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Der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar.
© dpa/ Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

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Matthias Morgenroth
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Der Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar.

"Mensch oder Maschine – Wer programmiert wen?" Das war die Grundfrage auf dem Evangelischen Medienkongress, der bis Mittwoch im Funkhaus des Bayerischen Rundfunks in München ausgetragen wurde. Hochrangige Wissenschaftler waren zum Austausch gekommen, unter anderem KI-Kopf Jürgen Schmidhuber, Konfliktforscher Andreas Zick, EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm oder der Physiker und Journalist Ranga Yogeshwar.

Mittlerweile ganz alltäglich: Künstliche Intelligenz

KI, Künstliche Intelligenz ist dabei nichts Fernes, sondern begleitet uns im Alltag. Selbstlernende Software ist die Grundlage für Spracherkennung, Schreibprogramme, Suchmaschinen und vieles mehr, jedes Smartphone arbeitet damit. Umgekehrt werden Vorlieben und Verhalten der User durch solche selbstlernenden Systeme ermittelt, um sie punktgenauer bewerben und sogar auch manipulieren zu können.

Viele Wissenschaftler sind inzwischen der Auffassung, dass wir uns schon durch den ständigen Gebrauch der neuen Medien verändert haben und weiter verändern. Weil die Entwicklung rasant ist, braucht es ganz neue Formen der ethischen Meinungsbildung, meint Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar.

Drei Fragen an Ranga Yogeshwar

Wir suchen nach Kriterien, um die Digitalisierung zu fassen. Welche haben Sie?

"Was wir brauchen ist eine neue Grammatik der Ethik. Bisher war Ethik etwas, das in gewisser Weise statisch war. Wir werden aber jetzt konfrontiert mit einer Technik, die auch uns und unser Selbstverständnis laufend verändert. Insofern brauchen wir eher einen ethischen Prozess, der im Grunde genommen ständig vorhersagt, was kommt und dann identifiziert, über was wir gesellschaftlich nachdenken müssen."

Das klassische Beispiel eines ethischen Dilemmas im Bereich Digitalisierung ist die Frage nach dem autonomen Fahren.

"An einigen Stellen werden wir möglicherweise keine harten Kriterien geben können. Wenn wir über Ethik bei autonomen Fahrzeugen nachdenken, gibt es dort das sogenannte 'moral dilemma’, also die Frage: Was soll die Software tun, wenn ein Auto autonom fährt und in einer Situation entscheiden muss, ob ein Kind überfahren oder der Beifahrer getötet wird? Eine andere Sicht kann an dieser Stelle sein: Wir machen es wie heute schon bei Medikamenten. Das heißt, man hat ein autonomes Fahrzeug und man bekommt einen Beipackzettel. Und da steht vielleicht drin: In so und so viel Fällen wird dieses autonome Fahrzeug dich selber umbringen."

Manche KI-Entwickler sehen sich als Geburtshelfer einer neuen Spezies, eben völlig selbstständiger künstlicher Intelligenzen. Unter dieser Perspektive ist einfach alles gut, was die Entwicklung vorantreibt - aber nicht, was dem Menschen dient.

"Wir sollten diese Entwicklung immer menschenzentriert sehen. Das muss am Ende unser Interesse sein. Wir sind nicht die Kalfaktoren einer Technologie, die uns eines Tages überrennt, an dieser Stelle bin ich ganz klar. Wir haben ein großes Eigeninteresse als Menschen, als Menschheit, die Hebel in der Hand zu behalten. Wir werden in dem Kontext dieser Debatte eine Frage wiederholen, die Aristoteles schon gestellt hat, nämlich: Was unterscheidet uns Menschen – in seinem Fall von den Tieren - in unserem Fall von den Apparaten? Und das ist ein toller Reflexionsprozess, weil wir am Ende destillieren, was uns Menschen ausmacht."