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Missbrauch von Zitat aus NS-Zeit: Pianist Mickisch in der Kritik | BR24

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Hat mit einem Facebook-Post für Diskussionen gesorgt: Stefan Mickisch.

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    Missbrauch von Zitat aus NS-Zeit: Pianist Mickisch in der Kritik

    Stefan Mickisch ist vor allem unter Wagner-Fans bekannt – in Bayreuth hat er jahrelang Vorträge zur Musik des Komponisten gehalten. Nun sorgte der Pianist für Aufsehen, weil er die Corona-Politik indirekt mit dem Terrorregime der Nazis gleichsetzt.

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    Von
    • Lasse Berger

    Der Pianist und Richard-Wagner-Experte Stefan Mickisch hat mit einem Facebook-Post für Aufsehen gesorgt, in dem er sich selber mit dem NS-Widerstandskämpfer Hans Scholl verglichen hat. Mit dem Post zog Mickisch indirekt eine Parallele zwischen dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime und dem gegen die Corona-Politik der Bundesregierung.

    Die Verwendung des ursprünglich aus dem Jahr 1942 stammenden Zitats löste in der Kommentarspalte unter seinem Post Unverständnis aus. Ein User schreibt, dass er die Einschränkung im öffentlichen Leben bedauere, gleichwohl froh darüber sei, dass die Regierung dagegensteuere, wenn Maßnahmen wie ein teilweiser Lockdown nichts bringen würden. Mikisch solle für sich für diese "dumme Aktion" und "geschmacklose Entgleisung" schämen, heißt es in anderen Kommentaren.

    Indirekter Vergleich der Bundesregierung mit NS-Regime

    Auch Sven Friedrich zeigte sich im Gespräch mit dem BR entsetzt ob des "üblen Vergleichs". Der Leiter des Richard-Wagner-Museums unterstellte Mickisch den Missbrauch der freien Meinungsäußerung. Der 58-Jährige würde die Bundesregierung auf eine Stufe mit dem NS-Regime stellen, dieser Vergleich sei "widerwärtig". Im Richard-Wagner-Museum im Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus des Komponisten, sei Mickisch ab sofort unerwünscht.

    Friedrich glaubt, dass der Post des Solo-Selbständigen aus Verzweiflung angesichts der Corona-Pandemie entstanden sein könnte. Die derzeitige Frustration vieler Kulturschaffender könne er, Friedrich, durchaus nachvollziehen, allerdings hätte Mickisch mit diesem Vergleich wieder einmal "überdreht".

    "Coronafaschismus" und Richard-Wagner-Post sorgten für Aufruhr

    Erst im April dieses Jahres hatte Mickisch für Schlagzeilen gesorgt, als er die Gesundheitspolitik der Bundesregierung "Coronafaschismus" nannte und zum Widerstand gegen die Polizei aufrief. 2014 wurde Mickisch ebenfalls auf Facebook auffällig. In einem Post wollte er Richard Wagner vom Vorwurf des Antisemitismus reinwaschen. In der Folge wurde Mickisch unter anderem die Verharmlosung des Holocausts vorgeworfen.

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