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Neil Diamond wird 80

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Der passionierte Trauerkloß: Neil Diamond wird 80

Neil Diamond kann Rock, Blues, Pop, Folk und Country. Er ist ein Mann mit Prinzipien, mit starken Songs und markantem Bariton. Das machte ihn in den 60ern und 70ern zum Superstar. Jetzt wird er 80.

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Von
  • Marcel Anders

"Ich habe halt eine gewisse Melancholie in mir, die sich auch in der Musik äußert und die die Leute attraktiv finden. Aber das ist nichts, was ich bewusst mache, es ist keine Masche, sondern einfach ein Teil von mir," sagt Sänger Neil Diamond, der heute 80 Jahre alt wird. "Ich habe auch eine fröhliche Seite, aber in der Musik kommt eher die melancholische zum Tragen. Und die scheint die Leute mehr zu berühren als alles andere."

Eine "Stimme voller Schlaglöcher"

Diese Erkenntnis nutzt Neil Diamond für eine bemerkenswerte Karriere: Er gibt sich als passionierter Trauerkloß, macht die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Glück zu seinem Aushängeschild und liefert Identifikationsfläche für ein Millionenpublikum. Dabei ist es seine Stimme, die ihm Glaubwürdigkeit verleiht: Ein Bariton, der Melancholie und Schmerz ausstrahlt. Beides ist echt: Diamond leidet unter heftigen Rückenproblemen.

"Meine Stimme ist, was sie ist. Sie ist ernst und voller Schlaglöcher, wie ich das gerne bezeichne. Aber: So war sie schon immer, und sie ist ein Teil von mir. Ich habe nie versucht, sie zu ändern. Sie ist ungeschönt und ich setze auch keine Technik ein, um da etwas zu verbessern. Zumal die Leute sie über die Jahre akzeptiert zu haben scheinen – zum Glück."

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Bildrechte: Everett collection associated film distribution picture alliance

Neil Diamond 1980: Der Musiker schrieb anfangs für Elvis und die Monkees, bevor er selbst die Bühne eroberte.

Sein markantes Organ und seine Herzschmerz-Texte unterlegt Diamond, der aus dem gutbürgerlichen, jüdischen Brooklyn stammt, mit einem breiten musikalischen Spektrum: Rock, Blues, Pop, Folk, Country, Musical-Melodien und World Beat-Einflüsse. Diamond fängt das kosmopolitische, multikulturelle New York der 60er ein. Zuerst schreibt er für Elvis und die Monkees, dann schwingt er sich selbst zum Superstar der späten 60er und 70er auf. Sein Ansatz: Ein Sound für jedermann. "Ich schätze, ich bin ein Schmelztiegel aus jedem musikalischen Genre, das ich mag – von Country über Folk, Rock´n´Roll, Chorgesängen und Latin-Sounds bis hin zur Popmusik", so Diamond. "Ich liebe all diese unterschiedlichen Formate und das schlägt sich auch in meinem eigenen Stil nieder. Ich kann in all diesen Genres schreiben und meine eigenen Songs entwickeln. Das fällt mir sehr leicht – ich bin längst nicht auf Rock´n´Roll fixiert."

Institution im US-amerikanischen Showbiz

Diamond wird zur Institution des amerikanischen Showbiz: Er veröffentlicht 32 Studio-Alben, ist regelmäßig auf Tournee, wird mit Auszeichnungen überhäuft und hundertfach gecovert. Etwa von UB40, die sein "Red Red Wine" zum Reggae-Klassiker umpolen, oder von Deep Purple, die "Kentucky Woman" in eine Hardrock-Hymne verwandeln. Das macht Diamond zum Multimillionär mit Strandhaus in Malibu, aber auch zum schwierigen Gesprächspartner, der zu Arroganz tendiert. Die schimmert durch, wenn er seine bewusste Verweigerung gegenüber der Politik erklärt: "Natürlich habe ich mich über die Jahre an diversen politischen Aktionen in den USA beteiligt, gerade in Sachen Waffenkontrolle. Aber ganz allgemein halte ich mich von Politikern und Parteien fern. Ich halte es nicht für fair, meinen Einfluss dahingehend zu nutzen, um Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Etwas für einen guten Zweck zu tun, ist eine Sache, aber sich in den Dienst eines Politikers zu stellen, habe ich immer vermieden."

2018 erkrankt Diamond an Parkinson. Er verabschiedet sich von der Bühne und schreibt ein Musical über sein Leben. Das soll im Herbst am New Yorker Broadway starten. Gleich um die Ecke vom legendären Brill Building, wo er 1962 seine ersten Songs komponiert.

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