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Muslimischer Rapper: Im Knast zum Islam gefunden | BR24

© BR / Merve Kayikci

Muslimischer Rapper Waseem

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    Muslimischer Rapper: Im Knast zum Islam gefunden

    Es klingt ein bisschen wie die Geschichte von Malcolm X: Im Arrest findet Achim Seeger alias Waseem als 19-Jähriger zum Islam. Heute engagiert sich der Rapper dafür, dass verschiedene Religionen und Kulturen gut zusammenleben.

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    Es ist meist ein eher aggressives Bild, das Nicht-Muslime auf den ersten Blick vom Koran, dem heiligen Buch der Muslime haben. Diese Erfahrung macht Rapper Waseem immer wieder. Für ihn selbst zeigt sich ein ganz anderes Bild: "Wenn ich den Koran höre, dann ist das etwas Ruhiges, Zartes, Schönes."

    Ähnliche Vorurteile gegenüber dem Koran wie gegenüber Hip-Hop

    Hier sieht Waseem Parallelen zum Rap und Hip-Hop. Heute würden viele Menschen auch die Musikrichtungen mit Aggressivität, Brutalität und Gewalt verbinden. Aber eigentlich "kann man das auch ganz nett und mit Liebe performen", sagt der Rapper und führt aus: "Dieses Schöne von Stimme und Sprache und der Message, die dahinter steckt, dass ist auch ganz stark bei Hip-Hop."

    Waseem, der mit bürgerlichem Namen Achim Seeger heißt, wird 1985 in München geboren und wächst auf einem Hof im Allgäu auf. Sein Vater stammt aus Alexandria in Ägypten. Die Familie dort besucht er das erste Mal als er 12 Jahre alt ist. Mit einer etwas dunkleren Hautfarbe erlebt er als Jugendlicher häufig Alltagsrassismus und rechte Sprüche.

    Im Gefängnis findet Waseem zum Islam

    Bei verschiedenen Festen legt er sich betrunken mit Neonazis an und muss schließlich wegen einer Schlägerei vier Wochen in Arrest. Obwohl sein Vater Muslim ist, findet er erst dort selbst zum Islam. Zum ersten mal habe er im Gefängnis im Koran gelesen, erzählt Waseem im Podcast Primamuslima, und sich die Fragen gestellt: "Was will ich eigentlich in meinem Leben machen? Wie bin ich hier gelandet? Wie will ich weiterleben?"

    Im Koran findet Waseem viele Stellen, die auf sein Leben passen. Schon bevor er konvertiert, hat er mit dem Alkoholtrinken aufgehört, aber der Koran bestätigt und bekräftigt ihn in dieser Einstellung nochmals. Mit 19 Jahren beginnt er, muslimische Gemeinschaften zu suchen: "Es hat ziemlich lange gedauert", erzählt er, weil er sich "in den meisten türkischen Moscheen nicht hundertprozentig wohlgefühlt" habe. Er sei dort zwar gerne zum Beten hingegangen, aber die Sprachbarriere habe ein "Community-Feeling" verhindert.

    Seine Community: das Münchner Forum für Islam

    Dieses Gemeinschaftsgefühl findet er erst im Münchner Forum für Islam (MFI), das zu dieser Zeit gerade aufgebaut wird. "Ich habe mich da relativ schnell eingebracht, weil ich auf sowas gewartet habe. Da habe ich richtig gemerkt, dass ich da meine Wurzeln schlagen konnte." Das MFI sei eine deutschsprachige, junge, engagierte, progressive Moschee. "Da fühle ich mich sehr wohl", sagt Waseem.

    Viele muslimische Rapper, aber wenig Rap über Islam

    Das professionelle Rappen beginnt Waseem erst als er weit über 20 ist. Es gebe viele muslimische Rapper, aber nur weniger rappen über ihre Religion oder islamische Themen, sagt er. Meistens gehe es um rein materialistische Dinge. Er selbst wolle keinen "sexistischen, materialistischen Rap".

    Das gleiche gelte für ihn beim Hip-Hop, den er als vielfältig und "Spiegel der Gesellschaft" beschreibt. Würde nun vor allem ein Thema dominieren, dann fände er das sehr problematisch. "Vor allem wenn es irgendwelche kritischen Sachen sind, die die Jugend eher dazu anleiten Drogen zu nehmen oder materialistisch zu denken", erklärt Waseem. "Dann muss da auf jeden Fall ein Gegengewicht her."

    Waseem: Glauben und glauben lassen

    Ähnlich vielfältig sieht er den Glauben an Gott. Eine seiner Lieblingssuren im Koran ist die Sure 109 al-Kāfirūn, was "die Ungläubigen" bedeutet. Sie besagt, dass man an das glauben soll, was man glaubt, und andere das glauben lassen soll, was sie glauben. Der letzte Vers lautet: "Ihr habt eure Religion und ich meine."

    "Wenn Gott - Allah - alle Menschen als Muslime gewollt hätte, dann wären sie es." Waseem

    Waseems Frau ist Jüdin und nach islamischem Recht seien Juden und Christen auch Gläubige, weil sie an einen allmächtigen Gott glauben, erzählt er. Islamisch gesehen, darf man sie daher auch ganz offiziell heiraten, ohne vom Glauben abzufallen. Waseem hat auch einen kleinen Sohn, der später selbst entscheiden soll, ob er jüdisch oder muslimisch sein will.

    "Perspektiven anderer Menschen wertschätzen"

    Für Waseem gibt es "verschiedene Wege zum Licht". Die Menschen diesem Licht näher zu bringen möchte er nicht nur durch Predigen, sondern durch Kunst- und Kulturveranstaltungen. Es gehe im nicht darum, theoretische Vorträge zu halten, sondern, den Glauben, die eigenen Werte und Einstellungen einfach zu leben. Dazu gehört für Waseem, sich mit den Leuten auszutauschen und "deren Perspektive anzunehmen oder zu wertschätzen".

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