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Noch verdienen viele: Debatte um Michael Jackson vor TV-Doku | BR24

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Samstagabend wird der zweiteilige HBO-Dokumentarfilm "Leaving Neverland" in Deutschland erstmals ausgestrahlt. Darin behaupten zwei Männer, als Kinder von Michael Jackson missbraucht worden zu sein. Die Fans sind teils alarmiert, teils gleichgültig.

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Noch verdienen viele: Debatte um Michael Jackson vor TV-Doku

Samstagabend wird der zweiteilige HBO-Dokumentarfilm "Leaving Neverland" in Deutschland erstmals ausgestrahlt. Darin behaupten zwei Männer, als Kinder von Michael Jackson missbraucht worden zu sein. Die Fans sind teils alarmiert, teils gleichgültig.

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Stolze zwei Milliarden Dollar soll Michael Jackson nach Angaben der Washington Post verdient haben, wohlgemerkt nach seinem Tod. Klar, dass die Vermarkter unruhig werden, jetzt, wo sein Privatleben abermals Stoff einer brisanten Fernsehdokumentation ist, ausgerechnet jetzt, in "Metoo"-Zeiten, wo so manche Hollywood-Karriere wegen negativer Schlagzeilen jäh endete. Nervös sind zum Beispiel die Produzenten eines neuen Michael-Jackson-Musicals, das eigentlich im nächsten Jahr am Broadway in New York herauskommen sollte. Die Proben sollten im Oktober in Chicago beginnen, wurden jedoch zwischenzeitlich mit der Begründung abgesagt, ein Streik im vergangenen Februar habe den Zeitplan durcheinander gewirbelt.

Derzeit verdienen noch viele am Mythos

Angeblich bekamen die Geldgeber kalte Füße, und es wird in der Fachpresse gemunkelt, es sei derzeit schwer, einen prominenten, zugkräftigen Musical-Star zu finden, der als Michael Jackson auf der Bühne stehen will. Ganz abgesehen davon ist es schwer, überhaupt ein Textbuch zu verfassen, denn es sollte in dem Stück um die Welttournee gehen, die Jackson im November 1993 wegen massiver Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs entkräftet und entnervt abbrechen musste. Derzeit jedenfalls verdienen noch viele am Mythos: Der Cirque du Soleil in Las Vegas, natürlich Hauptvermarkter Sony, aber auch zwei deutsche Veranstalter, darunter die Mannheimer BB Promotion, die derzeit noch "Thriller" im Angebot hat, eine Produktion, die seit Januar 2009 auf Tour ist und gerade in München am Deutschen Theater Station macht.

© Jungblut/BR

Werner Steer

"Wir werden ins Publikum reinhören"

Danach übrigens sind im deutschsprachigen Raum vorerst keine weiteren Termine vereinbart, bestätigte BB Promotion dem BR. Und was die aktuellen Vorwürfe gegen Michael Jackson betrifft, heißt es sehr schmallippig von der Pressesprecherin, das sei für den Veranstalter kein Thema, da werde zwischen Musik und Künstler streng unterschieden. Werner Steer, einer der beiden Geschäftsführer des Deutschen Theaters, sieht das vielschichtiger: "Wir waren ja die ersten, die das von London rüber geholt haben. Damals war das überhaupt noch kein Thema. Wir sind da ein Risiko eingegangen. Der Michael Jackson ist dann gestorben, kurz bevor die Show bei uns war. Erst ab dem Zeitpunkt ist die Show eigentlich der Knaller geworden, der sie jetzt mittlerweile ist und konstant weiter ist. Seitdem haben wir sie alle drei, vier Jahre geholt, weil der Bedarf da ist, weil die Leute das sehen wollen. Wir werden selbstverständlich ins Publikum reinhören, was das los ist, was die allgemeine Stimmung ist. Ich gehe davon aus, wenn es die Show in drei Jahren noch gibt, dass wir sie vielleicht noch mal holen. Aber wenn da großer Widerstand da sein sollte, dann selbstverständlich nicht. Wir sind für unser Publikum da. Mir geht es echt um die Show und die Musik."

© Deutsches Theater München

So bleibt der "King of Pop" in Erinnerung

"Es muss aufgeklärt werden!"

Eines steht fest: So schnell wird sich die Aufregung um Michael Jackson nicht legen, auch nicht nach der Ausstrahlung der viel diskutierten Dokumentation am Samstagabend auf Pro 7. Erstens haben die Erben von Jackson eine 100-Millionen-Dollar-Klage wegen Vertragsverletzung gegen den produzierenden Kabelsender HBO eingereicht, zweitens dürften in den Zeiten von "Metoo" weitere Recherchen folgen. Die Münchner Michael-Jackson-Fans sehen das durchaus unterschiedlich: "Ich finde das blöd, jetzt, zehn Jahre nach seinem Tod, das alles auszugraben. Warum haben sie damals nichts gemacht?" -"Man hat das im Hinterkopf, dass man sagt, das war alles nicht ganz so astrein, was er als Mensch gemacht hat. Das muss ich heute etwas ausblenden, aber das beschäftigt mich schon." - "Mir ist die Musik das Wichtigste. Was da jetzt für Schlagzeilen sind, das interessiert mich nicht." - "Man muss das Künstlerische vom Menschen trennen. Elvis Presley war ein bekannter Frauenschläger, ein nicht besonders sympathischer Zeitgenosse, wird als Legende gefeiert, und ich finde, man sollte bei Michael Jackson dieselben Maßstäbe ansetzen." - "Wo gibt´s keine Probleme? Bei der Kirche ist es das gleiche, dann dürfte ich auch nicht mehr in die Kirche gehen!" - "Das, was er getan hat: Er kann sich nicht mehr wehren. Aber es muss aufgeklärt werden!"

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Publikum strömt ins Deutsche Theater

"Wir haben keinen Imitator"

Bekanntlich wurde Michael Jackson in einem aufsehenerregenden Verfahren wegen angeblicher sexueller Belästigung freigesprochen, worauf seine Fans immer wieder hinweisen. Hier wird eine Grundsatz-Debatte geführt, wieder einmal, wie schon zu Richard Wagners Zeiten: Lässt sich ein Werk von seinem Urheber trennen? Beim Judenfeind Wagner mag das schwierig sein, seine Opern werden jedenfalls hier und da auch antisemitisch gedeutet. Die Musik von Michael Jackson dagegen hat bis jetzt noch keiner mit den Gerüchten um dessen Privatleben in Verbindung gebracht. Gleichwohl dürfte es künstlerisch und finanziell heikel bleiben, ein neues Michael-Jackson-Musical zu produzieren und dabei alle Vorwürfe auszublenden. Werner Steer ist jedenfalls froh, dass er im Deutschen Theater dieses Problem nicht hat: "Bei uns ist es so, dass wir keinen Michael-Jackson-Darsteller auf der Bühne haben. Wir haben mehrere Darsteller, die die Lieder interpretieren, selbst interpretieren, aber wir haben keinen Michael Jackson-Imitator auf der Bühne. Darauf sind wir stolz, und das ist auch das, was die Show immer schon ausgemacht hat."