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Serge Dorny

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    Münchens neuer Opernchef: Frust und Ärger in Lyon

    Im September übernimmt Serge Dorny die Bayerische Staatsoper. Bis dahin muss er sich noch mit "'Anti-Opern-Ideologen" herumschlagen. Die Linken im Stadtrat von Lyon kürzten ihm die Zuschüsse um 500.000 Euro, um die freie Szene besser auszustatten.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er wird wohl heilfroh sein, Lyon hinter sich lassen zu können: Im Sommer wird Serge Dorny nach München wechseln, um die finanziell gut ausgestattete Bayerische Staatsoper in München zu übernehmen. Hier droht ihm keine Subventionskürzung, gilt das Nationaltheater doch als Aushängeschild der bayerischen Kulturpolitik und Lieblingshaus potenter privater Geldgeber. In Lyon dagegen muss die dortige Opéra National künftig den Gürtel enger schnallen: Nathalie Perrin-Gilbert, die für die Kultur zuständige stellvertretende Bürgermeisterin von der "Vereinten Linken", ließ offiziell mitteilen, dass der jährliche Zuschuss um 500.000 Euro auf sieben Millionen Euro gekürzt wird.

    Zur Begründung hieß es von ihr: „Ich habe mich während des Wahlkampfs für eine ausgewogenere Verteilung der kommunalen Gelder zwischen der freien und der subventionierten Kulturszene engagiert. Wir wollen die kreativen Möglichkeiten für andere Zielgruppen weiter fördern und uns dafür öffnen."

    Die französische Kulturministerin Roselyn Bachelot sagte dazu, die Regierung sei mit Bürgermeister Grégory Doucet im "konstruktiven und respektvollen" Austausch. Die an der Gleichstellung der Geschlechter orientierte Haushaltspolitik in Lyon ("Gender-Budget") hielt Bachelot in einem Interview mit dem Sender "France Culture" für eine "hervorragende Idee". Vor allem Sportvereine befürchten jedoch, schlechter gestellt zu werden, jedenfalls bei Sportarten, die von Frauen eher gemieden werden.

    "Kürzung wird Oper zwangsläufig schwächen"

    Noch-Intendant Serge Dorny, der Lyon 2017 zum "Opernhaus des Jahres" machte und künstlerisch herausragende Erfolge feierte, zeigte sich über die Kürzungen verärgert, sprach von einer "Anti-Opern-Ideologie" und sagte dem örtlichen Kulturblatt "Petite Bulletin": "Diese Mittelkürzung wird die künstlerischen, kulturellen und sozialen Projekte der Opéra de Lyon in der Stadt zwangsläufig schwächen und verringern. Es sei auch daran erinnert, dass die Opéra de Lyon einer der wichtigsten kulturellen Arbeitgeber von Künstlern und Technikern in der Region Auvergne-Rhône-Alpes ist. Dank des sparsamen Managements ist die finanzielle Situation der Oper derzeit gut, aber ihre Rücklagen werden eine solche Kürzung nur für eine kurze Zeit ausgleichen können. Wir möchten auch darauf hinweisen, dass die Einnahmen aus der Tätigkeit der Opéra de Lyon seit mehreren Jahren stetig steigen und die Stagnation der öffentlichen Subventionen ausgleichen."

    Drei Vorgänger von Bürgermeisterin Nathalie Perrin-Gilbert zeigten sich ebenfalls entsetzt über die "brutale" Streichung von einem Teil der Mittel für das Opernhaus. Ex-Kulturreferent Georges Képénékian hält das Ganze für einen Rache-Feldzug, da es um den Aufwand für die Opéra National in der Vergangenheit immer wieder Debatten und auch einen Untersuchungsbericht gegeben hatte. Perrin-Gilbert sei damals "wütend" über aufgedeckte finanzielle "Anomalien" gewesen, so Képénékian.

    Ermittler der Online-Zeitschrift "Mediacités" wollten aufgedeckt haben, dass Dorny "Missmanagement" betreibe, seine Mitarbeiter ruppig behandle und zwischen 2013 und 2015 monatlich Spesen in Höhe von rund 8.000 Euro abgerechnet hatte, angeblich für Besuche in "Luxus-Restaurants" und Hotels. Das war seitens der Oper als "beruflich veranlasst" begründet worden und sei in keiner Weise ungewöhnlich gewesen. Branchen-Fachleute bestätigten das und sprachen laut der Zeitung "La Libre" seinerzeit von einer "Intrige", um die Kandidatur Dornys für die Leitung der Pariser Oper zu torpedieren.

    Andere Kommunalpolitiker kritisierten, dass die Stadt im Dezember bei der Haushaltsplanung noch keinerlei Kürzungen signalisiert und jetzt "überstürzt" gehandelt habe, ohne mit den Betroffenen zu reden. Die hätten von dem Subventionsschnitt aus der Presse erfahren.

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