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Bildrechte: Zhou Jianzhong/Picture Alliance

Stars von "Better Days" in Shanghai bei Film-Promotion

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    Nackt im Netz: Das stört Chinas Zensur an Oscar-Nominierung

    Sein Film "Better Days" ist in China enorm erfolgreich, könnte einen Oscar abräumen, und trotzdem sitzt Regisseur Derek Tsang zwischen allen Stühlen. Grund dafür: Die bizarren Eingriffe der chinesischen Behörden, inklusive politischem "Happy End".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er könnte am kommenden Sonntag bei der Oscar-Verleihung zu den strahlenden Siegern gehören, doch offensichtlich ist Regisseur Derek Tsang derzeit noch nicht in Feierlaune. Obwohl sein Filmdrama "Better Days" über Mobbing-Exzesse in chinesischen Schulen dank Mundpropaganda umgerechnet rund 85 Millionen Dollar einspielte und von Hongkong als bester Auslandsfilm für die Oscars eingereicht und von der Academy nominiert wurde, ist nach Angaben des "Hollywood Reporter" niemand so richtig glücklich mit der Produktion. Der Regisseur klagt über Eingriffe der Zensur, in Hongkong misstraut das Publikum dem Film, weil er in China gedreht wurde, und in China selbst hatten die Behörden alle Hände voll zu tun, die Geschichte in ihrem Sinne staatstragend umzudeuten. Ein Lehrbeispiel dafür, wie schwierig bis unmöglich es für chinesische Filmemacher ist, allen Seiten gerecht zu werden.

    So hatte Derek Tsang mehrere Schluss-Sequenzen gedreht und sich für ein eher düsteres Ende entschieden. Die Zensur korrigierte das und bestand auf einer Art "Happy End", vor allem jedoch sorgte sie dafür, dass im Abspann der chinesischen Version des Films politische Botschaften eingeblendet wurden, die das Publikum darüber informierten, was die Behörden alles gegen Mobbing und Gewalt in den Schulen unternommen haben. Kleinere Eingriffe entfernten besonders drastische Gewaltszenen, vor allem jedoch wurde ein Hinweis auf einen handfesten Polit-Skandal rausgeschnitten.

    Von Kredithaien erfahren Chinas Zuschauer nichts

    Auf der 2014 gegründeten Plattform Jiedaibao können sich Chinesen um Kredite von Privatleuten bewerben. Besonders diejenigen, deren Bonität zweifelhaft war und die deshalb bei Banken kein Geld bekamen, waren auf diesen "grauen Kapitalmarkt" angewiesen. Wie sich herausstellte, verlangten jedoch nicht wenige Geldgeber als "Sicherheit" Nacktbilder ihrer Kreditnehmer, die sie ins Netz stellten, wenn die Zinsen nicht bedient wurden - und zwar mussten die abgebildeten Personen beim Selfie knipsen ihren Ausweis deutlich sichtbar in der Hand halten. Prompt landeten zahlreiche Aufnahmen von überforderten Schuldnern samt Personalangaben im Netz. Das führte in China zu einem landesweiten Skandal. Im Film "Better Days" arbeitet Hauptdarsteller Jackson Yee in der Rolle des "Xiao Bei" als Zuhälter und Schuldeneintreiber eines Kredithais, der genau diese Erpressungsmethode anwendet, doch davon erfahren die chinesischen Zuschauer nichts. Der Filmstart war mehrfach verschoben worden.

    "Better Days" ist nach dem Historien- und Fantasy-Drama "Hero" von Zhang Yimou im Jahr 2003 der erste chinesische Film, der für einen Oscar nominiert wurde. In China selbst wurde das bis jetzt eher am Rande notiert, die Gründe liegen auf der Hand. In Hongkong gab es einen Aufschrei unter den Regime-Gegnern, dass die Behörden ausgerechnet diesen Film für die Oscars einreichten. "Better Days" erwies sich in den örtlichen Kinos anders als in der Volksrepublik China als Flop und spielte lediglich umgerechnet 153.000 Dollar ein.

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