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Ortstermin Baustelle: So wird das neue Münchner Volkstheater | BR24

© BR/Christoph Leibold

Christian Sückl, Intendant des Münchner Volkstheaters

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    Ortstermin Baustelle: So wird das neue Münchner Volkstheater

    In Zeiten zugesperrter Bühnen ist es durchaus ungewöhnlich, zur Abwechslung über die Eröffnung eines Theater-Neubaus zu berichten. In einem knappen Jahr soll das Münchner Volkstheater umziehen: von der Brienner Straße ins Schlachthofviertel.

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    Heute Vormittag führte Intendant Christian Stückl Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie eine Gruppe von Journalisten mit Helm und Mundschutz durchs Gebäude. Dass sich die Stadt diese gut 130 Millionen Euro teure Heimat für das Volkstheater leistet, ist keine Selbstverständlichkeit, und das nicht nur, weil die öffentlichen Kassen durch die Corona-Krise klammer denn je sind.

    Ein Theaterdampfer im Schlachthofviertel

    OB Reiter, der 2001 in der Stadtkämmerei arbeitete, erinnerte beim heutigen Ortstermin daran, dass damals sogar über eine endgültige Schließung des dahindümpelnden Volkstheaters diskutierte wurde. Und Christian Stückl ergänzte, sein erster Intendantenvertrag habe noch eine Klausel enthalten, wonach ihm die Stadt zwei Jahre Zeit gegeben habe, das Haus in die Erfolgsspur zurückzubringen. Anderenfalls habe sie sich vorbehalten, den Vertrag aufzulösen und das Theater abzuwickeln.

    Nun aber: Ein stattlicher Neubau mit rund 10.000 Quadratmetern Grundfläche, in dem 3.000 Tonnen Stahl verbaut und 5.000 Meter Starkstromkabel verlegt wurden. Von außen mutet das von Architekt Arno Lederer konzipierte Gebäude mit seinem fast 30 Meter hohen Bühnenturm an wie ein klinker-verkleideter Ozeandampfer, in dessen Innerem Probebühnen, Werkstätten, Lagerräume und Büros Platz finden, alles unter einem Dach. Und natürlich die Bühnen des Volkstheaters, außerdem ein betriebseigener Kindergarten sowie – ganz wichtig für den Gastwirtssohn Christian Stückl – ein Restaurant samt Biergarten.

    © Gabriela Neeb

    Außenansicht des Volkstheater-Neubaus

    Nah dran am Bühnengeschehen

    Der zentrale Theatersaal im neuen Münchner Volkstheater wird mit rund 600 Plätzen nicht größer als der am gegenwärtigen Standort. Der Zuschauerraum mit den stark ansteigenden Sitzreihen aber ist deutlich breiter, dafür weniger tief. Das Publikum rückt so insgesamt näher ans Spielgeschehen heran. Außerdem gibt es noch eine mittlere und eine kleine Bühne mit 200 respektive 100 Sitzplätzen.

    Er fühle sich angesichts des prächtigen Neubaus "ein bissl wie Tebartz-van Elst", witzelte Stückl bei der Theater-Begehung am Dienstag. Während der Limburger Skandal-Bischof 2014 allerdings nur in seiner Luxus-Badewanne Kapitän war, steht Stückl vor der beträchtlichen Herausforderung, einen eindrucksvollen Theatertanker durch schwierige Zeiten zu navigieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter vermeldete zwar erfreut, dass das Projekt Volkstheater-Neubau voll im Zeit-, und vor allem Finanzplan liege. Ob sich der Eisberg namens Corona aber vollständig umschiffen lassen wird, ohne dass das Volkstheater leck schlägt, gilt als noch nicht ausgemacht.

    Wenn Stückl der Kapitän ist, ist Reiter gewissermaßen der Chef der Reederei, die sich um eine angemessene Ausstattung kümmern muss. Mit der baulichen Vergrößerung des Volkstheaters ist auch der Personalbedarf erheblich gewachsen. Nicht nur das Ensemble muss verstärkt werden, um künftig drei statt bisher zwei Bühnen zu bespielen. Auch in Werkstätten und Verwaltung ist eine personelle Aufstockung nötig. Die Stadt hatte eine entsprechende Erhöhung des Etats bereits zugesagt, allerdings lange vor Corona. Nun stehen der Zusage angekündigte Kürzungen im Kulturhaushalt entgegen.

    © Gabriela Neeb

    Stark ansteigende Sitzreihen im Zuschauerraum

    Leicht getrübte Vorfreude

    OB Reiter versicherte heute: "Klar ist, dass wir nicht 130 Millionen Euro in einen Theaterneubau investieren und dann an zwei Schauspielern sparen werden." Intendant Stückl beeilte sich daraufhin zu betonen, dass es um deutlich mehr gehe. Etwa 100 Menschen würden derzeit auf und vor allem auch hinter der Bühne am Münchner Volkstheater arbeiten. Um den Neubau angemessen zu bespielen, bräuchte es um die 150.

    Dieter Reiter wiederum war bemüht, die Balance zu wahren, um einerseits zu hohe Erwartungen zu dämpfen, andererseits Zuversicht zu verbreiten, dass das Münchner Volkstheater so ausgestattet wird, dass es im Oktober 2021 nicht als schöne, aber leere Hülle vom Stapel läuft. Wobei sich nicht nur die Frage stellt, ob die Kasse des Theaters in einem Jahr angemessen befüllt sein wird, sondern auch, ob das neue Münchner Volkstheater die Kapazität von insgesamt 900 Plätzen überhaupt wird voll ausschöpfen dürfen. Ungetrübte Vorfreude scheint derzeit nicht möglich.

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