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Mythos oder Wahrheit: Ist Opus Dei ein katholischer Geheimbund? | BR24

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Mysteriöse Morde in Paris – im Auftrag von Opus Dei: Der Roman "Sakrileg" von Dan Brown hat der kirchlichen Gruppierung weltweite Aufmerksamkeit mit einer Portion Skepsis eingebracht. Ist Opus Dei wirklich eine Art Geheimbund? Ein Besuch in München.

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Mythos oder Wahrheit: Ist Opus Dei ein katholischer Geheimbund?

Mysteriöse Morde in Paris – im Auftrag von Opus Dei: Der Roman "Sakrileg" von Dan Brown hat der kirchlichen Gruppierung weltweite Aufmerksamkeit mit einer Portion Skepsis eingebracht. Ist Opus Dei wirklich eine Art Geheimbund? Ein Besuch in München.

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Ein großzügiger mehrstöckiger Bau mit einem schönen Garten, mitten im wohlhabenden Bogenhausen, die Thomas Mann-Villa ist nur einen Steinwurf entfernt. So sieht es aus, das Haus von Opus Dei in München.

Niederlassung in München-Bogenhausen

Nach einer freundlichen Begrüßung führt der Leiter des Hauses José Pons zuerst in den Keller. Dort befindet sich die Hauskapelle. Jeden Tag werde hier die heilige Messe gefeiert, erklärt Pons, "sofern wir einen Priester haben".

José Pons ist gelernter Elektrotechniker und kommt aus Spanien. Seit 35 Jahren wohnt er in München. Im Haus von Opus Dei wohnen elf ehelos lebende Männer, sie gehen ganz normalen Berufen nach.

Name bedeutet "Werk Gottes"

Opus Dei, das klingt nach dunklem Geheimbund und dubiosen Kirchen-Machenschaften. Dieser Eindruck drängt sich beim Besuch im Münchner Haus nicht auf. Übersetzt heißt der Name "Werk Gottes". Die katholische Priester- und Laienorganisation wurde 1928 vom spanischen Priester Josemaría Escrivá gegründet.

Escrivá wurde 2002 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen, stand aber schon zu Lebzeiten wegen seiner rechtsgerichteten politischen Ausrichtung in der Kritik.

Opus Dei ist Organisation für Laien

Offiziell ist das Werk eine sogenannte Personalprälatur des Papstes. Sie untersteht dem Kirchengesetz und wird von einem kirchlichen Prälaten von Rom aus geleitet. Der Leiter des Münchner Hauses José Pons betont immer wieder: Opus Dei ist keine Priestergemeinschaft, sondern hauptsächlich eine Organisation für Laien.

"Das Opus Dei ist dazu da, dich zu erinnern, dass auch du ein Heiliger werden kannst. Das ist diese laikale Mentalität, säkulare Mentalität, wir sind mittendrin." José Pons

Schwerpunkt liegt auf Bildung und Gebet

Abende mit Bildung und Gebet: Opus Dei sieht seinen Auftrag in diesen zwei Bereichen. Die Organisation betreibt weltweit Universitäten und Berufsschulen. In München gibt es eine Business School und zwei Studentenwohnheime von Opus Dei. Viele Mitglieder sind sehr diskret, wenn es um ihre Zugehörigkeit zum Werk geht, räumt Pons ein.

Ein Mitglied bekenne sich zu seiner Berufung, wie und wann es das für richtig halte, sagt Pons: "Er wird nicht verbergen, dass er Mitglied ist, er wird es aber auch nicht hinausposaunen. Er nimmt sich die Freiheit den Augenblick abzuwarten."

Weltweit rund 93.000 Mitglieder

Ein bisschen Geheimhaltung ist also doch dabei. Die Treffen der Mitglieder laufen meist geschlechtergetrennt ab: Männer und Frauen bleiben jeweils unter sich. Das sei, so Pons, für die seelsorgliche Begleitung besser.

Opus Dei hat nach eigenen Angaben weltweit 93.000 Mitglieder. Die Prälatur versteht sich als ein großes Netzwerk, in dem der Handwerker ebenso dabei ist wie ein Minister oder Kardinal.

Bußgürtel wird tatsächlich getragen

Und was ist mit dem dornenbesetzten Bußgürtel, der auch in Dan Browns Bestseller "Sakrileg" beschrieben wird? "Ich trage gelegentlich einen Bußgürtel", erzählt der Leiter des Münchner Hauses. Der Bußgürtel sei etwas Lästiges, aber nichts Schmerzliches, so Pons. "Ein Bußgürtel zu tragen ist nicht weniger schlimm als, sagen wir mal, einer lästigen Person Aufmerksamkeit zu widmen."

Opus Dei kein klassischer Geheimbund

Eine Praxis, die manche Kirchenkenner merkwürdig finden. Der Journalist Ulrich Nersinger beobachtet seit Jahrzehnten die Entwicklungen in der katholischen Kirche. Er sieht das Opus Dei nicht als klassischen Geheimbund, dafür wisse man zu viel darüber.

"Aber es gibt halt so geheimbündlerische Ausprägungen (...) Ich denke an die elitäre Ausrichtung und auch an ein finanzielles Gebaren, das nicht so ganz zu durchschauen ist." Ulrich Nersinger

Einfluss schwindet seit 2005

Innerhalb der Kirche und im Vatikan übte Opus Dei tatsächlich großen Einfluss aus, so Nersinger. Für den Kirchenstaat sei es durchaus hilfreich gewesen, dass das Werk über Mitglieder verfügte, die an einflussreicher Stelle in Kirche und Welt präsent waren und dann auch im Sinne des Opus wirken konnten, erklärt der Experte.

Seit dem Tod von Papst Johannes Paul II im Jahr 2005 schwinde dieser Einfluss allerdings zusehends.

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