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Sie gehört zu den renommiertesten Theaterschauspielerinnen im deutschsprachigen Raum: Birgit Minichmayr. Im Sommer wird sie Schillers "Maria Stuart" bei den Salzburger Festspielen verkörpern. Nun singt sie auf ihrem Debutalbum Shakespeare Sonnette.

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Behaglich schön: Birgit Minichmayr singt Shakespeare

Sie gehört zu den renommiertesten Theaterschauspielerinnen im deutschsprachigen Raum: Birgit Minichmayr. Im Sommer wird sie Schillers "Maria Stuart" bei den Salzburger Festspielen verkörpern. Nun singt sie auf ihrem Debutalbum Shakespeare Sonette.

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Von
  • Markus Mayer

Halb singt sie, halb rezitiert sie – Birgit Minichmayr interpretiert "My Mistress Eyes" – Shakespeares Sonett Nummer 130, das die Zeile "Nothing Like The Sun" enthält, die Popstar Sting zu einem Album inspiriert hat. Unterlegt ist das Klinggedicht, wie das Sonett während des Barock im Deutschen genannt wurde, mit störrischen Tangoklängen, die der Pianist Bernd Lhotzky erfunden hat. Kompetent in Szene gesetzt werden die Kompositionen von Quadro Nuevo und Lhotzky. Ganz leicht scheint der Ausnahmeschauspielerin Minichmayr dabei die Phrasierung der englischen Originaltexte nicht zu fallen. Sie ist eben trotz aller Virtuosität kein Native Speaker. Und nur die wissen, was passiert, wenn die Betonung auf diese oder eine andere Silbe verschoben wird.

Schicker Original-Shakespeare

Trotzdem klingt nicht schlecht, was man zu hören bekommt. Die Musik verbreitet die behagliche Wärme eines Kaminfeuers in einem, sagen wir, englischen Landhaus. Birgit Minichmayr hat sich für ihr erstes Album als Sängerin, oder besser Vokalistin, extra coachen lassen, sagt sie: "Warum englisch? Ich find’s ein bisschen schicker, den Original-Shakespeare singen zu können. Es wär so eine schöne Vorstellung, wenn man einmal Shakespeare in englischer Sprache in England spielt, aber jetzt sind‘s halt nur die Sonette geworden."

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Das Album "As An Unperfect Actor"

Das Cover von "As An Unperfect Actor" zeigt die Schauspielerin mit elisabethanischer Halskrause, wie sie zu Shakespeares Zeiten die Herren der Schöpfung trugen. Das Gesicht ist androgyn geschminkt: die Lippen knallrot, hinzu kommt ein aufgemaltes Menjou-Bärtchen und ein Spitzbart: La Minichmayr als neumodisch-elisabethanische Drag-Queen. Eine Lesart, die dem gängigen Verständnis entspricht. Denn Shakespeares Sonette richten sich an einen jungen Mann. Viele der 154 Texte wurden aus der Perspektive eines älteren Herren geschrieben, was für Verwirrung sorgt: War Shakespeare schwul? Warum fordert der Autor den jungen Mann in den ersten 17 Gedichten, die in Minichmayrs Interpretation allerdings unberücksichtigt bleiben, zur Fortpflanzung auf? "Das 29-er Lied hat Shakespeare geschrieben," sagt Birgit Minichmayr, "als die Beulenpest wütete und jahrelang die Theater geschlossen waren."

Shakespeare geht immer

Ihre Hausaufgaben hat die begnadete Schauspiel-Ikone jedenfalls gemacht. Shakespeare verdiente während der Beulenpest-Plage Geld, indem er Aufträge annahm und auf Anfrage Sonette schrieb. Auftraggeber war die Familie eines sehr reichen Adeligen, der nicht heiraten wollte, wen der Vormund vorsah. Der junge Mann, Fan von Shakespeares Theater und Mäzen desselben, sollte umgestimmt werden: Ehe und Familie waren Wirtschaftsunternehmen, keine romantischen Herzensangelegenheiten. Shakespeare stellte sich, vermuten Philologen, in den Dienst der Familie des Gönners und schmeichelte ihm mit kunstvollen Texten. Minichmayr weiß um diese Zusammenhänge, lässt sie aber bewusst außen vor: "Natürlich ist es schön immer Hintergründe zu wissen, warum sie genau verfasst wurden und manchmal denk ich, es ist trotzdem auch möglich ohne Hintergründe, wieder frei zu interpretieren." So kommt diese Album "As An Unperfect Actor – Nine Shakespeare Sonnets" von Birgit Minichmayr ein wenig wie ein "Shakespeare geht immer"-Produkt daher. Dabei machen Minichmayr und Begleiter ihre Sache gut und schön, nur halt nicht überragend. Der phantastischen Künstlerin kann man deswegen nicht böse sein.

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