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Wie sich Michael Mittermeier der "Challenge Corona" stellt | BR24

© Audio: BR/ Bild: Kiepenheuer & Witsch
Bildrechte: Olaf Heine

Michael Mittermeier und seine "Corona-Chroniken": "Ich glaube, ich hatte es schon"

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Wie sich Michael Mittermeier der "Challenge Corona" stellt

Die erste Corona-Welle ist vorüber und mit ihr auch die erste Welle Corona-Witze. Auch Michael Mittermeier nahm sich der "Challenge Corona" an. Sein neues Buch "Ich glaube, ich hatte es schon" trifft leider schon nicht mehr ganz den Nerv der Zeit.

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Von
  • Hendrik Heinze

Der 7. Juni 2020 ist ein hoffnungsfroher Tag. Der Freistaat Bayern hat schmale acht Neuinfektionen. Der kleine Ort Karpfham bei Passau hat jetzt ein Autokino. Und der alte Bühnenhase Michael Mittermeier löst seinen Knoten. "Als ich drei Monate keine Auftritte hatte, da hast du Pointenstau, isso," so Mittermeier. "Da wollte ich wieder, ich musste. Das ist meine Berufung. Ich geh' auf eine Bühne und mach' die Menschen lachen. Und ich habe auch gemerkt: Es ist für mich wichtig, als Künstler, als Mensch, mit dieser Challenge Corona, mit dem Lockdown, mit der Pandemie umzugehen."

Challenge Autokabarett

An diesem Juni-Abend entsteht, was in den kommenden Monaten zu Buch und Hörbuch heranreift. Mittermeier begrüßt das erste Autokabarett-Publikum seines Lebens, schaut in zweihundert erwartungsvolle Windschutzscheiben – und legt los. "Meine Challenge war: Ich gehe hoch, ich spiele, 90 Minuten, aber kein altes Programm. Sondern ich erzähle die Geschichten, die mir gerade passieren, die ich erlebt habe, im Supermarkt, wo es dann aussieht wie bei der Zombie-Apokalypse, die Gespräche mit meiner Tochter aus dem Privaten. Und die Leute sind total mitgegangen. Also für die Verhältnisse, klar. Sie haben halt dann gehupt, Lichthupe. Und das war so schön, ich war so glücklich!"

Wer diese Entstehungsgeschichte kennt, wird sich in Mittermeiers neuem Buch und Hörbuch immer wieder an sie erinnern. Und wird seinen sehr persönlich gehaltenen, in Ich-Form geschriebenen Chroniken dann verzeihen, dass manches schon nicht mehr ganz den Nerv trifft. Die erste Runde "Wir gegen Corona" ist längst gekämpft, das komödiantische Potenzial von Hamsterkäufen und Supermarktschlachten erschöpft.

Wutreden übers Homeschooling

Anderes funktioniert besser: Mittermeiers Wutreden zu Homeschooling und Whatsapp-Terror sind zwar nicht furchtbar originell und wollen es auch nicht sein. Aber wer mit dem auch schon 54-jährigen Mittermeier älter geworden ist, fühlt sich gut unterhalten und noch besser erkannt. "Homeschooling" ist für ihn übrigens ein Anwärter auf das Unwort des Jahres. Und für den Satz des Jahres hat Mittermeier auch schon einen heißen Kandidaten: Seinen Titel nämlich, diese alle Unsicherheit, allen Trotz und allen Witz enthaltende Antwort auf Corona: "Ich glaube, ich hatte es schon." Michael Mittermeier: "Ich hab damit wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf getroffen, weil der Satz beschreibt das Gefühl mit einem Augenzwinkern. Der bringt es auf den Punkt. Das ist so wie: Ich bin dann mal weg."

Gibt es gute Corona-Witze? Der so erfahrene wie reflektierte Spaßmacher Mittermeier fragt sich das in seinen Chroniken, dem Verdacht nachgehend, dass Corona wohl doch der bessere Kabarettist ist. Schneller. Unwahrscheinlicher. Brutaler. Und es stimmt: Mittermeier hat sich hier einen schwierigen Gegner gesucht, dem er mit leisem, nie sehr forschen Witz begegnet, eher schon als Chronist denn als Comedian.

© Kiepenheuer & Witsch
Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch

Challenge Corona: Buchcover von "Ich glaube, ich hatte es schon" von Michael Mittermeier

Battle-Rap zwischen Drosten und Kekulé

Diese so unberechenbare Pandemie fühlt sich eben von Monat zu Monat anders an, und wir uns in ihr. Der Mangel an Klopapier, die Forschheit der Querdenker, die Tücken des Home Office, das war schon alles abwechselnd beängstigend, komisch, lästig und egal. Und weil das so ist, lässt sich auch nicht mit Gewissheit sagen, ob Mittermeiers großes Virologen-Battle zwischen Drosten und Kekulé, ob also der vom Mittfünfziger mit Verve, aber hörbar auch Anstrengung dargebotene Battle-Rap nun Höhe- oder Tiefpunkt seiner wackeren Chroniken ist.

Im Hörbuch klingt das dann so: "Ich sag’s dir mit Härte: Du bist Fernsehexperte. Es gibt einen, der kann's, und du heulst bei Lanz! Und jetzt knie nieder, dann lass ich die Beschimpfung. Denn du bist nur ein Schnelltest - aber ich bin die Impfung!"

Michael Mittermeier: "Ich glaube, ich hatte es schon. Die Corona-Chroniken". Als Buch erschienen beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, als Hörbuch bei Argon.

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