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John Davis

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    Milli-Vanilli-Sänger John Davis an Corona gestorben

    Noch an Weihnachten hatte er sich musikalisch bei den Beschäftigten des Nürnberger Klinikums für deren Einsatzbereitschaft bedankt. Auch bei den BR-Sternstunden war John Davis engagiert. Jetzt ist der 66-Jährige seiner Covid-19-Infektion erlegen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Franken trauert: Zuletzt hatte John Davis in Cadolzburg im Landkreis Fürth gewohnt. Er war eine der Stimmen hinter dem skandalumwitterten Disco-Pop-Duo Milli Vanilli, das von Frank Farian produziert wurde.

    In Wahrheit lieh unter anderem John Davis Milli Vanilli die Stimme

    Lange Zeit blieb es ein Geheimnis, dass die beiden Aushängeschilder der Gruppe, die Tänzer Fab Morvan und Rob Pilatus, gar nicht selbst sangen, sondern lediglich ihre Lippen bewegten. Das reichte für drei Nummer-Eins-Hits in den US-Charts, Songs wie "Girl You Know It’s True", "Baby Don’t Forget My Number" und "Girl I’m Gonna Miss You" wurden millionenfach verkauft.

    Erst als bei einer US-Tour 1990 das Playback-Band wegen technischer Probleme stoppte, wurde offenbar, dass tatsächlich John Davis und andere Künstler dem fotogenen Duo ihre Stimmen geliehen hatten. Erste Zweifel an der Gesangskunst der Tänzer waren aufgekommen, weil Davis unüberhörbar einen amerikanischen Akzent hatte, der Franzose Morvan jedoch ebenso schlecht Englisch sprach wie Rob Pilatus. Letzterer war Deutsch-Amerikaner und hatte einen unverkennbar bayerischen Dialekt-Einschlag. Davis machte nach der Affäre als Solokünstler weiter, auch mit Songs von "The Real Milli Vanilli".

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    Bildrechte: Andreas Lander/Picture Alliance

    John Davis und Fabrice Morvan (links)

    John Davis' Tochter Jasmin schrieb anlässlich seines Todes in den sozialen Netzwerken: "Er machte viele Menschen glücklich mit seinem Lachen und Lächeln, seinem fröhlichen Geist, seiner Liebe und vor allem durch seine Musik. Er hat der Welt so viel gegeben! Bitte gebt ihm den letzten Applaus." Davis trat mit den Nürnberger Symphonikern auf und heizte 2013 als Überraschungsgast eines Open Airs 60.000 Zuschauern im Luitpoldhain ordentlich ein. Er arbeitete mit dem Fürther Big Band-Leader Thilo Wolf zusammen, sang bei Sportveranstaltungen und immer wieder auch für wohltätige Zwecke, etwa bei den BR-Sternstunden und den "Straßenkreuzer"-CDs, die Jahr für Jahr in der Weihnachtszeit erscheinen und Geld für das gleichnamige Nürnberger Magazin und dessen Verkäufer einspielen sollen.

    John Davis mit Solo-Karriere nach dem Playback-Schwindel

    Der in der fränkischen Musikszene bestens vernetzte und beliebte Davis wurde in Anderson/South Carolina geboren und kam in den Siebzigern nach Deutschland, zunächst als Bassist, dann auch als Sänger. Sein Debut, das Funk-Album "Joker", benannt nach seiner Soul-Band und in Zusammenarbeit mit Peter Hauke produziert, erschien 1980 bei Teldec, es folgten zwei weitere Platten. 1988 produzierte er dann schließlich mit Frank Farian "Girl You Know It´s True". Da Farian damals soeben den Sänger Charles Shaw entlassen hatte, weil der mit seiner reinen Background-Rolle von "Milli Vanilli" unzufrieden gewesen war, konnte Davis dessen Platz einnehmen. "Ich saß zu Hause und konnte weder lachen noch weinen. Ich guckte nur zu und wartete ab. Der Skandal lag damals schon knüppeldick in der Luft", so Shaw 2008 in einem Beitrag für den "Spiegel".

    Nachdem der Playback-Schwindel aufgeflogen war, hatte Davis eine wechselhafte Solo-Karriere. Vor sechs Jahren hieß es, er plane mit Fab Morvan ein Comeback. Beide hatten sich 2013 bei Dreharbeiten für einen Werbespot in Los Angeles getroffen und einen "Milli Vanilli"-Hit beigesteuert, "Blame It On the Rain". Inzwischen hatte der Tänzer bewiesen, dass er tatsächlich singen konnte, auf dem 1997 produzierten Album "Back and in Attack", das allerdings nicht veröffentlicht wurde, weil Partner Rob Pilatus plötzlich verstorben war. 2003, als Morvan am RTL-Dschungelcamp teilnahm, erschien dessen Solo-Platte "Love Revolution".

    Aus der Zusammenarbeit mit John Davis entstand schließlich 2015 das Album "Face meets Voice". Seitdem tourten Morvan und Davis gemeinsam und traten im Mai desselben Jahres in der Carmen-Nebel-Show auf. Dabei legte Davis Wert darauf, dass sie "keine Milli Vanilli-Kopien" seien. Weil sie sich gleichwohl "The True Milli Vanilli Experience" nannten, war Frank Farian entsprechend sauer und drohte mit Klage. John Davis war daher auf den "ausgebufften Geschäftsmann" nicht gut zu sprechen. Er war bereit, "notfalls auch als "Willi Manilli“ aufzutreten und pfiff auf die Markenrechte.

    Am gestrigen Pfingstmontag ist John Davis nach Angaben seiner Tochter an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

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