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Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers sagt Servus | BR24

© Bayern 2

Zwölf Jahre lang leitete Hans-Georg Küppers das Münchner Kulturreferat: uneitel, zugewandt und – wo es nötig war – entschieden zupackend. Am Wochenende geht er in den Ruhestand. München verliert einen großen Ermöglicher.

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Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers sagt Servus

Zwölf Jahre lang leitete Hans-Georg Küppers das Münchner Kulturreferat: uneitel, zugewandt und – wo es nötig war – entschieden zupackend. Am Wochenende geht er in den Ruhestand. München verliert einen großen Ermöglicher.

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Seine letzten Tage im Kalender sind voll, wie die letzten zwölf Jahre auch: Schwabinger Kunstpreis, Vollversammlung Stadtrat, Eröffnung Filmfest und dann am Wochenende das Büro aufräumen. Noch kommt beim Münchner Kulturreferenten Hans-Georg Küppers keine Wehmut auf. "Auch aus dem einfachen Grunde, dass meine Tage so vollgestopft sind, dass ich dazu nicht komme", sagt Hans-Georg Küppers und ergänzt: "Das Zweite ist, dass ich es wichtig finde, für mich und das Referat loslassen zu können, und das Dritte ist, dass ich mich freue, über meine Abende wieder selbst verfügen zu können."

Zwölf Jahre hat er die Strippen gezogen im städtischen Kulturbereich: Vom Stadtteilfest zum Filmfest, zwischen Kammerspielen und Münchner Philharmoniker. In seine Amtszeit fällt auch die Berufung des politisch umstrittenen Stardirigenten Valery Gergiev, ein öffentlicher Putin-Freund, auch zu Zeiten des Krim-Krieges: "Ich habe dem Orchester Gergiev nicht vorgesetzt, das Orchester wollte ihn. Ich teile seine Meinung nicht, aber wir leben in einem Land der freien Meinungsäußerung und ich betreibe keine Gesinnungsschnüffelei, man muss sich damit auseinander setzen, aber gesagt werden darf es."

© dpa/picture-alliance

Großprojekt Domagk-Ateliers: Küppers ließ Europas größte Künstlerkolonie kaufen und sanieren, damit die Bildende Kunst in München einen Platz hat

Reibungen und Relevanz

Hans- Georg Küppers kam 2006 nach München aus dem Ruhrpott, aus Bochum, er ist ein überzeugter Rheinländer und versteht sich bis zum letzten Amtstag als Moderator, als Ermöglicher. In der freien Szene hat er gleich anfangs die 100 Domagk-Ateliers kaufen und sanieren lassen, damit die Bildende Kunst ihren Platz hat. Ein weiteres Großprojekt: die Städtischen Bibliotheken auf weniger Standorte konzentrieren und sie stattdessen aus- und neu bauen. Das Münchner Westend, früher Migrantenviertel, heute begehrtes Wohnviertel für junge Familien und reiche Singles, hat eine Vorzeige-Bibliothek bekommen, und Küppers hat durchgesetzt, dass bald auch samstags Bücher und Blurays ausgeliehen werden können. In der Theaterlandschaft konnte er sich auf Stückl im Volkstheater verlassen, der auch 2021 ein neues Haus bekommen soll.

Die Causa Lilienthal

In den städtischen Kammerspielen gab es mehr Unruhe. Matthias Lilienthal aus Berlin zu holen, galt zwar unter Theaterbegeisterten als Geniestreich, doch das Ergebnis war in den Augen einiger fad und enttäuschend. Weshalb der politisch links engagierte Lilienthal 2020 vertragsgerecht aufhört. "Matthias Lilienthal hat mit seiner Art, Theater zu machen, Reibungen und auch Relevanz erzeugt, und da wollten einige nicht mitgehen. Ich hätte ihm gewünscht, dass man ihm mehr Zeit gibt, dieses zu entwickeln."

Nicht mitgehen wollte die CSU im Münchner Stadtrat, die wollte Lilienthal sogar verbieten, bei der Demo "ausgehetzt" mitzulaufen. Denn die Kammerspiele traten 2018 als offizielle Unterstützer der Demonstration auf, die sich auch gegen Äußerungen der CSU zur Flüchtlingspolitik richtete. Kurz zuvor hatte Hans-Georg Küppers bei den Filmfestspielen der Stadt deutlich gemacht: Hetze geht gar nicht. Zudem hatte er in der Eröffnungsrede des Festivals den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in Zusammenhang mit Brechts Moritat von "Mecki Messer" gebracht: Mecki Messer hat ein Messer und das Messer sieht man nicht. So ähnlich wie bei Söder. "Ich fand damals den Umgang der CSU mit Menschen, die vor Krieg, Hunger, vor Not flüchten und zu uns kommen, unerträglich. Ich fand ihn auch verbal unerträglich: Der Respekt vor der Würde jedes einzelnen darf nie verloren gehen, und die Verrohung der Sprache, die meistens den Taten voraus geht. Das darf nicht sein und es war mir wichtig, ganz klar Position zu beziehen."

© Süddeutsche Zeitung Photo/Robert Haas

Anton Biebl - der Nachfolger von Küppers als Münchner Kultur-Referent

Küppers, der zugewandte Kulturversteher, der uneitle Menschenfreund, ist bis zur letzten Stunde im Büro. Er hatte immer ein offenes Ohr für Gegenargumente, manchmal muss er nachgeben. Wie beim Kunstprojekt der "Stolpersteine", die weltweit an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Kulturreferent Küppers wollte sie. Seine Partei, die SPD, nicht. Stattdessen gedenkt München nun mit Stelen und Wandtafeln. Seinem Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Anton Biebl muss er keine Ratschläge mitgeben, die Staffelübergabe ist geschmeidig, von Bürotür zu Bürotür. Der Vollblut-Sozialdemokrat und scheidende Kulturreferent freut sich nun auf freie Tage in München. Und hat für die Gasteig-Sanierung, die er mit angestoßen hat, den Wiedereröffnungstermin im Kalender als 01.08.2027 notiert. "Wir haben eine Kulturlandschaft, um die uns ganz viele Städte beneiden. Die Münchnerinnen und Münchner, die das gewohnt sind, sehen das manchmal nicht so – und das ist ein Fehler."

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