BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Militärseelsorger: Hilfe für Soldaten im Kriegseinsatz | BR24

© BR

Militärseelsorger Jörg Plümper

Per Mail sharen

    Militärseelsorger: Hilfe für Soldaten im Kriegseinsatz

    Persönliche Konflikte, finanzielle Sorgen, Beziehungsprobleme: Sie werden bei Soldaten im Einsatz unsichtbar, verschwinden aber nicht. Militärseelsorger haben die Aufgabe, den Menschen in Uniform bei seelischen Problemen beizustehen.

    Per Mail sharen

    Jörg Plümper ist seit gut einem Jahr katholischer Militärpfarrer bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall. Ein großer Standort, an dem er immer wieder neue Bereiche kennen lernt. Sein Auftrag ist ein "Begleitauftrag", wie er sagt: "nah am Soldaten, am Menschen in der Uniform zu sein."

    Ansprechpartner bei Sorgen

    Heute bedeutet das, im Einsatz- und Ausbildungszentrum eine Prüfung zu begleiten, bei der sich Soldaten mit Maultieren auf den Ernstfall vorbereiten. Die Vierbeiner versorgen im Einsatz Truppen mit Waffen, Munition und Wasser. Für Pfarrer Plümper keine ungewohnte Situation. Er hat selbst den erweiterten Wehrdienst geleistet, weiß also, wie Militär funktioniert.

    Und er weiß, was Soldaten beschäftigt. Um einen guten Dienst zu machen, müssen sie frei von Sorgen sein, sagt er, "sowohl von seelischen Sorgen, aber auch von sozialen Sorgen, finanziellen Sorgen. Als Seelsorger bietet er sich als Ansprechpartner außerhalb des Dienstes an. Am heutigen Prüfungstag bereitet der Pfarrer einen Feldgottesdienst vor. Für ihn ist das eine gute Gelegenheit, sich den Soldaten vorzustellen und Vertrauen aufzubauen.

    Den Menschen hinter der Uniform sehen

    "Von außen betrachtet sind wir alle grün", sagt Obergefreiter Ferdinand Weisflog, "für den Einzelnen ist es schwer, den Menschen heraus zu sehen, aber die Kameraden kennen einen." Hin und wieder müsse man seine eigenen Wünsche in der Gruppe hinten anstellen, so die Obergefreite Sophia Schmid. "Aber man weiß, dass man mit Leuten zusammenarbeitet, die sich darum kümmern und sich auch dafür interessieren, wie es einem persönlich geht."

    Auch wenn nicht alle gläubig sind, hören sie Jörg Plümper zu. Offenbar wirkt die Uniform auch beim Gottesdienst gemeinschaftsbildend. Auch die Öffentlichkeit nimmt die Bundeswehr in der Regel als Kollektiv wahr, positiv wie negativ. Die einen beschimpfen Soldaten als Mörder, andere verbinden positive Erfahrungen mit den Menschen in Uniform. "Mir hat beim Einkaufen eine alte Frau gedankt", sagt Ferdinand Weisflog, "dass die Bundeswehr gegen Corona hilft".

    Den Menschen hinter der Uniform zu sehen, betrifft auch die Frage nach seiner politischen Einstellung. Seelsorger Plümper sieht in der Bundeswehr einen Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft. Wie umgehen mit extremistischen, demokratiefeindlichen oder menschenverachtenden Positionen? Dort sieht Plümper sich selbst und die jeweiligen Vorgesetzten in der Pflicht, sagt aber auch: "Das ist eine Gesellschaftsfrage. Das ist nicht nur eine spezifisch militärische Frage."

    "Die Trennung von zu Hause ist eine große Herausforderung"

    Die Prüfung beginnt: Auf dem Programm steht zuerst das richtige Satteln der Pferde. Eigentlich kaum zu glauben, dass in Zeiten hochmoderner Waffensysteme noch Maultiere gebraucht werden. Doch in unwegsamem Gelände sind sie unverzichtbar. Zum Beispiel in Afghanistan, wo Pfarrer Plümper auch im Dienst war.

    Normale Alltagsprobleme zwischen Kameraden oder mit einem Vorgesetzten, die gebe es im Inland wie im Ausland. "Aber die Trennung von zuhause ist eine große Herausforderung für die meisten." Deshalb sagt Plümper: "Wenn der Soldat im Einsatz ist, ist die Partnerschaft auch im Einsatz."