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Design, Fast Fashion und die Frage der Nachhaltigkeit | BR24

© picture alliance / dpa

Fast Fashion: Wachsendes Problem und Klimakiller

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Design, Fast Fashion und die Frage der Nachhaltigkeit

Auf der Munich Creative Business Week steht in diesem Jahr das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Damit ernst zu machen, würde auch heißen, weniger zu produzieren. Besonders bei Textilien – von denen ein Drittel bereits vom Hersteller vernichtet wird.

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Die Munich Creative Business Week, kurz MCBW, versteht sich als Plattform für herausragendes Design, das sich auch den Zukunftsfragen stellt. Nachhaltigkeit ist da ein Thema, an dem keine Designerin und kein Designer mehr vorbeikommt. Denn als Teil des großen und beschleunigten Warenkreislaufs tragen Design und Gestaltung weltweit zur Belastung und Zerstörung der Umwelt bei.

Die Verlockungen des Konsums

Das betont auch Silke Claus, Geschäftsführerin von bayern design, dem Veranstalter der MCBW. Es sei schwer, ein Produkt herzustellen, das zu 100 Prozent ökologisch abbaubar oder recycelbar ist, so Claus, aber genau in diese Richtung müsse es gehen. Etwa im Bereich der Verpackung: "Eine recycelbare oder am besten gar keine Verpackung ist die beste Verpackung." Aber gilt das nicht auch für den stetig steigenden Konsum selbst? Wäre nicht der nachhaltigste Kauf der, der gar nicht stattfindet? Natürlich hat das Design, daran lässt Silke Claus keinen Zweifel, mit den Verlockungen des Konsums zu tun. Es sei auch immer noch eine schöne Aufgabe, Menschen mit guten Produkten zu erfreuen, vielleicht sogar eine Beziehung zu Produkten aufbauen zu können, die eine besondere Bedeutung bekommen könnten. Und in der Regel, davon ist Claus überzeugt, sei ein gut gestaltetes Produkt auch ein langlebiges Produkt. Wenn das so ist, sind neue Ideen gefragt, wie man anders mit gebrauchten Dingen umgehen könnte.

© Anna Seibel / bayern design

Silke Claus

Klimakiller Fashion

Dennoch bleibt natürlich ein Grundsatzkonflikt zwischen immer kürzeren Konsumzyklen und Nachhaltigkeit. Das betrifft insbesondere die Textilbranche. Fast Fashion ist einer der größten Klimakiller – in der Produktion, aber auch durch den beschleunigten Wechsel der Moden, der gerade in diesem Segment eine Wegwerfmentalität befördert. Silke Claus: "Ein Drittel der Kleidung, die man kauft, wird getragen, ein Drittel wird gekauft, aber nur in den Schrank gehängt. Und ein Drittel wird von den Unternehmen weggeschmissen." Diese Entsorgung von Kleidung und Textil habe ein Ausmaß angenommen, dass man sich oft nicht klarmache, so Claus. Ebenso wie die Arbeitsbedingungen in der Branche und die Kontrolle der Lieferketten soll das ein großes Thema auf der MCBW sein.

© bayern design & Lerot

"Isarwellen" und Projektion

Kunstaktion zur Werte- und Wertschöpfungs-Debatte

"Was konsumiere ich wozu?", diese Frage stellt sich jedem einzelnen in Zeiten der globalen ökologischen Krise bei der einzelnen Kauf-Entscheidung. Verbunden ist sie mit der Frage "Wie wollen wir leben?". Der Künstler Jan Kuck formuliert individueller – und pathetischer: "Wofür brenne ich?" Im Rahmen der MCBW setzt Kuck das in eine Kunstaktion mit dem Titel "Burning River" an der Münchner Praterinsel um: Ziele und Motivationen von Menschen, die diese im Vorfeld online einreichen konnten, werden dabei an die Ufermauern der Isar projiziert, der Fluss leuchtet feuerrot. Für Silke Claus eine sinnfällige Auseinandersetzung mit den Themen, die sich das Branchentreffen der Kreativen und Designer abstrakter debattiert, "ein Hinweis darauf, nochmal genauer und ein bisschen tiefer zu schauen: Was ist mir wirklich wichtig? Also nicht nur: Ich möchte wieder ein neues T-Shirt!, sondern: Was sind meine eigentlichen Werte?"

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