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Mitzwe Makers: Ein jüdischer Verein der "guten Taten" | BR24

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Gutes tun - das ist das Motto von Steven Guttmann und seinen Kolleginnen und Kollegen beim Verein "Mitzwe Makers" in München. Sie kümmern sich um alleinstehende Senioren, pflegen Denkmäler oder sammeln Lebensmittel für Bedürftige.

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Mitzwe Makers: Ein jüdischer Verein der "guten Taten"

Gutes tun – das ist das Motto von Steven Guttmann und seinen Kolleginnen und Kollegen beim Verein "Mitzwe Makers" in München. Sie kümmern sich um alleinstehende Senioren, pflegen Denkmäler oder sammeln Lebensmittel für Bedürftige.

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Am "Mitzvah Day" hat Steven Guttmann viel vor, an Ausschlafen am Sonntagmorgen ist nicht zu denken. Der 33-jährige Rechtsanwalt fährt in die Münchner Innenstadt, um Gutes zu tun. Er baut zusammen mit anderen Helfern einen Stand im Foyer des Jüdischen Museums. Dort möchte er die Besucher über die Themen Knochenmark- und Organspende informieren.

Mitzwe: Die gute Tat

Leben retten, sich für Menschen engagieren, das steht für Steven Guttmann an erster Stelle, wenn es um seine Arbeit beim jüdischen Verein "Mitzwe Makers" geht.

"Eine Mitzwe ist ein Gebot in der Thora und heißt übersetzt so viel wie gute Tat. Und daher kommt auch der Name Mitzwe Makers, die Vollbringer guter Taten." Steven Guttmann, Mitzwe Makers e.V.

Die Mitzwe Makers kümmern sich das ganze Jahr über um Bedürftige, sammeln etwa zu Pessach Lebensmittel und spenden sie den Tafeln. Steven Guttmann hat den Verein 2013 gegründet. Die Idee dazu kam ihm, als er miterlebt hat, dass seine Großmutter in ihrer Wohnung Hilfe brauchte. "Alle Glühbirnen im Badezimmer waren kaputt und sie konnte diese nicht auswechseln", erzählt der "Mitzwe Maker". "oft sind viele Senioren zu stolz, etwas zu sagen und um Hilfe zu bitten." Steven Guttmann hat damals eine Leiter geholt und die Birnen gewechselt. "Es hat mich 30 Sekunden gekostet, aber für sie war das eine Riesensache."

Steven Guttmann kann nicht lang im Foyer des Jüdischen Museums bleiben, er muss weiter zum nächsten Hilfsprojekt und fährt zum Neuen Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde. Dort wartet schon die zweite Gruppe der Mitzwe Makers. Die freiwilligen Helfer haben sich vom regnerischen Wetter nicht abschrecken lassen. Sie pflegen Grabstellen, um die sich keine Angehörigen mehr kümmern.

Viel zu tun, auf dem jüdischen Friedhof

"Wir waren hier ab und zu selbst und haben gesehen, dass viele Gräber total verwittert und vergessen waren, gerade auch von Holocaust-Überlebenden.", sagt Guttmann, "Wir wollen deren Andenken ehren, deren Namen wieder lesbar machen und sie wieder in die heutige Zeit zurückholen, klar machen, dass sie nicht vergessen sind."

Nach jüdischer Glaubensvorstellung sind die Gräber für die Ewigkeit gedacht, sie werden also nie aufgelöst. Nicht an allen Stellen konnten die Mitzwe Makers herausfinden, wer dort begraben ist. Doch der Medizinstudent Jeremy Rapaport hat sich mit einigen der Biografien befasst. "Wir pflegen einen Block von einer Familie, die auch sehr mit dem FC-Bayern verbunden ist, verbunden war", erklärt Rapaport, "Hier liegt auch Kurt Landauer, ich bin ein großer Bayern-Fan, für mich ist es eine schöne Sache."

Es ist Mittag, Steven Guttmann muss wieder zurück zum Jakobsplatz. Der gebürtige Münchner ist Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, pflegt die jüdischen Traditionen, feiert die Feiertage und geht in die Synagoge.

"Ich trage keine Kippa auf der Straße und in der Arbeit. Wenn man mir normal begegnet, wird man nicht wissen, dass ich jüdisch bin. Ich überlege mittlerweile genau, wem ich was davon erzähle, was ich erzähle, weil man heute leider auch nicht mehr weiß, wie die Leute reagieren." Steven Guttmann

Vier Stunden lang haben die Mitzwe Makers im Jüdischen Museum Interessierte über Knochenmark- oder Organspende informiert. Für sie ist es gut investierte Zeit. Wenn dadurch vielleicht ein Menschenleben gerettet wird, hat sich der Einsatz für sie gelohnt. Mit kleinen Taten wollen sie die Welt ein wenig besser machen.

Diese und andere Geschichten zum Thema "Es reicht! Für alle?" sehen Sie in STATIONEN am 4. Dezember 2019 im BR Fernsehen oder in der BR Mediathek.