BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Mit Kunst aus der Depression: "Die Hand lügt nicht" | BR24

© BR

Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Wege aus der Depression sind individuell und sehr verschieden. Auch eine Kunsttherapie kann helfen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Mit Kunst aus der Depression: "Die Hand lügt nicht"

Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Wege aus der Depression sind individuell und sehr verschieden. Auch eine Kunsttherapie kann helfen.

Per Mail sharen

"Wörter können lügen - aber die Hand nicht. Sie weiß Bescheid". Diesen Satz hat die Münchener Kunsttherapeutin Doris Seeberger von ihrer Ausbilderin mit auf den Weg bekommen. Und er bewahrheitet sich für sie immer wieder. "Es ist tatsächlich so, dass Klienten mit einem bestimmten Anliegen oder Thema in die Stunde kommen. Aber während des Malens kommt dann ein ganz anderes Thema zutage."

Im Malen zeige sich oft eine innere Wahrheit. Das Konstrukt, das man im Kopf habe, breche da manchmal wie ein Kartenhaus zusammen. Denn Bilder erzählen Geschichten, und eigene Bilder zu gestalten, kann einen neuen Zugang zu sich selbst eröffnen.

Spüren und sehen: Wie kann es weitergehen?

Seit acht Jahren arbeitet Doris Seeberger kunsttherapeutisch mit depressiven Menschen im Münchner Krisenzentrum Atriumhaus zusammen. Depression sei ganz oft ein Ausdruck von Aggressionen gegen das eigene Selbst, so die Kunsttherapeutin. "Das Gefühl, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen, gerade in einer Gesellschaft, die so viel verlangt, ist oft übermächtig."

Während einer Kunststunde könne man Wut und Angst, die oft hinter der Depression stecken, auf einem Blatt Papier ausdrücken. "Viele kommen dadurch wieder in Kontakt mit sich selbst, spüren sich wieder. Ganz oft höre ich den Satz: "Jetzt sehe ich vor mir, was ich die ganze Zeit gespürt habe". Denn manches was in Gesprächen, in Therapien oder in eigenen Gedanken erarbeitet wurde, kann in einem Bild sichtbar und begreifbar werden."

Mit Wasserfarben ins Gefühl kommen

Die Methoden beim Malen sind unterschiedlich und Doris Seeberger überlegt vor Beginn einer Stunde mit der Klientin gemeinsam. "Wenn es darum geht, in den Gefühlsfluss zu kommen, dann sind Wasserfarben hilfreich. Möchte man Wut rauslassen, dann sind Kreiden toll, damit kann man sich abreiben."

"Mir ging es einmal so schlecht, da konnte ich nicht einmal mehr weinen. Mein Körper war wie blockiert. Da haben wir in der Stunde eine Übung gemacht: Ich habe einen Pinsel mit Farbe und ganz viel Wasser genommen. Und als der Pinsel zu tropfen anfing, flossen auch schon die Tränen bei mir. Das war unglaublich befreiend." Klientin

Mehr zum Thema "Wege aus der Depression" gibt es am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen in STATIONEN und im Anschluss in der BR-Mediathek.