Valery Gergiev (68), bis vor kurzem Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, wird im Moskauer Sarjadje-Park zwei Konzerte geben.
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Valery Gergiev (68), bis vor kurzem Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, wird im Moskauer Sarjadje-Park zwei Konzerte geben.

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Nach Rauswurf in München: Gergiev gibt Konzerte in Moskau

Nach Rauswurf in München: Gergiev gibt Konzerte in Moskau

In München geschasst, in Moskau willkommen: Der Dirigent Valery Gergiev wird Mitte März im Konzertsaal im Sarjadje-Park Opern-Ausschnitte des russischen Komponisten Rimski-Korsakow und im Anschluss Wagners vierteiligen "Ring" interpretieren.

Auf russischen Klassik-Websites heißt es schon, der Maestro sei "unbesiegt", ein deutliches Signal Richtung München und in andere Städte, wo er vorläufig nicht mehr auftreten darf: Valery Gergiev (68), bis vor kurzem Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, wird in den Moskauer Sarjadje-Park kommen und im dortigen, rund 1.600 Zuschauer fassenden Konzertsaal am 12. März bei zwei Benefiz-Konzerten zugunsten seiner Stiftung die Leitung übernehmen, wie es auf der Website des Sarjadje-Konzertsaals heißt ("keine Ermäßigungen möglich").

"Das Heldentor von Kiew" schließt Programm ab

Auf dem Programm stehen am Nachmittag die sinfonische Suite "Scheherazade" (1888) von Nikolai Rimski-Korsakow und Auszüge aus dessen Oper "Das Märchen vom Zaren Saltan" (1900). Abends wird Gergiev den dritten Akt von Rimski-Korsakows Oper "Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronija" (1907) leiten. Abgerundet wird der Abend mit Mussorgskys zehnteiliger vaterländischen Dichtung "Bilder einer Ausstellung", die mit dem Satz "Das Heldentor in der alten Hauptstadt Kiew" (1874) endet.

Gergiev verlor Posten in München

Gergiev wurde seines Münchner Chef-Postens enthoben, nachdem er auf ein Ultimatum von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht reagiert hatte, er möge sich deutlich vom Angriff auf die Ukraine distanzieren. Auch auf Drängen anderer Opernhäuser, etwa der Mailänder Scala, hatte sich Gergiev mit keinem Wort geäußert. Daraufhin trennten sich zahlreiche Veranstalter von ihm.

Vom 11. März bis 17. April wird der Star-Dirigent in Moskau Richard Wagners Vierteiler "Der Ring des Nibelungen" aufführen. Komplette Aufführungen des Werks sind in Russland bis heute sehr selten. Außer im St. Petersburger Mariinski-Theater, das Gergiev leitet, gab es Wagners Opern kaum irgendwo zu sehen. Besetzt ist der "Ring" ausschließlich mit russischen und osteuropäischen Sängern, darunter Yevgeny Nikitin als Wotan, der 2012 bei den Bayreuther Festspielen wegen eines "Hakenkreuz-Tattoos" in die Schlagzeilen geriet.

Gergiev habe es geschafft, in zwanzig Jahren aus dem Mariinski-Klangkörper ein "echtes Wagner-Orchester" zu formen, heißt es auf der Website des Theaters.

"Gergievs Rückkehr wird triumphal sein"

In propagandistischen, regierungsnahen russischen Online-Portalen wird der Dirigent geradezu "hymnisch" gefeiert: "Gergiev ist ein Held, er ist die seltene Ausnahme, die Stellung bezieht, und zwar nicht, weil er verhätschelt wird", heißt es da: "Im wohlgenährten Westen hätte er noch mehr haben können, aber er handelte wie ein Bürger - das Vaterland ist in Gefahr." Gergiev sei "groß und stark", lobhudeln seine Fans: "Die Rückkehr von Gergiev wird triumphal sein."

Zum aktuell geplanten Konzertprogramm heißt es von Klassik-Liebhabern, es "ermutige die Krieger" und unterstütze "Mütter, Mädchen und Ehefrauen, die auf ihre Söhne" warteten. Rimski-Korsakows Oper handle von der "Kraft des Glaubens", die jeden "Untoten" besiege.

Allerdings erlauben sich Kritiker auch, auf "beste Verbindungen" des Dirigenten zu Oligarchen hinzuweisen und verspotten Gergiev als "Patriot" in Anführungszeichen. Er sei ein "Stratege", der seine Züge immer wohl kalkuliert berechne. Andere nennen die Millionen-Summen, mit denen das Mariinski-Theater subventioniert wird.

Valéry Gergijew mit Wladimir Putin
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Valéry Gergijew mit Wladimir Putin

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