Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Wie der Musiker Ezé Wendtoin in Dresden heimisch wurde | BR24

© Trikont

Wahlheimat Dresden: Der Musiker Ezé Wendtoin

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wie der Musiker Ezé Wendtoin in Dresden heimisch wurde

Der Liedermacher Ezé Wendtoin aus Burkina Faso ist erklärter Fan der deutschen Sprache. Sein Song "Dresden Daheeme" ist eine Liebeserklärung an seine Wahlheimat. Nun ist sein erstes Album „Inzwischen Dazwischen“ erschienen – natürlich auf Deutsch.

Per Mail sharen

Das Amt für Tourismus in Dresden, der Hochburg von Pegida, dürfte sich freuen über diese Art von Werbung. Ezekiel Wendtoin, gelernter Schmied und Sohn einer traditionellen Handwerkerfamilie aus Ouagadougou, ist nach Deutschland gezogen, um seine Deutschkenntnisse zu vervollkommnen und zu singen. Auch über Dresden, eine Stadt, die durch Proteste gegen Ausländer immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat. Ezé Wendtoin findet in seinem Text liebevolle Worte: "Alle machen dich schlecht, doch ich hab hier eine neue Heimat gefunden. Ich brauch nicht nach Berlin umziehen, denn du bist so schön…."

Verwirrendes Sächsisch

Seine Startschwierigkeiten in Dresden seien vor allem sprachlicher Natur gewesen, erzählt der Musiker: "Als ich in Dresden ankam, dachte ich, ich habe das falsche Deutsch gelernt. Ich hörte immer nur „Nu, nu“. Zuerst dachte ich, es bedeutet „Non, non“ wie im Französischen. Bis ich begriffen habe, dass „Nu, nu" eigentlich „Ja, ja“ bedeutet.“

2016 zog Ezé Wendtoin als 24-jähriger Student nach Dresden, um an der Technischen Universität den Master in Germanistik zu machen. Heute fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen zwei Welten: "Seit ich mit dem Studium fertig bin, habe ich die Füße zwischen Deutschland und Burkina Faso. Da bin ich oft zu Besuch, weil ich dort ein Schulprojekt initiiert habe." Die Lieder für sein Album "Inzwischen Dazwischen" hat er selbst komponiert, er singt auf Deutsch, Französisch, aber auch in einer der lokalen Sprachen seiner Heimat: Mòoré.

© Trikont

Das Album "Inzwischen Dazwischen" von Ezé Wendtoin, erschienen bei Trikont

"Menschen retten ist kein Verbrechen"

"Ich singe über Dinge, die uns heute betreffen. Ich finde, kein Mensch ist illegal, sondern wir müssen zusammen an den Problemen dieser Welt arbeiten", sagt Ezé Wendtoin, zum Beispiel, wenn es um Flüchtlinge geht. "Menschen retten ist kein Verbrechen. Super, dass die Kapitänin Carola Rackete jetzt frei gekommen ist!" Ezé Wendtoin wirkt sehr sympathisch, er bemüht sich merklich um Integration. Dem Thema Migration hat der Liedermacher aus Westafrika einen eigenen Song gewidmet, mit klarer, politischer Botschaft: "Kein Mensch ist illegal – scheißegal, ob aus Portugal oder Senegal!"

Politische Songs, die natürlich auch tanzbar sind, wieder so ein Klischee. Ezé Wendtoin ist ein afrikanischer Musiker mit vielen Talenten: Als Schlagzeuger, Sänger und Gitarrist ist er auch Teil der inzwischen in ganz Deutschland bekannten Blaskapelle „Banda internationale“. Die Musiker spielen, ähnlich wie die in München angesiedelte „Express Brass Band“, auf Demonstrationszügen für Frieden, Abrüstung und Menschenwürde.

Ezé Wendtoin knüpft in einigen seiner Songs an die politische Musikkultur der siebziger und achtziger Jahre an. Auch eine Cover-Version von Konstantin Weckers "Sage Nein!" gibt er auf seinem Album zum Besten – eine ermutigende Referenz. Aber auch altes deutsches Liedgut ist dort zu hören: „Dat du min Leevsten büst“, eine kleine Preziose, die man so wohl noch nicht gehört hat.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Hörspiele, Krimis, Kinder-Angebote, Features, Dokumentationen, Gespräche und vieles mehr finden Sie in der ARD Audiothek.