BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Alexander Brutscher
Bildrechte: BR/Alexander Brutscher

Nach der Sanierung klingt die "Königin der Instrumente" im Kongress am Park in Augsburg wieder.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Nach der Sanierung: Augsburger Steinmeyer-Orgel klingt wieder

Vor 17 Jahren erklang der letzte Ton der Orgel im Augsburger Kongress am Park, denn sie war stark sanierungsbedürftig. Doch jetzt ist es wieder soweit und die Orgel gibt wieder Töne von sich – auch dank der Corona-Pandemie.

Per Mail sharen
Von
  • Alexander Brutscher
  • Beate Mangold

Corona kann auch positive Nebeneffekte haben, etwa, wenn man viel Zeit braucht, die man sonst nicht hat. So war das bei einem einzigartigen Instrument in Bayern: einer Steinmeyer-Orgel aus den 70er-Jahren. Sie ist eine der wenigen, die nicht in einer Kirche verbaut ist, sondern im Konzertsaal im Kongress am Park in Augsburg.

Hörprobe mit einzelnen Tönen

Durch die Corona-Pandemie war dort in den vergangenen Monaten nicht viel los und deshalb war endlich Zeit, die Orgel zu sanieren. Das letzte Mal konnte man sie vor 17 Jahren hören – bis in dieser Woche das Instrument die ersten neuen Töne von sich gab.

Die Zuhörer durften erstmal nur einzelne Töne hören, denn die Orgel muss in den nächsten Wochen noch intoniert werden. Aber für Domonkos Héja, den Generalmusikdirektor des Augsburger Staatstheaters, war schon diese kleine Hörprobe "wahnsinnig schön". Für Augsburg sei das eine unglaublich große Sache, sagt Héja, denn die Kongresshalle sei der eigentliche Konzertsaal Augsburgs.

Poröse Dichtungen und verstaubte Pfeifen

Der zehn Tonnen schwere Koloss mit seinen rund 4.500 Pfeifen wurde in Oettingen im Ries gebaut. 1972 zog die Orgel in die Kongresshalle in Augsburg. Sie hat 65 Register auf vier Manualen und Pedalen. Doch mit der Zeit konnte man die Orgel nicht mehr spielen. Die Gummidichtungen waren porös geworden, in den Blasebälgen gab es Löcher, das Pfeifenwerk war verstaubt. Die Folge: Tonausfälle und Heuler, also Töne, die von selbst angesprochen haben.

Originalklang soll wiederhergestellt werden

In den vergangenen rund acht Monaten wurde das Instrument von Orgelbaumeister Siegfried Schmid aus dem Oberallgäu rundum erneuert. Alle Pfeifen wurden ausgebaut, vom Staub befreit, die Mechanik erneuert, der Materialverschleiß behoben. Doch sein Job ist noch lang nicht erledigt. "Jetzt gilt es, die optimale Klangfarbe herauszuarbeiten, so wie es damals beim Bau der Orgel umgesetzt worden ist. Und diese Klanglichkeit müssen wir jetzt bei der Nachintonation wieder herausarbeiten", so Schmid.

Sanierung auch über Spenden finanziert

Gekostet hat die Sanierung etwa 360.000 Euro. 140.000 Euro hat die Philharmonische Gesellschaft der Stadt bisher über Spenden finanziert. Vor einigen Jahren ergriff die Gesellschaft die Initiative, um die Orgel zu erhalten. Denn die Alternative wäre gewesen, das Instrument auszubauen und zu verschrotten.

Jakob Janeschitz-Kriegl von der Philharmonischen Gesellschaft ist froh, dass die Arbeit jetzt so gut wie getan ist, auch wenn sich die Erleichterung über die Orgelrettung erst langsam eingestellt habe. Das Augsburger Staatstheater will die Orgel zu Beginn der kommenden Spielzeit mit einem Festakt und Konzert einweihen. Im Lauf der Saison soll das Instrument dann regelmäßig in Konzerten eingesetzt werden.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!