Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Nachbarn in der Großstadt: Wer wohnt da eigentlich nebenan? | BR24

© BR

Gesucht und gefunden: Nachbarn beim organisierten Ausflug über nebenan.de

Per Mail sharen
Teilen

    Nachbarn in der Großstadt: Wer wohnt da eigentlich nebenan?

    Wie lernt man seine Nachbarn kennen? Einer Studie zufolge weiß nur jeder Zweite, wer eigentlich neben ihm wohnt. Nachbarschaftsprojekte werden – vielleicht auch deshalb – immer beliebter. Netz-Plattformen wie nebenan.de bringen Nachbarn zusammen.

    Per Mail sharen
    Teilen

    In einer Großstadt wie München leben Menschen oft jahrelang nebeneinander oder im gleichen Haus, ohne einander zu kennen. Den Namen weiß man nur, weil man mal ein Paket angenommen hat. In den letzten Jahren kristallisiert sich ein Trend heraus, der zeigt, dass es den Menschen wieder wichtiger wird, sich zu begegnen und näher kennen zu lernen. Das zeigen auch der Boom der Hofflohmärkte und Straßenfeste im Sommer oder gemeinsame Gartenprojekte und Spendensammlungen in der Nachbarschaft. Doch die Hemmschwelle ist oft zu groß, Nachbarn auf gemeinsame Unternehmungen anzusprechen.

    Dem Bedürfnis nach mehr sozialen Kontakten aus der Umgebung kommt zum Beispiel die digitale Nachbarschaftsplattform "nebenan.de" nach: Hier können sich Menschen registrieren, die Nachbarn aus ihrem Viertel kennen lernen oder Hilfe anbieten wollen oder gemeinsam etwas unternehmen möchten. Jeder kann hier seine Ideen posten – jeder der sich anmeldet, kann die Anzeigen lesen. Wie viel Nähe und Nachbarschaft einem gut tut, das kann jeder selbst entscheiden.

    Nachbarschaft gibt Sicherheit

    In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung werden zwischenmenschliche Beziehungen offensichtlich wieder wichtiger. Ina Brunk und Michael Vollmann, die Gründer von nebenan.de, haben auch einen Ratgeber herausgebracht: "Ziemlich beste Nachbarn" (oekum Verlag München) lautet der Titel. In ihrem Buch kommt auch Professor Dr. Thomas Klie vom Zentrum für gesellschaftliche Entwicklung zu Wort.

    Klie ist überzeugt, dass der Nachbarschaft in Zukunft eine entscheidende gesellschaftliche Rolle zukommen wird: "In einer globalisierten Welt gewinnen der Ort, an dem wir leben, und der örtliche Zusammenhalt an Bedeutung. (...) Nachbarschaften können - gerade in einer sich dynamisch verändernden Welt - Zugehörigkeit und das subjektive Gefühl von Sicherheit vermitteln."

    Wege aus der Einsamkeit

    Durch die Nachbarschaftsplattform entstehen Sportgruppen, Nähkreise und gemeinsame Ausflüge. Hanspeter Bergmann ist ein Ur-Schwabinger und begeistert von diesem Angebot: "Man läuft seit 40 Jahren an Leuten vorbei und redet nicht mit ihnen. Durch diese Plattform entstehen Freundschaften, man tauscht sich aus und entdeckt gemeinsame Interessen. Und man schaut ein bisserl auf sich."

    In Schwabing haben sich schon fast 5.000 Menschen registriert. Etwa 400 davon sind aktiv und bieten eigene Ideen an. Hanspeter Bergmann kocht regelmäßig für seine Nachbarn und verteilt Lebensmittel. Für ihn ein großer persönlicher Gewinn: "Die Bekämpfung vor allem der städtischen Einsamkeit ist ein wichtiges Ziel von 'nebenan'. Meine Nachbarn geben mir die Gelegenheit, aus dieser Einsamkeit, die viele auch selbst erfahren, herauszukommen. Das ist wirklich ein digitales Pharmaka zur Bekämpfung der Einsamkeit."

    Der erste Schritt auf die Nachbarn zu zugehen, kann eine Herausforderung sein. Das Schwabinger Beispiel zeigt, dass sich der Mut für viele Menschen lohnt: Sie sind glücklicher und vernetzter. Das gilt in der Stadt wie auf dem Land.

    Mehr über die Nachbarschaftsinitiative nebenan.de erfahren Sie in STATIONEN am 23. Oktober um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.