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Modemagazin im Museum: 40 Jahre deutsche Vogue | BR24

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Magazin im Museum

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Modemagazin im Museum: 40 Jahre deutsche Vogue

Sie hat den Ruf, eine "Bibel der Mode" zu sein: Nun wird die deutsche Ausgabe der Vogue 40 und feiert Geburtstag in der Münchner Villa Stuck. Die Ausstellung "Ist das Mode oder kann das weg?" wirft einen Blick hinter die Kulissen des Magazins.

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Es gilt noch immer als Auszeichnung für Modeschöpfer, Fotografen und Models, wenn sie einen Auftritt in der Vogue haben. Die Vogue ist die Pravda der Modewelt. So jubelte denn auch das Museum Villa Stuck augenzwinkernd auf seiner Facebookseite: "Jetzt haben wir es sogar in die Vogue geschafft!"

Ein exquisiter Hauch von einem Nichts

Die Hürde nahm das Münchener Museum mit einer Ausstellung zu 40 Jahren deutscher Vogue. Der Titel: "Ist das Mode oder kann das weg?" Die Antwort gibt gleich der erste Raum: Drei Entwürfe von Jean Paul Gaultier, Thom Browne und Maison Margiela, auf die das Diktum von Elfriede Jelinek zutrifft, die schreibt: "Eigentlich ist Mode ja Rechnen. Und zwar mit allem. Mit allem muss man rechnen". Bei Gaultiers Entwurf "MexiCan-Can" etwa mit karnevalistisch bunten, gerafften Tüllbahnen, die sich an einem asymmetrischen Reifrock hochschrauben. Thom Brownes champagnerfarbenes plissiertes und gerafftes Kleid indes erinnert an einen exquisiten Hauch von einem Nichts, während Maison Margiela auf bunten Patchwork-Fransenlook setzt, irgendwo zwischen Papageno-Kostüm und Schamanenoutfit.

Mode als Verspieltheit, Ver-rücktheit, als Theater – die Titelseiten aus 40 Jahren Vogue hängen denn auch gleich einem Theatervorhang von der Decke. Michael Buhrs, Direktor der Villa Stuck und einer der Kuratoren der Ausstellung, weist daraufhin, dass jedes Modebild auch immer ein Gesellschaftsbild ist: "Cover sind es, glaube ich, aus den vergangenen 40 Jahren und da lässt sich dann doch tatsächlich ablesen, wie sich einerseits die Frauen selbst verändert haben und wie sich aber auch die Darstellung, das Bild der Frau sozusagen gespiegelt an den Covern der deutschen Vogue verändert."

© VOGUE Deutschland, 2003, Yasmin Warsame. Foto: Ruven Afanador

Yasmin Warsame 2003 in der Vogue

Jürgen Tellers fotografische Deutschlandreise

Ein ganzer Raum ist den rauen Fotografien Jürgen Tellers gewidmet, in denen häufig gedrängte Fülle, ja fast Opulenz herrscht. Der in London lebende Fotokünstler hat sich für die Geburtstagsausgabe der Vogue im Sommer dieses Jahres mit den beiden Schauspielerinnen Diane Kruger und Sandra Hüller auf Deutschlandreise begeben, zwischen Ästhetik und Anthropologie: Viel Wurst, viele Fahrräder, deutsche Bürgersteige, Bier, Reklame, hässliche Springbrunnen, Birkenstock und die Bamberger Konzerthalle. Und neben vielen deutschen Persönlichkeiten immer wieder die beiden Frauen, die ironisch mit Begehrensentwürfen und Selbstinszenierung spielen.

Neben Jürgen Teller gab es bei der deutschen Vogue eine sehr intensive, von persönlicher Freundschaft getragene Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld, dem ein Raum gewidmet ist mit seiner Korrespondenz mit Chefredakteurin Christiane Arp, seinem ersten und letzten Kleiderentwurf, einem Film und Fotografien für die Vogue.

Der Schweizer Künstler Ugo Rondinone indes hat der Schau sechs Fotoarbeiten beigesteuert, die das Cross-Dressing der Mode in ein Spiel mit Gender verwandeln. Michael Buhrs erklärt das so: "Und was Rondinone hier gemacht hat in der Serie „I don’t live here anymore“ ist, dass er Modebilder verwendet unter anderem aus der Vogue und sein eigenes Konterfei sozusagen einsetzt. Man hat ganz unterschiedliche Stimmungen in den Bildern, auch ganz unterschiedliche Frauenbilder, aber immer das männliche Gesicht, das im Kontext der Fotografie wiederum ganz weibliche Züge bekommt."

"Wer die Mode zu lesen versteht, kann lesen, was kommt"

"Bevor es in Mode ist, ist es in der Vogue", ist der Slogan der Zeitschrift, die sich in der Villa Stuck als ein Magazin am Puls der Zeit präsentiert. In Stil- und Modefragen – kein Zweifel. Hochgegriffen allerdings der Versuch der Ausstellung, mit einem ganzen Raum, in dem eine Zeitleiste wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse aufführt, gesellschaftspolitische Relevanz zu beanspruchen.

Schade ist das, man hätte doch der Mode und den Fotografien vertrauen dürfen, ganz nach dem Motto, das Walter Benjamin einmal vorgegeben hatte: "Wer die Mode zu lesen versteht, kann lesen, was kommt."

Die Ausstellung: "Ist das Mode oder kann das weg?" 40 Jahre deutsche Vogue läuft bis 12. Januar in der Villa Stuck.

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