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Bei den jetzt geltenden bundesweiten Regeln sind Konzerte unter freiem Himmel auch im kommenden Sommer kaum denkbar, fürchten die Organisatoren. Dabei sei das Infektionsrisiko draußen sehr gering - sogar "Techno-Partys" seien möglich.

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Münchens Veranstalter halten "Notbremse" für realitätsfremd

Bei den jetzt geltenden bundesweiten Regeln sind Konzerte unter freiem Himmel auch im kommenden Sommer kaum denkbar, fürchten die Organisatoren. Dabei sei das Infektionsrisiko draußen sehr gering - sogar "Techno-Partys" seien möglich.

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Von
  • Peter Jungblut

Großer Unmut bei den Münchner Kulturveranstaltern über die bundesweite Pandemie-Notbremse: Was Open Air-Veranstaltungen betreffe, seien die Regeln völlig wirklichkeitsfremd und ohne jede Öffnungsperspektive. Der Vorsitzende des Münchner Vereins der Veranstalter (VDMK), David Süß, sagte dem BR: "Damit eine Kulturveranstaltung im Freien stattfinden dürfte, müsste die Inzidenz 28 Tage unter fünfzig sein, und dann dürften sich aber auch nur höchstens fünfzig Menschen auf einer Open Air-Veranstaltung treffen! Also ganz ehrlich, heute Abend am Gärtnerplatz in München bei einer Inzidenz von 160 werden locker mehr als fünfzig Personen anwesend sein." Zwar seien sehr strikte Vorüberlegungen des Gesetzgebers dann doch nicht in den Text der "Notbremse" eingegangen, Ausfallgarantien und Perspektiven für Wiederöffnungen gebe es dennoch nicht, und was die einzelnen Länder konkret anordneten, werde die Szene sehr genau beobachten.

"Sogar Techno-Party im Freien" möglich?

Mehrfach hatten sich in den letzten Wochen Aerosolforscher zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass es sehr unwahrscheinlich sei, sich im Freien anzustecken. Deshalb, so David Süß, der unter anderem den Club "Harry Klein" betreibt und für die Grünen im Münchner Stadtrat sitzt, müsse es auch im kommenden Sommer Open Air-Möglichkeiten geben, zumal die Erfahrungen im vergangenen Jahr in jeder Hinsicht zufriedenstellend gewesen seien, wie Veranstaltungen im Münchner Olympiapark bewiesen hätten: "Die waren ja auch im Freien gesessen, wenn auch unterm Dach. Da haben sich alle an die Regeln gehalten, selbst, wenn sie auf die Toilette gegangen sind dort im Freien haben die Maske getragen und ich weiß sogar von einer Techno-Veranstaltung, die Leute, die tanzen wollten, haben eine Maske aufgesetzt, also auch eine Techno-Party im Freien ist möglich."

© Petra Schönberger/Picture Alliance
Bildrechte: Petra Schönberger/Picture Alliance

Open Air im Münchner Olympia-Stadion

So, wie die Notbremse jetzt durchgesetzt werde, sei sie unfair, so David Süß, zumal sie bis 30. Juni gültig sein soll, also schon einen Teil der Sommersaison umfasse: "Ich denke, alle Veranstaltungen im Freien sind zu streng reglementiert, das müsste man anders machen. Aber selbstverständlich müssen natürlich die Zahlen runter, wir schauen mit großer Sorge auf die Krankenhäuser."

"Passt hinten und vorne nicht zusammen"

Im Übrigen werden sich die Leute nach Einschätzung der Kulturveranstalter mit und ohne Notbremse an sonnigen Tagen nicht an die Vorschriften der "Notbremse" halten: "Im Freien ist es wirklich deutlich ungefährlicher. Man muss auch ein Stück weit der Lebensrealität der Menschen näher kommen. Es ist jetzt Sommer, alle denken an das vergangene Jahr. Die Leute werden sich unabhängig davon, ob das erlaubt ist, wie die Inzidenz ist, draußen treffen."

Ob die Münchner Kulturveranstalter sich mit ihren Bedenken bei der Politik Gehör verschaffen können, erscheint allerdings mehr als fraglich - so lang, wie die Debatte über die bundesweite Notbremse schon anhält. Da wird David Süß wohl auch nicht mit seinem Vergleich zu den Regeln für Innenräume durchdringen: "Wenn ich heute ein Großraumbüro aufmachen würde, müsste ich einmal die Woche einen Test anbieten, der gar nicht unbedingt gemacht werden muss. Wenn ich das mit unserer Arbeit vergleiche, die im Freien geschieht, dann passt das hinten und vorne nicht zusammen."

Der VDMK umfasst nach eigener Aussage aktuell rund 100 Mitglieder aus allen Bereichen des Kulturlebens in und um München. Er vertritt Clubs, alle Konzertveranstalter von der Klassik bis hin zu Rock und Pop, Großveranstalter wie die Olympiapark GmbH, das Streetlife Festival, die OpenAir Kinos und alle Hallenbetreiber. Die Mitglieder des Verbands beschäftigen demnach mehrere tausend Mitarbeiter und organisieren 15.000 Kulturveranstaltungen mit knapp zehn Millionen Besuchern im Jahr.

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