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Mehr als eine Kinderbuchautorin: Zum Tod von Gudrun Pausewang | BR24

© picture alliance/ Arne Dedert/ dpa; Bearbeitung: BR

Gudrun Pausewang bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main

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Mehr als eine Kinderbuchautorin: Zum Tod von Gudrun Pausewang

Ob als Lehrerin oder Schriftstellerin: Gudrun Pausewang wollte immer etwas bewirken. Das Schreiben war ihre Leidenschaft, aber auch politisches und soziales Engagement lag ihr am Herzen. Davon zeugt nicht nur ihr Bestseller "Die Wolke".

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Viele werden Gudrun Pausewang als Autorin des Jugendbuchs "Die Wolke" in Erinnerung bewahren. Darin hat sie die Atomkatastrophe zu Ende gedacht, den größten anzunehmenden Unfall, die Flucht vor der unsichtbaren Gefahr, ausfallende Haare, tote Eltern und die Spaltung der Gesellschaft in Opfer und Davongekommene.

Pausewang schrieb "Die Wolke" 1986 im Schrecken über das Reaktorunglück in Tschernobyl, um Jugendliche auf die atomare Gefahr aufmerksam zu machen. Ein gut recherchierter Roman, der verfilmt und in elf Sprachen übersetzt wurde. Für den sie aber einige als Angstmacherin kritisierten, wie Pausewang erzählt: "Wenn ich als Lehrerin der Angst bezeichnet werde, ist das auch ein leichter Hinweis, meine Bücher seien mega-out heutzutage. Dass sie eben nicht mega-out sind, hat die Katastrophe in Japan wieder gezeigt."

Fukushima brachte "Die Wolke" wieder in die Bestsellerlisten

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 war "Die Wolke" kein Katastrophenkitsch mehr. Das Buch stand erneut auf den Bestsellerlisten und die damals 83-jährige Autorin war ein vielgefragter Gast in allen Medien.

Gudrun Pausewang hat über 90 Bücher geschrieben, für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. In den 1970er-Jahren traf sie mit ihrer politischen, engagierten Jugendliteratur den Nerv der Zeit. Denn sie griff Probleme der Gegenwart auf, und solche, die als nicht erzählbar galten. In "Reise im August" etwa erzählt sie aus Sicht eines Mädchens von einer Deportation nach Auschwitz. Ob sie nun politisch wurde oder aus kindlicher Perspektive die Gesellschaft kritisierte – Gudrun Pausewang ging es darum, mit ihrer Literatur etwas zu bewirken, egal ob sie für 6-, 16- oder 60-Jährige schrieb: "Ich nehme meine Leser ernst, das ist ganz wichtig. Ich verlange etwas von ihnen und ich gebe ihnen eine Kost, die nicht vergeht mit dem Zuschlagen des Buches."

Der Nationalsozialismus als politische Bruchstelle

Der moralische Anspruch Pausewangs und ihre Motivation zu Schreiben waren tief geprägt von ihrer Biografie. Über ihre eigene Jugend aber schrieb sie erst in den 80er-Jahren, in der Trilogie "Rosinkawiese". Auf der Rosinkawiese, einem Stück Land im damaligen Ost-Böhmen, wollten ihre Eltern den Traum vom alternativen Leben verwirklichen. Dort wurde Gudrun Pausewang 1928 geboren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die damals 17-Jährige mit ihrer Familie nach Westdeutschland. Als Jugendliche war sie vom Nationalsozialismus überzeugt: "Erst dann, in den Wochen nach dem Kriegsende ging mir langsam auf, wie schmählich dieses NS-System unseren jugendlichen Idealismus benutzt hat und ich zog daraus die völlig falsche Konsequenz. Nämlich die, nie wieder etwas mit Politik zu tun haben zu wollen. Diese politische Abstinenz habe ich beibehalten, bis ich hinausging nach Südamerika."

Schriftstellerin aus Leidenschaft

Als sie 1956 als Lehrerin nach Südamerika ging, begann sie zu schreiben. Drei Jahre später veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Rio Amargo" für Erwachsene, in dem sie die politischen Unruhen und sozialen Missstände in Chile beschrieb. Zurück in Deutschland, ließ Gudrun Pausewang sich im osthessischen Schlitz nieder. Seit 1989 war sie im Ruhestand, reiste durch die Republik, las in Schulen und Bibliotheken und schrieb weiter – aus Leidenschaft, wie sie sagt, weil sie sich ein Leben ohne das Schreiben nicht vorstellen konnte.

Im hohen Alter von 70 Jahren promovierte sie an der Frankfurter Goethe-Universität über Jugendbuchautoren der Erich-Kästner-Generation und befasste sich wissenschaftlich mit Aspekten der Literatur im Nationalsozialismus. Gudrun Pausewang hat in ihrer Literatur politisch und sozial engagiert erzählt, immer mit dem leitenden Gedanken: "Etwas lässt sich doch bewirken" – als Warnerin, als Lehrerin und vor allem als Schriftstellerin. Am Donnerstagabend starb Gudrun Pausewang im Alter von 91 Jahren in der Nähe von Bamberg, wie ihr Sohn mitteilte.

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