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"Wir sind anders dreckig": Natalie Spinell über "Servus Baby" | BR24

© ZDF

Szene aus der BR-Mini-Serie "Servus Baby": Die Ärztin Mel trinkt einen Shot.

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"Wir sind anders dreckig": Natalie Spinell über "Servus Baby"

Mit "Sex and the City" wird die BR-Mini-Serie gern verglichen, für die Regisseurin Natalie Spinell heute mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wird. Doch "Servus Baby" zeige das wahre Leben in München, sagt Spinell im Interview.

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In der vierteiligen BR-Serie "Servus, Baby" kämpfen vier junge Frauen im schönen, teuren München um die Liebe, um die Fortpflanzung, die Karriere und bezahlbaren Wohnraum. Natalie Spinell, Regisseurin und Drehbuchautorin der Mini-Serie bekommt Freitagabend den Nachwuchsförderpreis des Bayerischen Fernsehpreises 2019. Christoph Leibold hat mit Natalie Spinell über ihre Erfolgsserie "Servus Baby" gesprochen.

Christoph Leibold: Sie werden ausgezeichnet als Regisseurin und Co-Drehbuchautorin der BR-Fernsehserie "Servus Baby". Für alle, die das bisher sträflicherweise verpasst haben: Wie würden Sie die Serie selber kurz beschreiben?

Natalie Spinell: Ich würde sagen, es ist eine Serie über Singles, die keine Singles mehr sein wollen.

Single-Frauen vor allem.

Ja, Single-Frauen. Aber es ist eigentlich ein Bild für alle.

Apostrophiert wird das Ganze auch als bayerische Antwort auf 'Sex and the City'. Gefällt Ihnen der Vergleich?

Überhaupt nicht. Ich sehe es gar nicht als 'Sex and the City'. Ich glaube, wir gehen in München in eine ganz andere Richtung, wir sind anders dreckig.

Ich musste an Helmut Dietls "Monaco Franze" denken. Das war zwar eine ganz andere Zeit damals, aber dieses Leben und Lieben und Anbandeln in München, das kam mir schon bekannt vor, auch wenn es bei Dietl um einen alten Stenz geht und bei Ihnen um vier junge Frauen. Ist Dietl eine Bezugsgröße oder schielen Sie doch eher ins Serien-Eldorado USA?

Ich schiele ehrlich gesagt nur auf das, was uns so passiert. Und das haben wir natürlich ein bisschen überspitzt. Aber eigentlich ist es für uns das wahre Leben in München.

Gelobt wird an der Serie, dass Sie dieses Lebensgefühl von vier Frauen um die 30 in München mit viel Herzenswärme und Humor einfangen. Sie gehören selber zu den Thirtysomethings. Fließt da also viel eigene Erfahrung ein?

Das ist ganz viel eigenes Blut, ja.

Das heißt, Sie haben immer ein Notizbuch dabei?

Ja, wenn man so will. Vielleicht habe ich eine Art Notizbuch, eine Speicherplatte im Kopf. Und wenn ich Bedarf habe, diese Geschichten zu verwenden, dann kommen die raus zum richtigen Zeitpunkt, wenn ich vor dem Drehbuch sitze und schreibe.

Und diese Überspitzung und Pointierung, wie kriegt man das hin? Wie läuft dieser Prozess ab?

Der Prozess ist ein bisschen schwer zu beschreiben. Ich schreibe sehr aus dem Bauch heraus. Mein Co-Autor Felix Hellmann dagegen ist eher so der dramaturgisch denkende, der kopflastigere Typ im positiven Sinne. Und wir fragen uns: Was würde den Zuschauer überraschen? Womit hat der Zuschauer nicht gerechnet und was ist vielleicht das Schlimmste, das ich der Figur gerade antun kann?

Gibt es eine Aufgabenteilung zwischen Ihnen und Felix Hellmann, dass er die Männer-Perspektive ins Spiel bringt, und sie die der Frauen?

Nicht wirklich. Er hat auch eine super Frauen-Perspektive, obwohl er ein Mann ist. Aber er verteidigt natürlich schon die Männer und sagt: Moment, so läuft es nicht! Und ich verteidige natürlich die Frauen.

© dpa-Bildfunk/Ursula Düren

Natalie Spinell

Es wird gerade – siehe die Debatten beim jüngsten Theatertreffen in Berlin und dem Filmfestival in Cannes – viel über die Rolle von Frauen in Kunst und Medien debattiert. Ob sie ausreichend repräsentiert sind – da sieht es bei Ihnen mit vier weiblichen Hauptrollen natürlich gut aus. Aber auch: Welche Geschlechterbilder werden gezeigt? Es gibt da diesen Bechdel-Test, den sich eine US-Autorin gleichen Namens einfallen hat lassen. Der funktioniert über drei Fragen, die man beim Kucken eines Films stellen sollte: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Und: Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann? Da könnte man bei Frage drei sagen: Das kommt in "Servus Baby" nicht so oft vor …

Ist es so? Ich glaube schon auch. Aber ich kann das jetzt gar nicht beantworten. Aber es geht natürlich nicht nur um Männer im Frauenleben, das wäre ja ein bisschen traurig.

Was steckt denn noch alles drin, was man vielleicht übersieht, wenn man nur auf das Thema Anbandeln guckt?

Vielleicht ist es einfach die Frage nach dem Glücklich-Werden. Wie finde ich mein Leben? Wie finde ich eine schöne Position in meinem Leben? Wie komme ich an in meinem Leben an? Meines Erachtens kreist es darum. Und da spielt natürlich das Liebesleben mit, aber alles andere auch. Das hat nicht nur mit der Liebe zu tun, dass man glücklich ist. Man muss in erster Linie sich selber lieben, um glücklich zu sein.

Natalie Spinell erhält den Preis heute bei der Fernsehpreis-Gala, die der BR ab 20:15 live überträgt.

"Servus Baby" in der BR Mediathek

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Autor
  • Christoph Leibold
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