleinen Bildschirm, nicht für die Kino-Leinwand.

    Die "New York Times" schrieb, Netflix, bis vor kurzem in Hollywood vor allem gefürchtet, werde zunehmend zum "Retter der Filmindustrie". Der schiere Umfang des Jahresprogramms sei ein eindrückliches Indiz für die Dimension des Wandels in der Medienbranche.

    © Richard Shotwell/Picture Alliance

    Hat gut lachen: Netflix-Filmchef Scott Stuber

    Zu den weiteren Großproduktionen von Netflix gehört der Western "The Harder They Fall" mit Regina King und Jonathan Majors, Zach Snyders "Army of the Dead" über eine Zombie-Epidemie ausgerechnet im Spielerparadies Las Vegas und die Katastrophen-Satire "Don´t Look Up" über zwei Astronomen, die vor einem Asteroiden-Einschlag warnen. Im Cast sind Superstars wie Leonardo DiCaprio, Ariana Grande, Meryl Streep und Jennifer Lawrence. Auch der Horror-Dreiteiler "Fear Street" nach der gleichnamigen Buchreihe von R.L. Stine, der über Halloween ausgestrahlt werden soll, dürfte für Wirbel sorgen.

    "Filme werden jede Menge Lärm machen"

    Halle Berry wird bei Netflix ihr Regie-Debüt über eine Ex-Martial-Arts-Kämpferin haben, die um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft ("Bruised"). Insgesamt will der Streamingdienst mit 52 englischsprachigen Produktionen die Abonnenten bei Laune halten, worunter acht Cartoon-Filme sind. Immerhin zehn Angebote wurden nicht in englischer Originalsprache gedreht.

    Experte Mike Fleming urteilt im Fachportal "Deadline", Netflix-Filmchef Scott Stuber habe seine "Mission erfüllt". Die Jahrespräsentation von Netflix sei quasi eine kraftstrotzende Antwort auf das kürzliche Investoren-Treffen von Disney, wo dortige Projekte vorgestellt wurden. Fleming verweist auf den Andrang der Stars bei Netflix und nennt als Beispiel Regisseur Kevin Hart, der gerade einen Vertrag über vier neue Filme unterschrieben habe.

    Scott Stuber selbst, ehemals bei Universal unter Vertrag, wird mit dem Satz zitiert, die Trilogie "Fear Street" im Abstand von wenigen Tagen zu zeigen, statt wie im Kino üblich jeweils zwei Jahre zwischen den einzelnen Folgen verstreichen zu lassen, sei bisher keinem Produzenten möglich gewesen: "Es wird große Filme in diesem Jahr geben, die jede Menge Lärm machen werden." Dieser Lärm dürfte insbesondere bei den klassischen Filmstudios für wenig Begeisterung sorgen, und ob Netflix auf Kinofilm-Festivals wie Cannes künftig auftreten darf, steht nach Angaben von "Deadline" auch noch nicht fest, da französische Regeln das noch verhindern.

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