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Mind-Upload: Der Traum von der Unsterblichkeit | BR24

© picture alliance / PantherMedia / Bearbeitung: BR

Das Gehirn eines Menschen durch einen Computerchip ersetzt

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    Mind-Upload: Der Traum von der Unsterblichkeit

    Wenn Christen an Allerseelen Kerzen für Verstorbene anzünden, hoffen viele auf ein Wiedersehen nach dem Tod. Gleichzeitig denken Zukunftsforscher darüber nach, wie der Wunsch nach ewigem Leben mit technischen Mitteln erfüllt werden könnte.

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    Von
    • Barbara Schneider

    Als der Programmierer Nathan bei einem Unfall schwer verletzt wird, lässt er sich auf ein gewagtes Experiment ein: Er wird an einen Computer angeschlossen, sein Gehirn wird gescannt und sein Bewusstsein in eine Cloud hochgeladen. Als "Avatar", also als künstliches Wesen, lebt er fortan in einer virtuellen Welt weiter.

    Ein Leben im Computer ...

    Das Szenario, das die Science-Fiction-Serie "Upload" von Amazon entwirft, soll – geht es etwa nach Technikpionieren wie US-Amerikaner Ray Kurzweil – in naher Zukunft Wirklichkeit sein. Mit technischen Möglichkeiten die Grenzen des Menschseins überwinden – das klingt verheißungsvoll. Den Tod hinter sich zu lassen, unsterblich zu werden, ist nicht nur eine uralte religiöse Hoffnung, sondern auch die zentrale Idee des sogenannten Transhumanismus.

    "Der Mensch, der sich evolutionär entwickelt hat, ist ein Mängelwesen. Er wird krank, gebrechlich, alt und stirbt. Diese Defizite müssen mithilfe von Wissenschaft und technologischem Fortschritt überwunden werden. Das scheint der Kerngedanke des Transhumanismus zu sein." Georg Gasser, Universität Augsburg

    Wenn es technologische Möglichkeiten gibt, Krankheiten, das Altern oder schlussendlich den Tod zu überwinden, dann ergebe sich nach Ansicht der Transhumanisten auch eine moralische Pflicht, diese Möglichkeiten zu nutzen, so der katholische Theologe und Augsburger Philosophieprofessor, Georg Gasser.

    ... ist es wirklich Leben?

    Die Idee des sogenannten Mind-Upload, also des Speicherns eines menschlichen Bewusstseins auf einer Festplatte, wirft eine Frage auf: Was zeichnet überhaupt das menschliche Bewusstsein aus? Schaut man in die Philosophiegeschichte, ist immer wieder die Rede davon, dass der Mensch nicht nur einen Körper, sondern auch eine Seele besitzt.

    Wenn etwa Aristoteles von der Seele spricht, meint er damit das Lebensprinzip des Menschen. Dazu gehört das Denken, aber dazu gehören auch körperliche Bedürfnisse und sinnliche Wahrnehmungen, sagt Georg Gasser. "Was den Menschen auszeichnet, ist gerade diese Einheit von leiblichen und geistigen Prozessen. Und das verhindert letztlich einen Mind-Upload." Angenommen ein Mind-Upload wäre möglich, dann würde damit nur der "Rumpf des Menschens" in ein von den Transhumanisten erträumtes digitales Jenseits befördert werden, meint Gasser. "Die spezifisch leibliche Verfasstheit, die zum Menschsein gehört, wird ausgeblendet."

    Bauplan fürs Gehirn?

    Allein das Gehirn nachzubauen, ist kaum möglich. Das zeigt das Human Brain Project, an dem sich über 100 internationale Forschungseinrichtungen beteiligen. Gemeinsam wollen die Wissenschaftler die Funktionsweise des menschlichen Gehirns ergründen und nachbilden. Rund 100 Milliarden Nervenzellen hat ein Gehirn, sagt der Zukunftsforscher Reinhold Popp. Dazu komme, dass das Gehirn ein "soziales Organ" sei.

    "Alles im Gehirn ist durch eine unglaubliche Menge an sozialen Interaktionen entstanden – vom ersten Schrei bis ins hohe Alter", so Reinhold Popp. Immer wieder nehme das Gehirn neue Informationen auf, verarbeite und reflektiere sie. "Das heißt: Der Festplatten-Gedanke ist schlicht falsch."

    Ewiges Leben: langweilig?

    Außerdem stellt sich die Frage, wie erstrebenswert die Unsterblichkeit überhaupt ist, meint die Wiener Technikphilosophin Janina Loh. "Ich glaube, wenn wir unsterblich sind, finden wir Dinge auf Dauer nur noch langweilig. Wir wissen irgendwann nicht mehr, was es heißt, etwas Neues zu beginnen, weil wir vergessen haben, was es heißt, dass etwas radikal endet."

    Unsterblich zu sein als "virtueller Geist", davon hält Janina Loh nichts. Denn wenn es keinen Lebensanfang und kein Lebensende mehr gibt, gebe es auch keine Wertschätzung mehr für das Dazwischen - alles werde belanglos.