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Pfarrer Kneipp und seine Hydrotherapie, Deckenfresko in St. Justina, Wörishofen.

Die Geschichte der Klostermedizin hat ihren Anfang in der Ordensregel des Heiligen Benedikt von Nursia, dem Begründer des Benediktinerklosters von Monte Cassino um etwa 529. Seine "Regula Benedicti" schreibt den Mönchen vor, nicht nur in sich gekehrt zu beten, sondern ebenso zu arbeiten. Diese neue Lebensweise wird zum Vorbild für alle abendländischen Klöster. Als wichtigste Aufgabe schreibt Benedikt die Krankenpflege der Mitbrüder fest. Jedes Kloster soll eine Krankenstation einrichten. "Das Besondere ist", sagt Benediktinermönch Bruder Julian, "dass Benedikt gelehrt hat, dass man in den Mitbrüdern, die pflegebedürftig, alt oder krank sind, Christus sehen soll".

Entwicklung einer eigenen Klostermedizin

Mönche und Nonnen beginnen, das medizinische Wissen der Antike zusammenzutragen, sich untereinander weiterzubilden und Erfahrungen mit Heilkräutern zu sammeln. Ihnen ist es zu verdanken, dass antike Schriften wie die des griechischen Arztes Dioskurides abgeschrieben wurden und somit das wertvolle Wissen bewahrt und weiterentwickelt wurde. Jahrhundertelang waren außerhalb der Klöster keine ausgebildeten Mediziner tätig.

Hildegard von Bingen – die Mystikerin

Im 12. Jahrhundert findet die Klostermedizin mit dem Werk von Hildegard von Bingen ihren Höhepunkt. Die Äbtissin gilt als die erste deutsche Mystikerin des Mittelalters. Sie beschäftigte sich mit Medizin, Religion, Musik und Ethik. Ihre Überzeugung: die endgültige Heilung aller Krankheiten erfolgt durch Gott. Die Besonderheit Hildegard von Bingens liegt vor allem darin, dass sie in ihren Schriften deutsche Pflanzennamen verwendete, so dass ihre medizinischen Erkenntnisse auch von mehr Menschen verstanden und umgesetzt werden konnten.

Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen

Kneipp – vom Priester zur Marke

Im 19. Jahrhundert mischt ein Pfarrer aus Bad Wörishofen die Ärzteschaft auf: Sebastian Kneipp entwickelt eine eigene Heil-Philosophie, die sich auf fünf Säulen stützt: Wasser, Heilpflanzen, Bewegung, Ernährung und innere Ausgeglichenheit. Mit diesem ganzheitlichen, psychosomatischen Ansatz ist der Pfarrer seiner Zeit weit voraus. Schon damals lässt er sich seinen Namen und seine Kneipp-Philosophie schützen – auch wenn er nicht ahnen konnte, dass sich daraus bis heute ein großes Unternehmen entwickeln würde, dass überwiegend Wellness-Produkte vermarktet. Seine Kneipp-Anwendungen haben sich bewährt und werden noch heute in der Therapie angewendet.

Forschergruppe Klostermedizin

In Würzburg befindet sich am Institut für Geschichte der Medizin sogar eine eigene Forschergruppe Klostermedizin. Sie beschäftigt sich mit der Nutzung von Heilpflanzen in ihrem historischen Kontext und kann so der Forschung nach medizinisch wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen neue Impulse geben. "Die Mönche und Nonnen damals waren sicher nicht schlauer als heute", sagt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin. "Sie wussten nichts von Viren, sie wussten nichts von Bakterien - sie kannten nicht einmal den Blutkreislauf - aber sie waren sehr, sehr gute Beobachter."