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N2025: Reaktionen auf Kulturhauptstadt-Entscheidung | BR24

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Nürnberg wird nicht Europäische Kulturhauptstadt 2025. Die Enttäuschung in der Frankenmetropole ist dementsprechend groß. Reaktionen der Verantwortlichen nach der Entscheidung.

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N2025: Reaktionen auf Kulturhauptstadt-Entscheidung

Die Enttäuschung nach Nürnbergs verlorenem Rennen um den Titel Kulturhauptstadt 2025 ist groß. Bayerns Ministerpräsident, Verantwortliche der Stadt, aber auch Stimmen aus der Region äußern sich traurig. Manche fordern bereits Konsequenzen.

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Nürnberg wird 2025 keine Kulturhauptstadt – diese Entscheidung sorgte in, aber auch außerhalb von Nürnberg, für viel Enttäuschung. "Der Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 wäre einfach klasse für die Stadt gewesen, aber es sollte nicht sein", reagiert Oberbürgermeister Marcus König (CSU) auf die Absage. Das, was Nürnberg aber in den vergangenen Jahren erreicht habe, werde nicht in einem Archiv verschwinden.

"Wir sind eine unglaublich starke Kulturlandschaft und ich behaupte auch – auch wenn dieses Wort vielleicht schon öfters mal verwendet worden ist: Wir sind vielleicht die Kulturhauptstadt der Herzen." Marcus König (CSU), Oberbürgermeister Stadt Nürnberg

Dabei sein ist alles?

Bürgermeisterin und Kulturreferentin Julia Lehner zeigt sich trotzdem optimistisch. Nürnberg sei bereits durch seine Teilnahme am Wettbewerb ein Sieger und die Projekte innerhalb der Bewerbung würden die Stadt für die kommenden Jahre prägen.

"Die Jury hat es am Ende des Tages anders gesehen, deshalb auch unser Glückwunsch an Chemnitz. Aber ich verspreche Ihnen im Namen aller KulturakteurInnen: Wir bleiben dran und wir geben nicht auf, diese Erkenntnisse weiter umzusetzen und zu leben." Julia Lehner (CSU), Zweite Bürgermeisterin Stadt Nürnberg.

Leiter des Bewerbungsbüros: "Alles richtig gemacht"

Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros, sagt, Nürnberg habe alles richtig gemacht. Er sei vom Konzept der Bewerbung nach wie vor überzeugt. Auch der digitale Stadtrundgang sei positiv verlaufen. Er sei daher gespannt auf die Begründung der Jury.

"Heute sage ich: Wir haben in Nürnberg alles richtig gemacht." Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros

Andreas Starke, Ratsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg und Bambergs Oberbürgermeister, bedauert die Entscheidung. Dennoch sagt er: "Nürnberg bleibt für uns aber die Kulturhauptstadt der Herzen". Das Positive sei, dass viele Ideen geboren worden seien und sich die Städte und Kommunen der Region vernetzt hätten. Dies müsse nun weitergeführt werden.

Ulrich Maly: "Ein bisschen beleidigt und ein bisschen enttäuscht"

Auch Ulrich Maly (SPD), ehemaliger Oberbürgermeister Nürnbergs unter dem die Bewerbung gestartet wurde, zeigte sich enttäuscht, gratulierte aber gleichzeitig der Siegerstadt Chemnitz.

Dennoch: Die Stadt Nürnberg hätte zweistellige Millionenbeträge von Bund und Freistaat erhalten, die jetzt fehlten so Maly weiter. "Insofern wäre es falsch zu behaupten, es geht alles so weiter wie es geplant war. Aber man kann, man sollte, man muss vielleicht vieles hinüberretten, in die krönungslose Zeit."

"Wir machen jetzt nicht den Sargdeckel zu und fallen in einen Dornröschenschlaf. Wir sind – und ich glaube, das dürfen wir auch sein – ein bisschen beleidigt und ein bisschen enttäuscht – auch ganz normal. Wir werden aus den seelischen Löchern aber wieder herauskommen, damit der Aufbruch, der jetzt losgegangen ist, uns auch erhalten bleibt." Ulrich Maly (SPD), Ehemaliger Oberbürgermeister Nürnberg

Markus Söder: "Nürnberg hat eine ganz tolle Bewerbung gehabt"

Es sei ein "Wimpernschlag-Finale" gewesen, will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gehört haben und spielt auf eine möglicherweise knappe Entscheidung in der Jury an. Es tue ihm "sehr, sehr leid". Im Zuge der Nürnberger Bewerbung sei so viel Kreativität entstanden, das sollte jetzt nicht vergebens gewesen sein. "Im Gegenteil, vielleicht können wir das noch weiter unterstützen", so Söder.

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"Nürnberg hat eine ganz tolle Bewerbung gehabt", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nach der Entscheidung, dass Nürnberg nicht Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird.

Zwei Millionen Euro vom Freistaat

Trotz der verlorenen Bewerbung bekommt Nürnberg zwei Millionen Euro vom Freistaat. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) erklärte, dass sein Ministerium zudem prüfen werde, welche Projekte darüber hinaus finanziell unterstützt werden könnten.

Einige Projekte will Nürnberg trotz der gescheiterten Bewerbung weiterführen, etwa die Umwandlung des NS-Kongresszentrums auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in einen Ort der Kunst und Kultur. Nach Meinung von Minister Sibler hat Nürnberg mit viel Herzblut und höchster Expertise um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 gekämpft. Davon werde die Stadt trotz der verlorenen Bewerbung profitieren.

"Nürnberg wäre eine hervorragende Wahl gewesen"

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist der Meinung, dass Nürnberg den Titel verdient hätte. "Nürnberg mit seiner herausragenden kulturellen Geschichte wäre eine hervorragende Wahl als Europäische Kulturhauptstadt 2025 gewesen. Von den Resten der mittelalterlichen Altstadt über das Germanische Nationalmuseum bis zum leider heuer abgesagten weltberühmten Christkindlesmarkt hat Nürnberg viel zu bieten", so Aiwanger.

Die Nürnberger Bundestagsabgeordnete der FDP, Katja Hessel, findet es schade, dass Nürnberg mit seinen vielen Ideen und zahlreichen kreativen Projekten nicht überzeugt habe. Hessel hofft aber, dass vieles dennoch weiterentwickelt und umgesetzt wird.

Selbst ein Fürther zeigt sich enttäuscht

Auch Komödiant Volker Heißmann von der Comödie in Fürth hätte sich über den Titel für Nürnberg gefreut. Die ganze Metropolregion habe mitgefiebert. Sie hätten in den Startlöchern gestanden und ein tolles Programm für das Jahr 2025 gemacht, sagte Heißmann. Julia Lehner und Nürnberg sollten sich jetzt nicht entmutigen lassen, sondern trotzdem und mit aller Gewalt die Kultur nach vorne bringen.

"Schade, schade, schade, nix wird’s mit der Kulturhauptstadt 2025 in Nürnberg und wenn das ein Fürther sagt bedeutet das schon was." Volker Heißmann, Comödie Fürth

Nürnberger Linke fordert Lehners Rücktritt

Indes kommen von der Nürnberger Linken kritische Stimmen: Sie fordert den Rücktritt der Kulturbürgermeisterin Julia Lehner. Stadtrat Titus Schüller meint, dass die fünf Millionen Euro für die Bewerbung direkt in kulturelle Projekte hätten investiert werden sollen. Da Julia Lehner für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt die Verantwortung trage, solle sie nun zurücktreten.

Teile der freien Kulturszene froh über verlorenen Titel

Teile der freien Kulturszene sind froh darüber, dass Nürnberg nicht Kulturhauptstadt 2025 wird. Statt einer Bewerbung um einen Titel, der vor allem auf Image ausgelegt sei, solle die Stadt lieber kleine Kultur-Initiativen unterstützen und sichern, teilte das selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentrum Projekt 31 mit. Die Stadt und das Bewerbungsbüro habe in den vergangenen Monaten den Eindruck erweckt, als werde die freie Szene nicht wertgeschätzt und im Bewerbungsprozess nicht mitgedacht.

Nach dem verlorenen Titel zeige sich, ob es Nürnberg nur um Prestige gegangen sei oder ob der Stadt Kultur wirklich am Herzen liege, sagte Ina Konrad von Projekt 31. Sie rief die Stadt dazu auf, die freie Szene durch den Kauf von Immobilien zu unterstützen, wenn Projekte sonst in ihrer Existenz bedroht seien.

Zahlreiche Projekte werden fortgeführt

Die Stadt Nürnberg kündigt an, dass trotz der Absage zahlreiche Projekte weiterverfolgt werden sollen. Das betrifft die Kongresshalle als Kulturstätte, das Haus des Spielens, die Weiterentwicklung von Kulturläden und das sogenannte Garage Project, eine Initiative für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

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