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Das Streaming von Filmen und Serien in Deutschland boomt - auch dank Corona.

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    Mehr Angebote, mehr Diversität: Die Zukunft des Streamings

    Der Trend zum Streaming hat während des Corona-Pandemiejahres an Fahrt aufgenommen: Immer mehr Leute schauen Netflix & Co. Und immer mehr Anbieter drängen auf den Markt. Fernsehen verändert sich, auch was die Diversität auf dem Bildschirm betrifft.

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    Von
    • Sissi Pitzer

    Kein Kino, kein Theater, kein Restaurant- oder Kneipenbesuch: Gemütlich auf der Couch Filme und Serien schauen ist da eine willkommene Alternative. Etwa ein Viertel der Deutschen nutzt Streamingdienste wöchentlich, fast die Hälfte mindestens ein Mal im Monat – bei den Jüngeren sind es noch deutlich mehr.

    Netflix ist 2020 an seinem Hauptkonkurrenten Amazone Prime Video vorbeigezogen. Auch die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen können punkten: Alle zusammen erreichen über ein Drittel der über 14-jährigen. Mitten in der Pandemie neu auf den deutschen Markt gekommen ist Disney+. Zum Angebot gehören auch TVNow von RTL und Joyn von ProSiebenSAT.1 oder die Film- und Sportangebote von Sky und DAZN.

    US-Anbieter drängen auf den deutschen Markt

    Disney+ hatte einen guten Einstand in Deutschland, sagt Torsten Zarges, Chefreporter des Medienbranchendienstes DWDL. Nach aktuellen Studien habe der Hollywood-Riese in wenigen Monaten knapp drei Millionen Abos verkauft. Denn die beliebten Disney-Filme und -Dokus sind eine starke Marke.

    Und es wird noch mehr Konkurrenz aus den USA geben, so Zarges: HBO Max aus dem Hause Warner Media und Paramount+ von Viacom/CBS. Derzeit laufen ihre attraktiven Angebote noch exklusiv bei Sky, doch wenn dieser Deal ausläuft, werden sie in den nächsten drei Jahren eigene Angebote auch nach Deutschland bringen.

    Starkes, aber kein grenzenloses Wachstum

    Die Deutschen haben zwar inzwischen gelernt, für Inhalte zu zahlen. Aber nicht jeder Haushalt kann sich fünf, sechs Streaming-Abonnements gleichzeitig leisten. Das führt zu Abo-Hopping, befeuert durch kostenlose oder preisreduzierte Probemonate. Und es zieht das Publikum dahin, wo gerade die attraktiven Serien laufen – ob neue Ware wie "Supergirl" oder "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder Klassiker à la "Friends" und "Modern Family".

    Für die nahe Zukunft sieht Streaming-Experte Zarges noch starke Wachstumsraten. Attraktiver Content falle aber nicht vom Himmel, und schon jetzt sei unter den Plattformen ein heftiger Konkurrenzkampf um Exklusivität und attraktive Neuproduktionen im Gange.

    Öffentlich-rechtliche Mediatheken immer attraktiver

    Die Streaming-Konkurrenz verändert auch die klassischen TV-Sender. Erstmals, so Zarges, entwickelten die Öffentlich-Rechtlichen mit sehr viel Entschlossenheit und ziemlich viel Geld exklusive Inhalte für ihre Mediatheken. Ein fester Sendeplatz rücke für die Redaktionen zunehmend in den Hintergrund. Außerdem nutzten ARD und ZDF ihr Angebot "funk", um über Youtube, Instagram und andere Plattformen ein attraktives Unterhaltung- und Informationsprogramm für junge Leute zu machen. Grundsätzlich müssten die klassischen Medien noch stärker über ihre eigenen Plattformen hinausdenken meint Medienexperte Zarges. Nur, weil man jahrzehntelang als Zeitung Papier bedruckt oder als Fernsehsender einen linearen Programmablauf bestückt habe, müsse das nicht immer so bleiben.

    "Man muss sich auf neue Konfektionierung und Vertriebsformen seiner Inhalte einstellen. Und es spricht viel dafür, dass Kompetenz für bestimmte Inhalte, beispielsweise Nachrichten, sich auch auf neuen Verbreitungswegen auszahlen kann". Torsten Zarges, Medienexperte und Chefreporter DWDL

    Mehr Diversität in neuen Serien

    Auch inhaltlich tut sich einiges. Die neuen Plattformen bieten mehr Chancen für Regisseurinnen, Serien- und Filmemacherinnen. Studien zeigten, so Medienexperte Zarges, dass mehr Diversität auf die Bildschirme komme, nicht nur was die Rolle von Frauen betreffe. Allerdings gebe es auch bei Netflix & Co. Klischees und altes Denken, da sei noch Luft nach oben. Als Beispiel nennt er die aktuelle, viel diskutierte Serie "Emily in Paris" – die sei süß und unterhaltsam, aber gendermäßig eher klischeebeladen. "Aber weil mehr möglich ist, werden auch mehr Stimmen gehört", so Zarges. Alle, ob Sender oder Streaminganbieter, müssten sich da jetzt reinhängen, denn das verbessere das Angebot und erweitere die potentiellen Zielgruppen.

    Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im MedienMagazin von B5 aktuell, im Radio am Sonntag, um 14.05 Uhr, oder als Podcast im Internet.

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