BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Nach Wien kommen Designer inkognito: "Show Off" im MAK | BR24

© BR

Nicht zuletzt von Disco-Legende Falco wurde die Fashion-Metropole Wien in den achtziger Jahren wach geküsst. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt den Aufbruch der österreichischen Mode mit großen Designer-Namen wie Helmut Lang und Arthur Arbesser.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Nach Wien kommen Designer inkognito: "Show Off" im MAK

Nicht zuletzt von Disco-Legende Falco wurde die Fashion-Metropole Wien in den achtziger Jahren wach geküsst. Das Museum für Angewandte Kunst zeigt den Aufbruch der österreichischen Mode mit großen Designer-Namen wie Helmut Lang und Arthur Arbesser.

Per Mail sharen
Teilen

Herzstück der Ausstellung ist eine fast sieben Meter hohe, raumfüllende Skulptur, in der 250 Modeobjekte auf mehreren Ebenen hängen oder liegen. Kleider, Hosen, Schuhe, Taschen und Schmuck-Accessoires von rund sechzig DesignerInnen. Diese Schau zeigt: Die 1980er-Jahre waren eine Aufbruch-Zeit in Österreich, kein Zufall, dass auch Falco 1986 seinen größten Hit „Rock me Amadeus“ landete, der sich 1986 drei Wochen lang auf Platz eins in den amerikanischen Charts hielt, was davor noch keinem deutschsprachigen Titel gelungen war.

Wien war früher grau

Im Bereich der Mode gab es einen Innovationsschub, als Karl Lagerfeld als erster internationaler Modedesigner als Gastprofessor an die Universität für Angewandte Kunst nach Wien kam, gefolgt von Jil Sander. Das ebnete den Weg für viele weitere Modestars wie Vivienne Westwood, die später in Wien die Modeklassen leiten sollten.

© Picture On The Fridge/MAK

FATEEVA x POTF – New Essentials: Game 6

Der zweite wichtige Turbomotor war die Gründung des Lifestyle-Magazins „Wiener“, wie einer der Kuratoren der Ausstellung Andreas Bergbaur meint: "Die haben Kooperationen mit dem Face-Magazin in London gemacht und deshalb den Mode-Boom der Achtziger ermöglicht, in der Disco-Zeit, da müssen wir uns Falco dazu vorstellen, also diese ganze Welt ist sehr spannend damals, wo ja eigentlich hier alles grau war hier. Der Eiserne Vorhang war ganz dicht und zu, und Wien war am Ende eines Europas, das noch nicht das Europa war, das wir heute kennen."

© Rani Bageria/MAK

Rani Bageria, Rani Boots 2013–20

Seither haben in Wien viele internationale Karrieren begonnen, wie etwa die von Susanne Bisovskydie, die 2017 in der Mailänder Scala die Kostüme für den "Freischütz" gestaltete, oder die von Arthur Arbesser, der kürzlich die Kostüme für den "Rosenkavalier" in einer Inszenierung von Andre Heller an der Staatsoper Berlin entworfen hat.

Amerikaner "scharf auf Kultur-Mix"

"Ja, Wien und ich, das ist eine Liebesgeschichte", sagt der international erfolgreiche Modedesigner Atil Kutoglu, der Ende der 80er aus Istanbul nach Wien kam und von Helmut Zilk stark gefördert wurde. 1992 wurde er in München als bester Newcomer der Modebranche ausgezeichnet und bald folgten Modeschauen in Düsseldorf, Mailand, Paris und New York. Neun Jahre zeigte Kutoglu – der in Wien und New York lebt - seine Kollektionen in New York: "Ich glaube, mit Helmut Lang war ich damals der einzige Wiener Designer, der auf der New Yorker Fashion Week Modeschauen regelmäßig präsentiert hat. Ich bin auch mehrmals in der 'New York Times' gestanden und da wurde ich immer gelobt, weil die Amerikaner sehr scharf waren auf diesen Kultur-Mix."

© Laura Knipsael/MAK

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, Master Kollektion 2019

Mode-Designer inkognito in Wien

Atil Kutoglu sagt, er habe in Wien gelernt, wie viel Stille man in die orientalische Opulenz mischen muss, wie viel Geometrie und Opulenz zusammen passen. Öffentliche Diskussionen gab es, als er einmal von der Gattin des türkischen Präsidenten Abdullah Gül beauftragt wurde, für sie Kopftücher zu entwerfen. Die Schau im MAK veranschaulicht, wie fruchtbar Wien für Modeschöpfer ist. Auch wenn die Stadt, die, was klassische Musik und Museen anbelangt, sehr dynamisch ist, neben Modezentren wie Paris, Mailand und New York nicht mithalten kann, so Kutoglu: "Es ist inspirierend für alle, finde ich. Ich kenne sehr viele internationale Designer, die kommen oft inkognito nach Wien, schauen sich Museen und Ausstellungen an und sagen immer, du kannst dich glücklich schätzen, in so einer Stadt teilweise zuhause zu sein. Aber Mode-Industrie, das ist etwas anderes, da machen Paris oder Mailand politisch viel mehr, stehen mehr dahinter."

© Laura Knipsael/MAK

Maximilian Rittler, Rock Me Amadeus, Master Kollektion 2019

Denn in der Mode geht es um Geld und Verkaufszahlen. Dafür fehle in Wien die Infrastruktur, sagt auch Arthur Arbesser. Und er fügt an: Dafür kämen aber vergleichsweise sehr viele Designer aus dem kleinen Land. "Small is beautiful" heißt es heute immer mehr in der Modewelt, wie Andreas Bergbaur meint, gilt das auch für die Vielfalt in den Betrieben der Modebranche. Die Kreativität und Vielfalt der österreichischen Modedesigner ist tatsächlich beeindruckend – wie dies Ausstellung zeigt.

Noch bis 12. Juli 2020 im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen ... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!