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Missbrauchsbeauftragter geht mit Kirche hart ins Gericht | BR24

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Kinder müssten mehr und besser gegen Missbrauch geschützt werden. Diesen Apell richtete der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, heute an Politik und Gesellschaft.

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Missbrauchsbeauftragter geht mit Kirche hart ins Gericht

Zehn Jahre nach Beginn des Missbrauchsskandals kritisiert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Rörig, die katholische Kirche scharf. Er wirft ihr vor, zu langsam zu agieren und sogar Widerstand bei der Aufarbeitung zu leisten.

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Vor zehn Jahren wurden Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg öffentlich. In der Folge wurden auch in anderen katholischen Institutionen Missbrauchsskandale bekannt: in Ettal oder bei den Regensburger Domspatzen. Am zehnten Jahrestag der Enthüllung spricht die Deutsche Bischofskonferenz von einem "tiefen Einschnitt" und verspricht, dass man sich nicht "aus der Verantwortung nehmen" wird. Doch den Betroffenen und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung geht die Aufarbeitung des Skandals zu langsam.

In manchen Bistümern gebe es Widerstände

Die katholischen Bischöfe schlagen bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals unterschiedliche Geschwindigkeiten ein, so die Analyse des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig. In "einigen Bistümern gebe es ein großes Engagement für eine umfassende Aufarbeitung", andernorts gebe es "offene und verdeckte Widerstände", so Rörig gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

"Wenn es eine Verweigerung in den Bistümern geben sollte, umfassend aufzuarbeiten, dann muss ich mich mal mit den Spitzen der Bundesregierung rückkoppeln, wie dann die Spitzen der Regierung beispielsweise das Gespräch mit Kardinal Marx suchen." Johannes Wilhelm Röring, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung.

Die Bischofskonferenz hat jetzt um Verständnis dafür gebeten, dass sie in entscheidenden Punkten noch keine Einigung erzielt hat. Das betrifft u.a. die von Rörig geforderte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle durch unabhängige Experten. "Diese komplexen Themen benötigen viel Zeit für ihre Bearbeitung", heißt es in der in Würzburg veröffentlichten Erklärung der Bischöfe.

Röring: Kirche muss Verantwortung übernehmen

Keine Einigung gibt es auch bei der Frage, wie Opfer sexuellen Missbrauchs entschädigt werden. Matthias Katsch, Sprecher der Opfervereinigung "Eckiger Tisch" warnt davor, diese Frage weiter auf die lange Bank zu schieben. Die Kirche müsse "die Verantwortung übernehmen für das, was sie im Leben der Opfer fahrlässig oder auch schuldhaft angerichtet" habe.