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Kultur

Mit Jodel-Diplom und Wadl-Wärmer: "Im Weißen Rössl" an der Rott | BR24

© Sebastian Hoffmann/Theater an der Rott

Am Wolfgangsee: Lederhosen-Romantik

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Mit Jodel-Diplom und Wadl-Wärmer: "Im Weißen Rössl" an der Rott

Dieses Singspiel fordert Mut zur Selbstironie - und die war in Eggenfelden im Theater an der Rott reichlich vorhanden. So wurde das "Weiße Rössl" zum Publikumserfolg und der "Kaiser Franz-Joseph" ausgelassen gefeiert. Nachtkritik von Peter Jungblut.

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Selbst das Theater-Restaurant in Eggenfelden hatte Sinn für Humor: Dort stand "Paprikahuhn" auf der Karte, passend zum Stück, denn im "Weißen Rössl" müssen noch sechs Viecher "von gestern" an die Touristen verfüttert werden. Wirtin Josepha Vogelhuber ist eben nicht zimperlich, wenn es darum geht, die Sommerfrischler abzuzocken. Im "Rössl" wird scharf kalkuliert. Klar, dass sich auch Zahlkellner Leopold gern zu seinen Gunsten verrechnet - im Salzkammergut kann man gut lustig sein, aber das hat eben bis heute seinen Preis.

Schwermütig, frech und verliebt

Intendant und Regisseur Uwe Lohr zeigte das populäre Singspiel in einer Fassung für kleines Orchester, die vor Jahren in Berlin Furore gemacht hatte. Ursprünglich war das "Rössl" zwar eine Revue-Operette mit gigantische äußerem Aufwand, aber das Stück funktioniert auch ohne Drehbühne und Showtreppe. Armin Stockerer ist ein absolut authentischer Leopold: Etwas schlitzohrig, etwas frech, sehr verliebt und sehr bodenständig. Christa Ratzenböck gibt die Rössl-Chefin nicht als Kratzbürste, sondern als romantisch veranlagte Frau, die von einem vermeintlich besseren Leben an der Seite eines gut aussehenden Rechtsanwalts träumt.

Balkonzimmer, Kuhstall und Lichterkette

Erst der Kaiser, wahrhaft majestätisch verkörpert von Lorenz Gutmann, klärt seine Untertanen darüber auf, dass nun mal nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen. Auf der kleinen Eggenfeldener Bühne ist alles vorhanden: Das berühmte Balkonzimmer, um das sich die Gäste streiten, der Kuhstall und der Biergarten, die Bergfichte und die abendliche Lichterkette. Das alles wirkt allerdings so bescheiden und dürftig, dass die Ironie unübersehbar ist. Der Chor macht bei dem Spaß hoch motiviert mit: Nie kommt der Eindruck auf, das Ganze sei etwa "volkstümlich" ernst gemeint.

Jodel-Diplom nach Loriot

Erwin Windegger als versponnener Professor Dr. Hinzelmann übt wacker für das Jodel-Diplom, frei nach Loriot, um dann am Ende tatsächlich seinen Kehlkopf eindrucksvoll in Schwung zu bringen. Da tobt der Saal, und das überwiegend weibliche Publikum fühlt sich blendend unterhalten. Martin Kiener als Dr. Siedler und Moritz Katzmair als schöner Sigismund sind ebenso engagiert bei der Sache wie Tina Haas als lispelndes Klärchen und die stepptanzende Anna Magdalena Auzinger als Ottilie. Das tolldreiste "Rössl" ist offensichtlich unverwüstlich, vorausgesetzt, es wird nicht als Tourismuswerbung für das Salzkammergut missverstanden. Insofern hat das Theater an der Rott diesmal alles richtig gemacht.




© Sebastian Hoffmann/Theater an der Rott

Balkonzimmer: Gäste in der Sommerfrische