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Moderne Missionarin: Menschenrechtsaktivistin Aneth Lwakatare | BR24

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Sie setzt sich für Bildungsgerechtigkeit für Frauen und Mädchen ein und gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Die Juristin Aneth Lwakatare aus Tansania ist eine moderne Missionarin.

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Moderne Missionarin: Menschenrechtsaktivistin Aneth Lwakatare

Sie setzt sich für Bildungsgerechtigkeit für Frauen und Mädchen ein und gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Die Juristin Aneth Lwakatare aus Tansania ist eine moderne Missionarin.

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Ihre Arbeit in Deutschland begann mit ihrem Großvater in Tansania. "Das Wort Mission hat in meiner Familie eine ganz große Bedeutung. Mein Großvater war Lkw-Fahrer und als junger Mann durfte er für die deutschen Missionare, die damals in Tansania unterwegs waren, arbeiten. Er arbeitete danach in einer Garage, die einem deutschen Missionar gehörte. Und in der Zeit hat er sich für den christlichen Glauben entschieden. Seine Frau und seine Kinder wurden getauft. Und schließlich wurde mein Vater Pfarrer."

Ihr Vater: Austauschpfarrer in Deutschland

"1991 kam mein Vater nach Deutschland als Austauschpfarrer und arbeitete in Oer-Erkenschwick, das ist eine kleine Gemeinde bei Recklinghausen im Ruhrgebiet, als Austauschpfarrer. Mein Vater kam erst mit meiner Mutter und zwei meiner jüngsten Geschwister und ich mit meinem älteren Bruder blieb in Tansania. Und als die Gemeindemitglieder merkten, dass meine Mutter immer ein bisschen traurig ist, haben sie nachgefragt, was los ist? Und später offenbarte sie, dass sie noch zwei Kinder hatte, die in Tansania sind. Die Gemeinde legte dann Geld zusammen und so kamen schließlich auch mein Bruder und ich nach Deutschland."

Nach dem Abitur studiert sie Rechtswissenschaften und arbeitet schließlich als Juristin bei der evangelischen Kirche in Tansania in einem Menschenrechtsbüro. Ihr Engagement führt sie dazu, sich bei Mission EineWelt um die Stelle der Referentin für Menschenrechte zu bewerben. Dort bleibt Aneth Lwakatare bis 2015.

Menschenrechtsverletzungen in Tansania ansprechen

"Ich kam in der Zeit, als das Land Tansania Schwerpunktthema von Mission EineWelt war", erklärt Aneth. "Wir wollten aufzeigen, wie es dazu kommt, dass Investoren aus dem Ausland, auch aus Deutschland, in unseren Partnerländern zu Menschenrechtsverletzungen führen. Welche Verfahren stecken dahinter, dass große Investoren Land pachten, Land kaufen, aber die Rechte der Bevölkerung dort dadurch leiden. Und wer profitiert von dieser Investition?“

Aneth kehrt an die Universität zurück, um ihr Wissen zu vertiefen und politisch mehr bewirken zu können. Mittlerweile promoviert sie am Lehrstuhl für Menschrechtspolitik in Erlangen. "Ich fühle mich heute als Aktivistin für Menschenrechte und das ist für mich die Definition einer modernen Missionarin. Ich versuche, die Lage in meinem Heimatland darzustellen, sie den Menschen hier in Deutschland zu erklären." Und so will Aneth Lwakatare nicht aufhören, für Menschen zu sprechen, die für ihre Grundrechte kämpfen müssen.

Mehr zum Thema in STATIONEN am Mittwoch, 18. November 2020 im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.