BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Nach 28 Jahren: Legendäre Band "Daft Punk" ist Geschichte | BR24

© BR

Ihre Wege trennen sich: Seit 1993 revolutionierten Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo die französische Form des House und waren damit enorm erfolgreich. Gründe für das Ende der Band wurden nicht genannt, aber ein "Epilog" aufgenommen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Nach 28 Jahren: Legendäre Band "Daft Punk" ist Geschichte

Ihre Wege trennen sich: Seit 1993 revolutionierten Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo die französische Form des House und waren damit enorm erfolgreich. Gründe für das Ende der Band wurden nicht genannt, aber ein "Epilog" aufgenommen.

Per Mail sharen
Von
  • Peter Jungblut

"Wir versuchen immer etwas anders zu machen als zuvor", hatte Thomas Bangalter 2013 in einem Interview mit "Groove" gesagt: "Wir wollen uns selbst überraschen, wir wollen unsere eigenen Regeln brechen und uns neu erfinden." Womöglich ist die Trennung von "Daft Punk" nur der neueste Beweis dieses Grundsatzes. Im selben Gespräch hatte Bangalter klar gestellt, dass er und sein Partner Guy-Manuel de Homem-Christo mit ihren Platten "keinen Konsens" erzeugen wollten, sondern sogar respektierten, wenn "Leute davon genervt" waren. Gemessen daran haben "Daft Punk", die sich seit 1999 stets mit Helmen fotografieren ließen, erstaunlich viel "falsch" gemacht, so populär, wie sie wurden.

Rätselhafter "Epilog" im Netz

Eine offizielle Mitteilung über die Trennung des Duos gibt es nicht. Ihre langjährige Medienberaterin Kathryn Frazier hatte das Ende der Band allerdings auf Anfrage des Magazins "Pitchfork" bestätigt. Anlass für die journalistische Neugier war ein achtminütiges Video, dass im Netz stand und den Titel "Epilogue" trug. Es war ein Ausschnitt aus dem Film "Electroma" von 2006.

Den ersten Hit landeten "Daft Punk" 1995 mit ihrer Single "Da Funk", zwei Jahre später folgte das vor allem in den Clubs und bei House-Fans außerordentlich gefragte Album "Homework". Mit dem Bandnamen hatte das Duo, bei der Gründung erst 17 und 18 Jahre jung, auf das abschätzige Urteil eines britischen Kritikers reagiert, der sich "idiotischem" (daft) Punk ausgeliefert sah. Jahr 2000 feierten sie mit "One More Time" ihren größten kommerziellen Erfolg, auch mit dem Album "Discovery" erregten sie international Aufsehen. Danach interessierte sich das Duo überwiegend für den Film. Sie schrieben nicht nur die Musik für "Tron: Legacy" (2010), sondern produzierten auch selbst einige experimentelle Videos, darunter "Interstella 5555" und eben "Electroma".

Mit Gitarrist Nile Rodgers und Sänger Pharrell Williams produzierten sie "Get Lucky" - einen der größten Dancefloor-Hits der Jahrtausendwende. Der kanadische Sänger Weeknd verdankt "Daft Punk" den Titelsong seines Albums "Starboy" (2016). Der zweite gemeinsame Song "I Feel It Coming" wurde ebenfalls ein Hit. Und auch Disco-Altmeister Giorgio Moroder kam zu Ehren, obwohl er selbst nach eigenem Bekunden ein Tanzmuffel ist und sich mit "Daft Punk" nur traf, weil ihn sein Sohn drängte. Und dann schmeichelte ihm das Duo doch tatsächlich, ohne ihn würde es sie gar nicht geben - und plötzlich war der Track "Giorgio" auf den "Random Access Memories" und Moroder wieder dick im Geschäft.

Dafür, dass "Daft Punk" vor allem die elektronische Musik vorangebracht haben, gaben sie sich schon 2013 beim Erscheinen ihres mit drei Grammys ausgezeichneten Albums "Random Access Memories" gegenüber dem "Musikexpress" erstaunlich traditionsverbunden. "Uns persönlich interessieren heute Gerätschaften, deren Bestimmung und Zweck zuallererst darin besteht, Musik zu machen", so Thomas Bangalter damals: "Als wir zuletzt den Soundtrack zu 'Tron: Legacy' aufgenommen haben, hat sich das Orchester auf einen einfachen C-Dur Akkord eingestimmt. Schon das erschien uns wie reine Magie. Dazu sind Computer nicht fähig. Keine Software, die einen Synthesizer simuliert, und keine Soundbank werden einen je so bewegen wie ein Steinway-Flügel. Es geht um Gefühle." Es folgte eine Ode auf die "analogen Mittel". Das sei "wie beim Kochen": "Man kann auch mit billigen Zutaten ein Essen zubereiten, aber kein Gericht. Analog ist kein Mythos."

Sie verstanden sich als Magier

Für Kanye West produzierten "Daft Punk" etliche Tracks für dessen sechstes Album "Yeezus" (2013), wofür sie viel Beifall erhielten. Offenkundig hielten sich "Daft Punk" für Musik-Magier, denn Bangalter sagte dem "Pitchfork"-Magazin mal, beim Zauberer wolle auch keiner wissen, wie die Tricks funktionieren, das sei total "deprimierend": "Wir konzentrieren uns auf die Illusion, denn sobald wir enthüllen, wie´s gemacht wird, würde jedes Gefühl von Aufregung und Unschuld flöten gehen."

Musikkritiker zeigten sich verblüfft darüber, das "Daft Punk" bei abgedrehten, wählerischen Hipstern angesagt waren, obwohl ihre Titel absolut mehrheitsfähig waren und von vielen Radiostationen gespielt wurden. "Wir sehen das Album wie ein surrealistisches Gemälde von René Magritte. Du kannst das als Witz sehen. Ein Typ ohne Gesicht mit einem Apfel auf dem Kopf", sagte Bangalter über "Random Access Memories". Vielleicht ist das Geheimnis damit etwas gelüftet: Das Duo liebte Vexierspiele, bewegte sich stets im Ungefähren, bot seinen Fans Unmengen Assoziationen, und jeder konnte sich heraussuchen, was ihm davon behagte, je nach Bildungsgrad und Laune. Sonst hätte so ein schillernder Erfolgsmensch wie Karl Lagerfeld das Duo wohl kaum 2017 fotografiert.

Bangalter lobte sich dafür, dass er in der Lage ist, amerikanische House-Musik etwa aus Chicago "rein künstlerisch" zu verarbeiten und dabei jeden "politischen Background" total auszublenden. Irgendwie "französisch" verstand sich "Daft Punk" jedenfalls nicht, sondern proeuropäisch und global, immer auf der Suche nach Anregungen aus Tokio, Los Angeles und Berlin. "Ich weiß nicht, ob wir politisch sind", scherzte Bangalter mal gegenüber dem noblen "Interview"-Magazin, "aber es geht schon darum, dass Plattenfirmen ihre Künstler nicht immer rumkommandieren können. Es ist wie beim Film 'Blair Witch Project' von 1999. Du hast vielleicht gar keine Ahnung, dass es politisch ist, während du es machst, aber dann stürzt das ganze System ein, weil du mit deiner Cam und drei Kids ein Video gemacht hast, das die Multiplexe stürmt."

© Hahn Lionel/Picture Alliance

Regeln brechen: Daft Punk

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang