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N2025: Ein Tag zwischen Enttäuschung und Vorfreude | BR24

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Die Bewerbung von Nürnberg zur Kulturhauptstadt 2025 war engagiert und eindrücklich, aber es hat nicht gereicht? Die Jury hat für Chemnitz entschieden. BR-Reporterin Julia Büchl live aus dem entäuschten Nürnberg.

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N2025: Ein Tag zwischen Enttäuschung und Vorfreude

Es hätte ein Freudentag für Nürnberg werden sollen. Doch es wurde ein Tag großer Enttäuschung. Aber, wenn der erste Frust überstanden sei, könne die Stadt auf dem langen und trotzdem erfolgreichen Bewerbungsprozess aufbauen - sind sich viele sicher.

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Lange hatte die ganze Metropolregion auf den Tag hin gefiebert. Um 13.00 Uhr am Mittwoch startete der Live-Stream im Internet. In den fünf Bewerberstädten Magdeburg, Hildesheim, Hannover, Chemnitz und eben Nürnberg warteten Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, Kulturreferenten und viele weitere Kulturfreunde in den Rathäusern gespannt auf die Entscheidung. Wer sollte Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten?

Chemnitz sticht Nürnberg aus

Um 13.23 Uhr meldete sich Sylvia Amann, Vorsitzende der zwölfköpfigen internationalen Jury zu Wort. Sie würdigte noch einmal die "herausragenden Leistungen" aller Bewerberstädte. Vor allem zu Zeiten einer Pandemie sei es besonders schwierig, eine solche Bewerbung auf die Beine zu stellen.

Wie im Vorfeld angekündigt, hielt Amann pünktlich um 13.27 Uhr den Umschlag, in dem sich ein Zettel mit der Siegerstadt befand, in die Kamera. Sie öffnete ihn und in dicken schwarzen Lettern war auf dem Zettel klar das Wort "Chemnitz" zu lesen.

Ausgelassene Freude in Chemnitz

Das Bild des Livestreams schaltete augenblicklich ins Chemnitzer Rathaus. Dutzende Menschen sprangen von ihren Stühlen auf und jubelten. Eine kurze Umarmung konnten sich manche trotz Corona nicht verkneifen. Die Freude schien grenzenlos. "Wir sind einfach glücklich und überwältigt und es wird der Stadt so gut tun", freute sich die Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig (SPD), direkt nach der Verkündung.

Gleichzeitig im historischen Saal im Nürnberger Rathaus: Ernüchterung und Enttäuschung. Aufgrund der Corona-Maßnahmen in der Stadt waren nur ein paar wenige Journalisten zugelassen. Oberbürgermeister Marcus König, Kulturbürgermeisterin Julia Lehner (beide CSU) und Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros, standen gefasst, aber wie versteinert vor ihren Podien.

Kulturhauptstadt der Herzen?

Es wäre klasse für die Stadt gewesen, es sollte aber nicht sein für Nürnberg. Zu diesem Schluss kam OB König kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung. Er versprach, dass das, was die Stadt in den vergangenen Jahren erarbeitet habe, nicht in Archiven verschwinden werde.

"Wir sind eine unglaublich starke Kulturlandschaft und ich behaupte auch – auch wenn dieses Wort vielleicht schon öfters mal verwendet worden ist: Wir sind vielleicht die Kulturhauptstadt der Herzen." Marcus König (CSU), Oberbürgermeister Stadt Nürnberg

Vielleicht befindet sich Joachim Wagner noch in der ersten Phase der Trauer, dem Leugnen. Jedenfalls ist der Leiter des Bewerbungsbüros der Meinung, dass Nürnberg alles richtiggemacht habe. Er sei gespannt auf die Begründung der Jury.

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"Nürnberg hat eine ganz tolle Bewerbung gehabt", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nach der Entscheidung, dass Nürnberg nicht Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird.

Auf Erfolge der Bewerbung aufbauen

Nach der langen Bewerbungsphase heißt es aber für die Kulturlandschaft in Nürnberg: Nicht den Kopf in den Sand stecken. Oder wie es der ehemalige Oberbürgermeister Nürnbergs, Ulrich Maly (SPD) im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte:

"Wir machen jetzt nicht den Sargdeckel zu und fallen in einen Dornröschenschlaf. Wir sind – und ich glaube, das dürfen wir auch sein – ein bisschen beleidigt und ein bisschen enttäuscht – das ist auch ganz normal. Wir werden aus den seelischen Löchern aber wieder herauskommen, damit der Aufbruch, der jetzt losgegangen ist, uns auch erhalten bleibt." Ulrich Maly (SPD), ehemaliger Oberbürgermeister Nürnberg

Gemäß dem Motto der Bewerbung "Past Forward" müsse die Stadt jetzt die vergangenen Erkenntnisse aus dem Bewerbungsprozess mitnehmen, aber den Blick in die Zukunft richten, diese Meinung teilen viele. Fehlende Räume, um Kunst und Kultur zu ermöglichen, müssten geschaffen werden. Kontakte und Kooperationen, die im Bewerbungsprozess geknüpft wurden, müssten gepflegt werden. Wenn die Stadt all das und mehr beherzige, könne diese Niederlage in einen Sieg für die Kulturlandschaft Nürnbergs verwandelt werden.

Zwei Millionen Euro für Nürnbergs Kultur

Natürlich könne die Stadt Nürnberg aber nicht so weitermachen, wie es mit einem Erfolg heute möglich gewesen wäre, sagt auch Ulrich Maly. "Wir hätten große, zweistellige Millionenbeträge, Drittmittel vom Bund und vom Freistaat Bayern akquiriert." Diese fehlten der Stadt jetzt.

Trotz der verlorenen Bewerbung bekommt Nürnberg aber zumindest zwei Millionen Euro vom Freistaat. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) erklärte, dass sein Ministerium zudem prüfen werde, welche Projekte darüber hinaus finanziell unterstützt werden könnten. Nach Meinung von Minister Sibler hat Nürnberg mit viel Herzblut und höchster Expertise um den Titel der Kulturhauptstadt 2025 gekämpft. Davon werde die Stadt trotz der verlorenen Bewerbung profitieren.

Danke, Merci, Grazie und Tesekkürler

Jetzt hängt am Nürnberger Rathaus ein riesiges Plakat. Die Stadt Nürnberg hatte zwei vorbereitet. Eines für den Gewinn des Titels und eines, das die Macher der Bewerbung am liebsten nicht aufgehängt hätten. Mit letzterem bedanken sie sich bei allen, die sie in den vergangenen Jahren unterstützt hatten. Auf dem Plakat steht: "Wir bleiben eine Kulturstadt". Und auf vielen Sprachen – rumänisch, französisch, arabisch, türkisch, englisch und weiteren mehr – das Wort "Danke".

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BR Live-Reporterin Uschi Schmidt spricht mit Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) und dem Leiter des Kulturhauptstadt-Bewerbungsbüros Joachim Wagner über den verpassten Titel.

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