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Gina Carano: Kämpferische Schauspielerin

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    Nach Rauswurf: Umstrittene Gina Carano will sich "nicht beugen"

    Die konservative Schauspielerin ("The Mandalorian") hatte sich mit einigen polemischen Wortmeldungen im Netz so unbeliebt gemacht, dass sie bei Lucasfilm rausflog. Jetzt tobt ein Medienkrieg - ein Autor fühlt sich an die "Kommunistenhatz" erinnert.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Der Streit wird von Tag zu Tag rabiater und immer mehr Medien beziehen Position, allerdings sehr gegensätzliche: Es geht um die Frage, ob linksliberale Medien und Interessengruppen inzwischen ein Denk- und Redeverbot für Rechte durchgesetzt haben, also ob es so etwas wie "Cancel Culture" gibt, einen Maulkorb für Menschen mit "abweichenden Ansichten". Die aus dem "Star Wars"-Ableger "The Mandalorian" bekannte Schauspielerin Gina Carano ("Cara Dune"), eine bekennende Republikanerin, Ex-Kampfsportlerin und engagierte Masken-Gegnerin, ist offenkundig dieser Meinung.

    Sie verschickte auf ihrem Instagram-Account verstörende Botschaften und verglich die Polarisierung in der amerikanischen Politik mit dem Holocaust, als die Regierung die Juden zusammengetrieben habe, nur weil sie Juden waren. Ohne es direkt auszusprechen, sah sich Carano also ähnlich verfolgt. So jedenfalls interpretierten es viele, auch ihre Arbeitgeber Disney und Lucasfilm. Die Produktionsfirmen warfen sie am vergangenen Mittwoch raus und ließen mitteilen, ihre Posts seien "abscheulich und inakzeptabel".

    "Cancel Culture gibt es überhaupt nicht"

    Das machte nicht nur in den Vereinigten Staaten Schlagzeilen. Jonatha Chait, viel zitierter Autor des "New York Magazine", fühlte sich beim "Fall" Carano an die Kommunistenhatz der fünfziger Jahre erinnert, als Schauspieler auf einer "schwarzen Liste" landeten und damit de facto Berufsverbot hatten. Chait hält den umstrittenen Post von Carano in "keiner Weise für antisemitisch" und schreibt: "Überhitzte Nazi-Vergleiche sind inzwischen weit verbreitet, und, was wichtiger ist, nicht antisemitisch. Der Post enthält keinerlei Sympathien für die Nazis und missachtet auch nicht deren Opfer." Was die Berichterstattung betrifft, ist Chait der Meinung, dass viele Medien den Fall so darstellten, als ob es um eine Reihe von Bagatelldelikten gehe, deren Bestrafung unausweichlich sei und sich von selbst verstehe.

    Dagegen schreibt Louis Chilton in einem Meinungsbeitrag für den britischen "Independent", anhand von Caranos Verhalten sei zu beobachten, dass es so etwas wie "Cancel Culture" überhaupt nicht gebe. So verbreite sie sich umfassend über ihre politischen Ansichten per Twitter, wo sie 680.000 Follower habe, und auf Instagram, wo sie 1,5 Millionen Fans mit Neuigkeiten versorge. Überdies gebe sie fleißig Interviews, etwa der rechten Plattform "The Babylon Bee". Wer im Netz nach ihrem Namen suche, stoße auf umfangreiche Artikel über sie. Wer also wissen wolle, wie sich das "Totschweigen" anhöre, müsse nur "die Ohren aufsperren". Und weder Disney, noch Lucasfilm seien "ultraprogressive linke Kampforgane", zumal "Star Wars" schon selbst mit Vorwürfen zu tun gehabt habe, "antisemitische und rassistische" Formulierungen benutzt zu haben.

    "Meine Gebete wurden beantwortet"

    Beruflich steht Carano nach eigener Aussage jedenfalls keineswegs vor dem Aus: Sie fädelte einen Deal mit dem rechten Streaming-Portal "The Daily Wire" ein und teilte dem Branchen-Portal "Deadline" mit: "The Daily Wire hilft mir, meine Träume zu verwirklichen, einen eigenen Film zu entwickeln und zu produzieren. Ich schrie es heraus und meine Gebete wurden beantwortet. Ich sende hiermit eine Botschaft der Hoffnung an alle, die in der Angst leben, auf Druck eines totalitären Mobs rausgeworfen zu werden. Ich habe gerade erst begonnen, meine Stimme zu erheben, die nun freier ist als jemals zuvor, und ich hoffe, es ermutigt andere, dasselbe zu machen. Sie können uns nicht totschweigen, wenn wir sie nicht lassen."

    Wie der "Hollywood Reporter" berichtet hatte, sollte Carano bei Lucasfilm sogar eine eigene TV-Serie bekommen, bevor sie im November erstmals mit hochumstrittenen Stellungnahmen auffällig wurde. Damals hatte sie nicht nur die Träger von Masken verspottet, sondern auch Donald Trumps Behauptungen einer "Wahlmanipulation" geteilt.

    Entsteht ein Sammelbecken für Künstler mit Rechtsdrall?

    Worum es bei dem neuen Filmprojekt genau gehen soll, wurde noch nicht bekannt. "Wir könnten nicht begeisterter sein, mit Gina Carano zusammenzuarbeiten, einem unglaublichen Talent, das von Disney und Lucasfilm kalt gestellt wurde, weil sie die autoritäre Linke von Hollywood anging", so der Mitbegründer von "The Daily Wire", Ben Shapiro. Seine Firma beuge sich nicht dem "Mob".

    Es gehe nicht um den "ehrenwerten Versuch einer kulturellen Säuberung", so Shapiro, auch nicht um eine Auseinandersetzung oder eine Debatte: "Es geht nur darum, ob sie dich auf dem falschen Fuß erwischen können, damit sie eine Entschuldigung dafür haben, dass deine ganze bisherige Karriere in den Müll geht und du ein Bösewicht bist und sie sich dabei gut fühlen können. Das ist alles, was gerade abläuft in der Kultur, und das ist eine große Sache."

    In Hollywood wird nun spekuliert, ob sich da ein Sammelbecken für geschasste Künstler mit Rechtsdrall auftut. "The Daily Wire" sendete erst im vergangenen Monat den ersten Spielfilm überhaupt, die dreistündige Produktion "Run Hide Fight" über ein Schulmassaker. Es sollen 300.000 Abonnenten eingeschaltet haben.

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