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Natanael Ganter ist erfolgreich in der Werbebranche. Der Jetset fasziniert ihn, die Karriere ist vorgeplant. Doch dann fällt ihm ein Buch über den Heiligen Franziskus in die Hände - und ab da wird alles anders.

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Nein zur Habgier: Vom Werbekaufmann zum Mönch

Natanael Ganter ist erfolgreich in der Werbebranche tätig. Der Jetset fasziniert ihn, ein dickes Auto ist in Aussicht, die Karriere vorgeplant. Doch dann fällt ihm ein Buch über den Heiligen Franziskus in die Hände - und ab da wird alles anders.

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Von
  • Andreas Unger
  • Diana Isabel Geier

"Meine erste Stelle war als Praktikant bei einer Werbeagentur, die ein Golfressort und ein Wellnesshotel betreute. Wenn man da als junger Mann reinkommt mit Anfang 20, denkt man: 'Wow, die große Glitzerwelt eröffnet sich mir hier und in die Richtung geht es weiter, das war schon beeindruckend."

Natanael Ganter hatte sich der verheißungsvollen Welt der Werbung verschrieben. Wofür er warb, war ihm damals ziemlich egal: für die Tourismus-Industrie, eine Bäckerei-Kette oder eine Partei – Hauptsache, das Geld stimmte. Er wollte Menschen dazu bewegen, zu konsumieren, zu kaufen, immer mehr haben zu wollen. Und auch er schwamm auf dieser Welle. Im Rückblick erscheint ihm dieses Leben nicht als Fehler, sondern als Phase.

Vom glänzenden Werber zum bescheidenen Mönch

Heute betet er das Morgengebet der Franziskaner im Münchner Stadtteil Lehel. Dass ausgerechnet er der Gier abschwören und Armut geloben würde, das hätte wohl niemand gedacht, der ihn aus seinem früheren Leben kannte.

Vielleicht wäre er heute Chef einer Werbeagentur – doch irgendetwas sperrt sich damals in Natanael Ganter. Ihm fehlt auf einmal der Antrieb. Seine Karriereplanung gerät ins Stocken. Zunächst vermutet er, dass ihm der Ehrgeiz abhanden gekommen ist, erzählt der Mönch: "Ich dachte erst, irgendetwas stimmt nicht, wahrscheinlich brauche ich eine Behandlung. Ich hab mir wirklich Sorgen gemacht.“ Beim Stöbern im Netz stößt er auf eine Biografie des Heiligen Franz von Assisi. Ein Aha-Moment für den Werbekaufmann. Er fühlt sich von dessen Biografie fasziniert: "Franziskus selbst war ein reicher Kaufmannssohn mit einer Karriere vor sich. Er war ein stadtbekannter Playboy, hat Partys geschmissen, war mit jungen Leuten unterwegs. Dann hatte er plötzlich einen Karriereknick. Das hat ihn in eine tiefe Krise geworfen."

Wie Franz von Assisi fand auch Natanael Ganter die Antwort in einer neuen Lebensweise: "Indem ich mit Bescheidenheit lebe – da liegt ganz viel Freiheit drin.“ Mit 34 Jahren entschied sich der erfolgsorientierte Werbekaufmann für den Eintritt ins Kloster. Aus ihm wurde Bruder Natanael.

Keiner ist frei von Gier und Habsucht

Frei von Gier und Habsucht sei man auch als Mönch nicht automatisch, erzählt Bruder Natanael. Auf die innere Haltung komme es an - auch bei der Armenspeisung: „Selbst beim Helfen gibt es Leute, die habsüchtig sind. Weil das Wichtigste für die Menschen dabei nicht ist, etwas zu schenken, sondern eine Dankbarkeit zu erfahren. Dieses 'Schau mir in die Augen und sei gefälligst dankbar, wenn ich dir was gebe!'

Güte statt Gier. Für Bruder Natanael ist sein Leben trotz der Verlockungen der Werbewelt im Kloster einfach stimmiger.

Das sagt die Bibel zu Geiz und Habgier

"Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, viele Güter zu haben." (Lukas 12,15)

"Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn er hat gesagt: 'Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen'." (Hebräer 13,5)

"Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habsucht." (Psalm 119,36)

"Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel." (Prediger 5,9)

"Denn Geiz ist eine Wurzel alles Übels; das hat etliche gelüstet und sind vom Glauben irregegangen und machen sich selbst viel Schmerzen." (Timotheus 6,10)

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