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"Mothers": Lisa Bassenge feiert die Mütter der Musikgeschichte | BR24

© Philipp Szyza/Picture Alliance

Die Musikerin Lisa Bassenge bei einem Liveauftritt

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    "Mothers": Lisa Bassenge feiert die Mütter der Musikgeschichte

    Den Vergleich mit der Jazz-Legende Billie Holiday scheut sie nicht: Unerschrocken gibt sich die Berlinerin Lisa Bassenge auf ihrem neuen Album, das all den Frauen huldigt, die die Musikgeschichte geprägt haben - was immer noch gern vergessen wird.

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    Drei Töchter hat die Berliner Jazzsängerin Lisa Bassenge. Aber auf ihrem neuen Album "Mothers" geht es nicht um diese Art Mutterschaft, sondern um Frauen, die die Popkultur geprägt haben mit ihrem Songwriting. Ihr neues Album heiße "Mothers", so Lisa Bassenge, weil sie damit die "Mütter der Popularmusik" ehren wolle. Es gehe nicht um Gebärende, sondern um Schöpferinnen von Musik, um Frauen, die etwas geschaffen hätten, was Ewigkeitswert habe. Die Songs stammen im Original allesamt von wegweisenden Sängerinnen aus Anglo-Amerika. Balladen von klassischen Song-Schreiberinnen sind darunter, Popsongs von Achtziger-Jahre-Heldinnen wie Suzanne Vega und Annie Lennox, aber auch Knaller von Mega-Popstars wie Lady Gaga, von Slacker-Ikone Billie Eilish und Dancefloor-Chanteuse Robyn.

    Selbstermächtigung als zentrales Thema

    Sie habe Songs ausgewählt, erklärt die Berlinerin, die von einer gewissen Selbstermächtigung handelten, Lieder von Frauen, die sich unabhängig gemacht hätten von herrschenden Strukturen. Popsängerin Robyn, die sich mit 16 Jahren losgesagt hätte von ihrer Plattenfirma, die sie immerzu nur als Teenie-Star vermarkten wollte. Ein Ergebnis dieses Entschlusses war der Song "Dancing On My Own", der zum absoluten Mega-Hit wurde.

    © Philipp Szyza/Picture Alliance

    Lisa Bassenge bei einem Liveauftritt

    Mega-Pop-Hits in abgedunkelten, zeitlosen Interpretationen. Insofern ist die Auswahl des Songbooks, das Lisa Bassenge zusammengestellt hat und absolut hörenswert vorträgt, erwartbar. Ungewöhnlich sind in den nur von Kontrabass und Klavier begleiteten Interpretationen, die Fundstücke von Autorinnen, die nicht im Rampenlicht standen. Bassenge hat den Gitarren-Folksong "Freight Train" ausgegraben, den Afroamerikanerin Elizbeth Cotten als Zwölfjährige komponiert hat, und die Ballade "Some Other Spring", die die Pianistin Irene Kitchings für Billie Holiday schrieb. Irene Kitchings hat schon als ganz junge Frau in den Golden Twenties als Pianistin in den Nachtclubs von Al Capone gespielt, so Bassenge.

    Die große Billie Holiday

    "Some Other Spring", einer von Billie Holidays "signature songs", besonders berührend interpretiert in ihrer Spätphase, gerät auch Lisa Bassenge zum Höhepunkt. Toll, was die Vokalistin mit ihrem Vibrato andeutet, mit feiner Dynamik in der Stimme auslotet oder aus einem leicht verschleppten Einsatz rausholt. Ist eben nicht umsonst ein Jazz-Standard. Da muss man sich ins Zeug legen, will man nicht vollkommen untergehen im Vergleich mit der großartigen Holiday, einer Meisterin höchst eigenwilliger Tongestaltung. Der Song ist jedenfalls ein Highlight dieses stimmigen Albums, das Lieder aus Gattungen wie Country, Folk und Mainstream-Pop in funkelnden, kammermusikalischen Versionen versammelt.

    Sie glaube nicht, so Bassenge im Interview, dass das Geschlecht beim Song-Schreiben einen großen Unterschied mache. Sie habe nur deutlich machen wollen, dass Frauen auch relevante Musik komponieren und gute Texte schreiben können. Das gerate manchmal in Vergessenheit.

    © Philipp Szyza/Picture Alliance

    Lisa Bassenge mit Schlagzeuger und Gitarristen auf der Bühne

    Aus den 40-er Jahren, aus der Woodstock- und der Hippie-Ära, aus dem Laurel Canyon in Kalifornien, als einfühlsame Songschreiberinnen wie Carole King und Joni Mitchell zu sich selbst und einem eigenen Ton fanden und weibliche Perspektiven ins Songwriting einschleusten bis zu den Heldinnen der Selbstverwirklichung unserer Tage: Lisa Bassenge zelebriert auf "Mothers" höchst einfühlsam die hohe Kunst der Ballade, klug ausgewählt, auf wenige, betörende Klangfarben reduziert, mit handverlesenen Begleitern und charmant, souverän, aber nicht protzig präsentiert. Musikalische Bekenntnisse und feminine Selbstbehauptungen, die sich überaus gut zuhause konsumieren lassen, auch weil Club-Konzerte zur Zeit nicht möglich sind.

    © BR

    Lisa Bassenge "Mothers"

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