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Nach Brand in Moria: Kirchen fordern Hilfe für Flüchtlinge | BR24

© picture alliance/ZUMA Press

Das Flüchtlingslager Moria nach dem verheerenden Brand

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    Nach Brand in Moria: Kirchen fordern Hilfe für Flüchtlinge

    Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos fordern Kirchenvertreter rasche Hilfe für die Flüchtlinge. Zugleich übten sie Kritik: Es sei eine "Katastrophe mit Ansage".

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    Der katholische Flüchtlingsbeauftragte, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, hat mit Blick auf die Brände im Flüchtlingslager Moria rasche Hilfen für die betroffenen Menschen gefordert. "In die Betroffenheit über das Elend der Schutzsuchenden mischt sich die Bestürzung über das politische Versagen. Man muss es wohl so offen sagen: Es handelt sich um eine Katastrophe mit Ansage", so Heße.

    Flüchtlingslager Moria als "Politik der Abschreckung"

    Die mit Lagern wie Moria verfolgte "Politik der Abschreckung" gehe auf Kosten der Menschlichkeit, so der Vorsitzende der Migrationskommission und Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz. In der Nacht zum Mittwoch war das für 3.000 Menschen ausgelegte Lager nahezu komplett niedergebrannt. Wie es zu dem Feuer kam, ist noch unklar. Zuletzt lebten rund 12.000 Flüchtlinge in und um Moria.

    Situation seit langem unerträglich

    Schon seit langem sei die Situation der Schutzsuchenden auf den ägäischen Inseln und vor allem im überfüllten Lager Moria unerträglich gewesen, betonte Heße. "Deshalb gab es aus Kirche und Zivilgesellschaft immer wieder deutliche Appelle, die humanitäre Krise an den EU-Außengrenzen zu überwinden und für eine menschenwürdige Aufnahme der Schutzsuchenden zu sorgen."

    "Die Bilanz sei ernüchternd, so der Flüchtlingsbischof. "Allen Appellen, Initiativen und Warnungen zum Trotz: Passiert ist bislang erschreckend wenig." Das grundlegende Problem des Hotspots Moria sei nicht angegangen worden.

    Schnelle und dauerhafte Hilfe für Flüchtlinge

    Obwohl seit langer Zeit auf die Zustände hingewiesen werde, hätten nur wenige Menschen das Lager verlassen dürfen, schrieb auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD, Heinrich Bedford-Strohm auf Facebook. "Die vollständige Überfüllung ist geblieben." Bedford-Strohm forderte eine schnelle und dauerhafte Hilfe für die Betroffenen.

    In einem gemeinsamen Appell haben sich die Leitenden Geistlichen der EKD-Gliedkirchen ihrem Vorsitzenden angeschlossen. "Wir sind erschüttert über das Leid, das erneut über die schutzsuchenden Menschen gekommen ist und entsetzt, dass es der Europäischen Union trotz vielfacher Warnungen nicht gelungen ist, diese Eskalation der menschenunwürdigen Situation in dem Lager zu verhindern", heißt es in der an die deutsche Ratspräsidentschaft und den Bundesinnenminister gerichteten Erklärung der Bischöfinnen und Bischöfe.

    Sie setzen sich darin für eine europäische Lösung für die Verteilung der Schutzsuchenden auf aufnahmebereite Länder ein und appellieren, die Angebote von Bundesländern und Kommunen, Geflüchtete aus den griechischen Lagern aufzunehmen, anzunehmen. Der gemeinsame Appell zeigt die Dringlichkeit, die die Kirchenvertreter bei diesem Thema sehen. Eine gemeinsame Erklärung der leitenden Geistlichen der Gliedkirchen der EKD hatte es zuletzt 2015 gegeben.

    ZdK: Flüchtlinge auf Kreuzfahrtschiffen unterbringen

    Ähnlich äußerte sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). "Viel zu lange haben wir in ganz Europa weggeschaut", so ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Jetzt darf es keinen längeren Aufschub geben, der auf eine gesamteuropäische Lösung wartet." Der ZdK-Präsident regte an, Flüchtlinge auf in nahe gelegenen Häfen liegenden Kreuzfahrtschiffe unterzubringen und sie dort auch medizinisch zu versorgen.

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