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Beatrix Labeck hat sich mit einem Gentest auf die Suche nach ihrem Vater gemacht.

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Mit Gentest auf der Suche nach ihrem Vater

Wer bin ich? Diese Frage treibt Beatrix Labeck seit ihrer Kindheit um. Sie weiß nicht, wer ihr Vater ist. Das Geheimnis hat ihre Mutter mit ins Grab genommen. Mit einem Gentest hat sie sich schließlich auf die Suche nach ihrem Vater gemacht.

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Von
  • Barbara Schneider

Beatrix Labeck wurde 1949 in London geboren. Ihre in Graz geborene Mutter wanderte nach London aus. Den Namen und die Geschichte ihres Vaters hat sie von ihrer Mutter nie erfahren. Sie nahm ihr Wissen mit ins Grab. Beatrix Lambeck bedrückt das bis heute: "Sie hat sich so in Grund und Boden geschämt. Dieses Wissen, wer der Vater ist, hat sie niemandem erzählt - nicht ihrer Mutter, Freundinnen, niemandem."

Das Geheimnis der Mutter

Nach dem Tod der Mutter macht sich Labeck auf die Suche nach ihrem Vater. Hoffnung keimt in ihr auf, als sie endlich ihre Geburtsurkunde in Händen hält: "Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich konnte es nicht fassen, da war der Name des Vaters klar und deutlich geschrieben." Louis Roche - der Name ist ein erster Anhaltspunkt. Sie weiß nun, wie ihr Vater heißt, wer sich hinter dem Namen verbirgt, weiß sie allerdings noch nicht.

Spurensuche per DNA

Beatrix Labeck findet alte Fotos von ihrem Vater. Sie recherchiert in alle möglichen Richtungen, doch sie kommt nicht weiter. Der Vater bleibt unauffindbar. Ihre einzige Chance, den Vater doch noch zu finden, sieht sie in einem Gentest. Sie lässt ihre DNA analysieren. Er soll ihr Antworten geben. Lambeck weiß nun mehr über ihre Wurzeln: "49 Prozent, glaube ich, österreichisch oder europäisch, a bisschen Afrika, a bisschen dies und jenes." Bei der Suche nach ihrem Vater hilft dieses Ergebnis leider nicht weiter. Solche Gentests sind außerdem äußerst umstritten - insbesondere wegen des Datenschutzes. "Ich habe schon ein bisschen Bedenken gehabt“, räumt Labeck ein. "Es ist klar, man gibt seine DNA weiter, was mit der DNA dann passiert, ist nicht mehr in deinen Händen."

Passende Gene in der Datenbank

Labeck macht einen zweiten Gentest bei einer US-amerikanische Firma. Auch dieses Testergebnis kann ihr nur zeigen, aus welchen Regionen der Welt ihre Vorfahren stammen. Doch das Unternehmen findet in seiner Datenbank eine Genprobe, die viele Übereinstimmungen mit der DNA von Beatrix Labeck aufweist. Sie wird total überrascht: "Das war ein absoluter Schock. Was hat das zu bedeuten? Du suchst 70 Jahre lang nach etwas und plötzlich hältst du das Ergebnis in den Händen. Was fängt man damit an?"

Die Geschichte des Vaters

In Florida hatte Claudette Roche einige Jahre zuvor ebenfalls begonnen, nach Spuren zu suchen. Auch sie ließ einen Gentest machen – bei demselben Unternehmen wie Beatrix Labeck. Es stellt sich heraus: Sie sind tatsächlich Halbschwestern. „Es war ein magischer Moment“, sagt Claudette Roche zu Beatrix Labeck. „Dass es dich gibt, habe ich erst acht Jahre vor unserem Treffen erfahren. Vorher wusste ich nicht, dass es dich gibt. Wir hatten wirklich versucht, dich zu finden.“

Nach vielen Jahren der Suche fügt sich das Puzzle zusammen: Der Vater stammte aus Jamaika. Der Arbeit wegen kam er nach London, wo er Beatrix' Mutter traf. Doch er war verheiratet und wanderte in den 1960er-Jahren schließlich nach Kanada aus. Mit seiner Frau hatte er fünf Kinder. Ihnen erzählte er erst einige Jahre vor seinem Tod im Jahr 2008, dass er noch eine Tochter hat. „Ich habe meinen Vater gesucht und habe eine Familie gefunden, eine Großfamilie“, sagt Beatrix Labeck. Sie hat nun drei Halbschwestern und zwei Halbbrüder dazugewonnen. Nach der Corona-Pandemie möchte sie ihre Familie in Kanada besuchen. Es ist ein Trost für den verlorenen Vater, meint die Seniorin: “Das ist eine Sache, die in mir noch so arbeitet - dieses Thema: diese verlorene Familie, der Vater, der mich nie auf dem Schloss gehabt hat.“

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