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Bildrechte: BR/Roxy Film GmbH/Hendrik Heiden

Mord im Kloster: Der neuste München-Tatort führt die Kommissare Batic und Leitmayr in ein Nonnenkonvent im Voralpenland. Gedreht wird aktuell im verlassenen Kloster Reisach. Selbst für die routinierten Schauspieler ein ganz besonderer Ort.

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Mord im Kloster Reisach: Tatort in kirchlichen Kreisen

Mord im Kloster: Der neuste München-Tatort führt die Kommissare Batic und Leitmayr in ein Nonnenkonvent im Voralpenland. Gedreht wird aktuell im verlassenen Kloster Reisach. Selbst für die routinierten Schauspieler ein ganz besonderer Ort.

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Von
  • Antje Dechert
  • Johannes Reichart

"Achtung, bitte wir drehen! Klappe …" Die Kamera läuft im Klosterhof: Die Münchner Ermittler Batic und Leitmayr sitzen auf einem Mäuerchen und beraten sich. Denn der Fall ist heikel: Der Wirtschaftsprüfer des Erzbistums wurde tot in einem Zug aufgefunden. Schnell wird klar, dass der Mord mit dem Kloster zusammenhängt.

Zum Ermitteln ziehen die zwei Kommissare kurzerhand ins Kloster. Ist der Hausmeister der Täter, oder gar eine geistliche Person? Wer hat den Wirtschaftsprüfer auf dem Gewissen? Assistent Kalli hat Neuigkeiten. Und aus der Ferne beobachten sechs Nonnen im grauen Habit skeptisch die Polizeiarbeit.

München-Tatort in "ganz besonderer Atmosphäre"

Mehr wird nicht verraten: Denn die Aufnahmen zum neusten München-Tatort sind noch in vollem Gange. Als Kulisse dient das oberbayerische Kloster Reisach. Dreharbeiten zwischen Kapelle, Klostergarten und Refektorium – das sei schon eine ganz besondere Atmosphäre, finden die beiden Hauptdarsteller Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl: "Wir sitzen statt in einer Garderobe in einer Klosterzelle. Man guckt auf den Klosterhof."

Die Atmosphäre sei für die Arbeit sehr interessant, so die Schauspieler, "weil sie uns einfach damit beschenkt, dass wir das gar nicht erfinden müssen, wie man sich da fühlt, sondern dass es so ist, wenn man in so ein Kloster kommt. Das ist so eine Energie, die sich überträgt, wenn man ins Spielen kommt."

Klosterschwestern ermitteln ebenfalls

Es ist das erste Mal, dass die Münchner Kommissare fast ausschließlich hinter Klostermauern ermitteln. Und dabei geht es nicht nur ums Sterben im Kloster, sondern auch ums Klostersterben. Die Nonnen im Film, dargestellt unter anderem von Corinna Harfouch, Christiane Blumhoff und Ulrike Willenbacher, kämpfen um den Erhalt ihrer Gemeinschaft. Kurzerhand führen sie eigene Ermittlungen in dem Mordfall.

Das reale Kloster Reisach dagegen ist schon vor gut eineinhalb Jahren aufgelöst worden. Ende 2019 sind die letzten polnischen Patres der unbeschuhten Karmeliten ausgezogen. Genau das mache das Oberaudorfer Kloster als Drehort so interessant, sagt Regisseurin Maris Pfeiffer.

"Wir haben uns für diesen Drehort entschieden, weil das atmet noch. Das atmet noch das Leben von Geistlichen." Regisseurin Maris Pfeiffer

Fünf bis zehn Klosterauflösungen pro Jahr im Erzbistum

Dass der Tatort-Dreh nun das verlassene Kloster Reisach wieder belebt, freut viele in Oberaudorf. Sie hoffen, dass die Werbung für das Kloster den Freistaat veranlasst, nun endlich eine neue Nutzungsmöglichkeit für die leerstehenden Gebäude zu finden.

Insgesamt gibt es nach Angaben der Erzdiözese noch 247 aktive Klöster im Gebiet der Erzdiözese München und Freising. 90 verschiedene Ordensgemeinschaften sind im Erzbistum vertreten, mit 1.673 Ordensfrauen und 466 Ordensmännern. Vor zehn Jahren waren es noch knapp 1.000 Ordensmitglieder mehr. Der Trend allerdings hält an: Laut Pressestelle des Erzbistums geben pro Jahr zwischen 5 und 10 Klöster auf.

Wie geht’s weiter im Kloster Reisach?

Am Set des Tatorts finden das manche bedauerlich, auch weil ein Kloster oftmals mehr ist als nur ein Wohnort von Ordensmenschen. Mit jeder Klosterauflösung gehe auch etwas verloren, sagt Tatort-Schauspieler Udo Wachtveitl: "Es geht auch eine Art von weltlichem Wissen verloren, was Architektur, Handwerk, Wissen über Kräuter betrifft. Früher waren die Klöster ja nicht nur Glaubenszentren, sondern auch Wissenszentren."

Wie geht’s weiter im Kloster Reisach? Das hat der Freistaat als Eigentümer noch nicht entschieden. Die Gebäude sind sanierungsbedürftig. Es gelte noch Einzelfragen zu klären, heißt es auf BR-Anfrage aus dem zuständigen Kultusministerium. Eine Frage, die genauso spannend bleibt, wie die, wer eigentlich den erzbischöflichen Wirtschaftsprüfer im Tatort auf dem Gewissen hat.

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