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Moderator Jan Böhmermann im ZDF-"Magazin Royale" am 03.12.2021

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    Nach Böhmermann-Aktion: Knapp 70.000 Euro für Schwarzfahrer

    Knapp eine Woche ist es her, dass Jan Böhmermann im "Magazin Royale" im ZDF für das Projekt "Freiheitsfonds" warb, das inhaftierte Schwarzfahrer freikauft. Inzwischen hat die Initiative mithilfe von Spenden 69.722 Euro in Freilassungen investiert.

    Von
    Agnes PoppAgnes Popp
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    Dank der Aktion von Böhmermann in der letzten Ausgabe der ZDF-Sendung "Magazin Royale" mussten sieben verurteilte Personen, die sich ihre Beförderung in öffentlichen Verkehrsmitteln "erschlichen" hatten, keine Haftstrafen antreten. Denn weil 28 Redaktionsmitarbeiter für das kommende Jahr auf ihre Jobtickets verzichteten, kamen 10.080 Euro zusammen, mit denen die Schwarzfahrer quasi freigekauft wurden. Sie hätten sonst noch vor Weihnachten mit einer Haft rechnen müssen, einer davon sogar mit einem Gefängnisaufenthalt von fast einem Jahr.

    Böhmermann: "Wer denkt sich in Deutschland solche Gesetze aus?"

    Der Moderator prangerte in seiner Satire-Sendung den Umgang mit Schwarzfahrern in Deutschland an. Aufgrund der geltenden Rechtslage begehen Schwarzfahrer Straftaten und nicht etwa Ordnungswidrigkeiten. Wer erwischt wird und das Bußgeld nicht bezahlt, dem droht Gefängnis für bis zu einem Jahr. Böhmermanns Vorwurf: Die harte Regelung treffe vor allem sozial und finanziell benachteiligte Menschen, die sich kein Ticket leisten könnten. "Wer denkt sich denn in Deutschland solche Gesetze aus?", fragte er. Dann lobte Böhmermann die Berliner Initiative "Freiheitsfonds", die sich für inhaftierte Schwarzfahrer in der Hauptstadt einsetzt, und warb um Spenden.

    Haftstrafen von 58 Schwarzfahrern abgewendet

    Das hat viel bewirkt, Freihheitsfonds vermeldete jetzt auf Twitter Erfolge: Die Initiative habe dank der Spenden 69.722 Euro investieren können, um die Haftstrafen von 58 Schwarzfahrern abwenden können. "Wir haben jetzt in fünf Tagen #Freiheitsfonds dank eurer Unterstützung (...) 4.850 Hafttage aufgelöst, also gesamt mehr als 13 Jahre Haft", twitterte die Initiative. Und rechnete aus, man habe dem Staat damit 727.500 Euro gespart. Denn Kritiker sprechen von etwa 150 Euro, die das Land Berlin für einen Hafttag ausgeben müsse. Am 7. Dezember twitterte "Freiheitsfonds": "Wir haben heute Morgen eine Person aus einer weiteren Berliner Haftanstalt befreit. 120 Euro gezahlt, dem Staat 1.200 Euro gespart."

    Schätzungsweise 7.000 Schwarzfahrer pro Jahr zu Gefängnis verurteilt

    Gegründet hat die Berliner Initiative der Aktivist und Journalist Arne Semsrott. Die Idee kam ihm bereits vor einigen Jahren, die Entscheidung, diese auch wirklich umzusetzen, fasste er allerdings erst während einer Recherche-Kooperation zwischen der Internetplattform "Frag den Staat" und der ZDF Late-Night-Show von Böhmermann. "Freiheitsfonds" unterstützt auch Schwarzfahrer in anderen deutschen Städten. Sowohl die Betroffenen selbst als auch Angehörige und Personen aus dem Umfeld von Haftanstalten können sich an das Team wenden.

    Betroffene überwiegend arbeitslos

    Laut "Frag den Staat" sollen jährlich ungefähr 7.000 Menschen in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt werden, weil sie kein Ticket vorweisen konnten und das Bußgeld nicht bezahlt haben. Betroffen sind nach Angaben von "Freiheitsfonds" überwiegend arbeitslose Menschen (87%), Menschen ohne festen Wohnsitz (15%) und mit Suizidgefährdung (15%).

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