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Neues Buch über Missbrauchskrise: Was wusste Joseph Ratzinger? | BR24

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Bildrechte: picture alliance / Stefano Spaziani | Stefano Spaziani

In seiner Amtszeit kam der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche ans Licht. Neben Kindern wurden auch Ordensfrauen Opfer von Priestern. Eine von ihnen rechnet nun mit der Kirche und der Rolle Ratzingers ab.

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Neues Buch über Missbrauchskrise: Was wusste Joseph Ratzinger?

Was wusste Papst Benedikt XVI. über Missbrauchsfälle? Was hat er dagegen unternommen? Die Theologin und ehemalige Ordensfrau Doris Reisinger schreibt in ihrem neuen Buch über sein Wissen und Nichtwissen und blickt auf das "System Ratzinger".

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Von
  • Birgit Rätsch

Doris Reisinger ist heute Wissenschaftlerin am Fachbereich Katholische Theologie der Universität Frankfurt. Vor zehn Jahren war sie noch Ordensfrau bei der Glaubensgemeinschaft "Das Werk". Dort hat sie jahrelang traumatische Erfahrungen machen müssen. Seitdem kämpft sie um Gerechtigkeit und Aufklärung. Ihr neues Buch untersucht die Rolle von Joseph Ratzinger in diesem dunklen Kapitel der katholischen Kirche.

"Ich glaube, das große Problem ist, dass er so idealistisch auf seine Kirche geschaut hat," so Reisinger. "Er konnte nicht verstehen, welch schreckliche Sachen passieren und was das für seine Kirche bedeutet. Er sah die größte Gefahr für die Kirche nicht in der Gewalt gegen Kinder, sondern im Glaubensabfall. Das Leiden der Kinder hat er, muss man sagen, nicht wirklich erfasst."

Papst hielt Realität wohl auf gewisse Weise von sich fern

Reisinger charakterisiert Joseph Ratzinger als etwas weltfremd und unterstellt ihm keine böse Absicht. Die Mentalität moralisch zweifelhafter oder abgründiger Kollegen sei ihm zuwider gewesen, schreibt sie.

Was geschehen sei, habe sich Ratzinger weder vorstellen können noch wollen. So zum Beispiel auch die Tatsache, dass Priester Ordensschwestern vergewaltigten und dann zur Abtreibung zwangen, in Afrika, den USA, Irland, Italien und den Philippinen. Auch später habe der heimatliebende Benedikt lieber Gebirgsschützen aus Bayern empfangen als Missbrauchsopfer anzuhören.

Pater: Buch macht Verantwortlichkeiten sichtbarer

Die Täter hätten sich unter Papst Benedikt lange sicher gefühlt. "Natürlich hat Papst Benedikt das Seine versucht. Wir schauen heute darauf und sagen, das ist nicht genug gewesen, da hätte man mehr tun müssen, da muss man heute mehr tun," so Pater Bernd Hagenkord, Jesuit und Journalist. "Von daher ist das ein wichtiges Buch, das darlegt, wie Verantwortlichkeiten wahrgenommen oder eben nicht wahrgenommen wurden."

Macht in Kirche muss laut Reisinger umverteilt werden

Für Doris Reisinger gibt es nur einen Weg sich der Missbrauchskrise zu stellen: Die Macht in der katholischen Kirche umorganisieren, auf mehr Schultern verteilen, um Transparenz zu ermöglichen, Kontrolle zu sichern und Vertuschung zu verhindern. Solange das nicht geschehe, so Reisinger, sei in der katholischen Kirche kein Ende der Krise in Sicht.

Das Buch "Nur die Wahrheit rettet - Der Missbrauch in der katholischen Kirche und das System Ratzinger" von Doris Reisinger und Christoph Röhl ist im Piper-Verlag erschienen.

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