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Die Frauenquote kann "Men In Black International" nicht retten | BR24

© Sony Pictures

MIB in Action

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Die Frauenquote kann "Men In Black International" nicht retten

Das Blitzdings ist zurück: Die Comicverfilmung "Men in Black" war 1997 ein Blockbuster, zwei maue Fortsetzungen folgten. Jetzt kommt Teil 4 ins Kino – ohne das Dreamteam Will Smith und Tommy Lee Jones, dafür mit ordentlich Zeitgeist. Aber reicht das?

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Es gibt Dinge, die lassen sich nicht eliminieren. Da können noch so viele Men in Black mit ihrem Blitzdings um die Ecke kommen. Die Geheimagenten mit Sonnenbrille und perfekt sitzendem schwarzen Anzug sind ein Stück Popkultur. Punkt. Dass Will Smith und Tommy Lee Jones nach drei gemeinsamen Filmen den Anzug auf den Bügel hängen? Akzeptiert. Dass die von ihnen verkörperten Agenten J und K im vierten Teil mit keinem Wort erwähnt werden? Hm. Dass sie stattdessen als Ölgemälde im Büro des Londoner M.I.B.-Chefs hängen? Ah, ok. Elegant gelöst.

„Men in Black: International“ bietet diverse solcher mehr oder weniger stillen Reminiszenzen an die ersten drei Teile. Ein geschickter, um nicht zu sagen: zwingend notwendiger Schachzug. Schließlich erwarten Fans der ersten Stunde bei der Neuauflage einer beliebten Reihe, dass das Original gewürdigt wird. Also haben die zotigen Wurm-Aliens einen kurzen Auftritt und klopfen Sprüche wie in den Neunziger-Jahren, das legendäre New Yorker Hauptquartier wird durchschritten und auch Emma Thompson ist dabei. Wie schon im dritten Teil spielt sie die Chefin des US-amerikanischen Zweigs der Supergeheimorganisation. Thompsons Agentin sagt im Film: "Die „Men“ in Black? - Nein. Fangen Sie nicht damit an. Ich hatte das Gespräch. Aber die sind noch nicht soweit. Das ist ein Prozess. Ich denke, die hängen einfach dran."

Zeitgeistig konventionell

Et voilà, die nächste wichtige Zutat eines gelungenen Reboots: der Zeitgeist. Antiquierte Gendergrenzen werden in Frage gestellt, bei der Zusammenstellung des Leading Teams herrscht Geschlechtergerechtigkeit: Nicht zwei Männer retten die Welt, sondern ein Mann und eine Frau. Genauer: Ein eingespieltes Team, das schon im Superhelden-Universum der „Avengers“-Reihe Seite an Seite gekämpft hat. Thor-Darsteller Chris Hemsworth spielt in „Men in Black: International“ wunderbar selbstironisch den überheblichen Agenten H. Tessa Thompson, auch bekannt als kampferprobte Valkyrie, spielt die toughe M.I.B.-Rekrutin M.

Es ist also eine große Popkultur-Party, die im vierten Teil der „Men in Black“-Reihe gefeiert wird. Wenn Chris Hemsworth im Kampf mit einem Alien einen in seinen Händen maximal lächerlich wirkenden Standardhammer wirft, frohlocken die Fans von Donnergott Thor. Wenn Tessa Thompson ohne Absicherung eine Steilwand hochklettert, wirkt sie wie die weibliche Variante von Tom Cruise in „Mission Impossible“. Generell erinnern viele der Actionsequenzen an diese anderen beiden Geheimagenten, an Ethan Hunt und an James Bond. Auch die M.I.B.-Agenten reisen neuerdings quer über den Globus und absolvieren Verfolgungsjagden durch enge Straßenzüge, gerne in Fahrzeugen, die sich durch kleine eingebaute Gadgets in irre Geschosse verwandeln lassen.

So gut durchdacht das alles auch ist: Wirklich zünden kann „Men in Black: International“ nicht. Was bei dem scheinbar perfekten Mix aus Witz, Style und State-of-the-Art-Computereffekten auf der Strecke bleibt, ist die Handlung. Die ist zu zahm, zu vorhersehbar und am Ende total egal.

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